Segnung Homosexueller Partnerschaften

„Wir können diese Menschen doch nicht einfach ausgrenzen“

Greven

Viele Priester planen Segensfeiern für Paare – egal ob schwul, lesbisch oder hetero. „Wenn wir Anfragen bekommen, werden wir dies sicherlich auch tun“, sagte Klaus Lunemann, Pfarrer der Grevener Martinus-Gemeinde.

Peter Beckmann

Gleichgeschlechtliche Paare segnen? „Wenn wir Anfragen bekommen, werden wir dies sicherlich auch tun“, sagte Klaus Lunemann, Pfarrer der Grevener Martinus-Gemeinde. Foto: Daniel Naupold/dpa

Der Vatikan hat eine klare Meinung. Homosexuelle Partnerschaften dürfen in der katholischen Kirche nicht gesegnet werden. Und das hat zu einem Aufschrei an der Basis in Deutschland geführt. Viele Priester planen eine Segensfeier für Paare – egal ob schwul, lesbisch oder hetero. „Wenn wir Anfragen bekommen, werden wir dies sicherlich auch tun“, sagte Klaus Lunemann, Pfarrer der Grevener Martinus-Gemeinde.

Für ihn selbst habe sich die Frage erst gar nicht gestellt. „Unsere Aufgabe ist es, die Liebe zwischen Menschen zu segnen, da ist es egal, ob schwul, lesbisch oder hetero“, sagte Lunemann. Das ergebe sich aus der Schöpfung heraus. „Wir können diese Menschen doch nicht einfach ausgrenzen.“

Lange Zeit sei die Kirche anderer Meinung gewesen. „Aber die Lehre muss sich weiter entwickeln, sie ist kein Gott gegebenes Gesetz.“ Aufgabe der Kirche sei es letztlich auch, eine andere Offenheit an den Tag zu legen, als es früher möglich war. „Die Kirche muss die Lebenswirklichkeit annehmen, wie sie ist, und nicht, wie sie sein sollte“, sagte Lunemann. Es ginge bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ja auch nicht um einige Wenige.

Letztlich sei das Verharren der Kirchenoberen im Vatikan sicherlich ein Grund mit für die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die auch in Greven zu vermelden sind. „Aber da ist wohl eine Kumulation vieler Fragestellungen und natürlich auch das Verhalten einiger Amtsträger der Hintergrund.“ Da gebe es sehr vielschichtige Gründe, die auch manchmal mit Personen zu tun hätten. „Aber es gibt auch die ausschließlich finanziellen Gründe.“

Letztendlich sei für die Kirche selbst der Hintergrund eines Austrittes in den meisten Fällen nicht klar. „Es gibt nur ganz wenige Gemeindemitglieder, die uns über ihren Austritt vorher informieren“, sagte Lunemann. Letztendlich bekomme die Gemeinde nach einer gewissen Zeit nur eine Mitteilung des Amtsgerichtes über einen Austritt.

Das Finanzgebaren der Kirche, die Thematik der Frau in der Kirche, oder auch der Umgang der Kirche mit Homosexuellen – er gehe davon aus, dass es viele verschiedene Gründe für die Kirchenaustritte gebe. „Und ich gehe davon aus, dass die Menschen sich ihren Kirchenaustritt nicht leicht machen.“ Aber natürlich hätte man sich vorher ein Gespräch gewünscht. „Es wäre für uns besser, wenn die Menschen ihr Anliegen benennen würden, anstatt auszutreten.“

So oder so. „Wir haben diese Entscheidungen zu respektieren.“ Die Kirche sei nun mal nicht mehr die prägende Kraft wie früher. In einigen Bereichen habe eine deutliche Entfremdung zwischen den Gläubigen und der Institution Kirche stattgefunden. „Aber natürlich hat die Kirche noch ihre Relevanz und wir versuchen das, was wir tun, so gut wie möglich zu machen“, sagte Lunemann.

Nur: Für einige Gläubige ist das wohl nicht gut genug.

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