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Kerstin Kieseler-Apitz über die Situation im St. Gertrudenstift

„Wir wollen weiter ausbauen“

Greven

Sie leitet das St. Gertrudenstift. Und auch nach Corona ist Kerstin Kieseler-Apitz guter Dinge. Nach stürmischen Zeiten hat sich die Stimmung im Haus gebessert. Zukunftsprojekte stehen vor der Tür.

Von und

Kerstin Kieseler-Apitz leitet das Gertrudenstift. Foto: Günter Benning

Kerstin Kieseler-Apitz stammt aus dem Spreewald bei Berlin. Die Einrichtungsleiterin im St. Gertrudenstifts lebt seit sieben Jahren im Münsterland, hat zunächst im St. Augustinus-Altenheim in Nordwalde gearbeitet und seit drei Jahren im St. Gertrudenstift. Über das Grevener Altenheim sprach sie mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning.

Vor zwei Jahren gab es hier unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Unruhe und Frust. Wie ist die Lage heute?

Kieseler-Apitz: Es gibt definitiv eine positive Entwicklung mit der neuen Geschäftsführung. Es tut sich vieles. Jeder einzelne Mitarbeiter wird wertgeschätzt. Es gibt eine offene Kommunikationsstruktur, viele Gespräche und bei Anfragen gibt es Rückmeldungen. Außerdem: Wir werden das Gertrudenstift mit seiner tollen Lage weiter ausbauen. Pflegeplätze werden ja benötigt.

Wie viele Mitarbeiter sind hier tätig?

Kieseler-Apitz: Mit Hauswirtschaft, Betreuung, Verwaltung und Pflegebereich arbeiten hier um die 100 Leute.

Gibt es da eine große Fluktuation?

Kieseler-Apitz: Die gibt es ja immer, wenn sich Leute noch mal neu orientieren wollen. Aber ich denke nicht, dass hier jemand noch aufgrund von Unzufriedenheit geht.

Wie viele Senioren wohnen hier eigentlich?

Kieseler-Apitz: Wir haben 80 vollstationäre Pflegeplätze, dann gibt es ja noch die Kurzzeitpflege mit 15 Plätzen.

Die leben alle in Einzelzimmern?

Kieseler-Apitz: Die meisten ja, aber wir haben auch vereinzelt Zweibettzimmer.

Gibt es da einen Renovierungsstau?

Kieseler-Apitz: Die Einbettzimmer haben alle Nasszellen. Die Zweibettzimmer ebenfalls, aber außerhalb des Wohnraumes. Da wird sicher in Zukunft noch einiges angepasst werden. Das werden wir Schritt für Schritt machen.

Für Ihre Bewohner zählt sicher vor allem die zentrale Lage?

Kieseler-Apitz: Auf jeden Fall, die Sparkasse ist da, die Cafés sind wieder geöffnet.

War Corona für Sie anstrengend?

Kieseler-Apitz: Toi, toi, toi. Wir sind coronafrei geblieben. Aber es war für jeden Mitarbeiter im Haus harte Arbeit. Die Umsetzung der Hygienemaßnahmen haben wir streng beachtet. Aber hätten wir da nicht alle zusammengearbeitet, hätten wir sicher nicht so viel Glück gehabt.

Führen Krisensituationen Mitarbeiter zusammen?

Kieseler-Apitz: Definitiv. Es gab eine ganz große Einsatzbereitschaft, noch mehr als sonst. Man musste keinen darauf hinweisen, die FFP2-Maske zu tragen oder sich testen zu lassen. Das lief alles freiwillig und selbstverständlich. Es war ein familiäres Gefüge, hatte ich den Eindruck.

Für die Bewohner gab es ja aber auch Besuchseinschränkungen?

Kieseler-Apitz: Die gab es, aber wir haben niemals einen Bewohner eingeschlossen. Das Übergreifende auf den Wohnbereichen gab es zwar nicht mehr, aber auf den Wohnbereichen hatten wir Veranstaltungen im kleinen Rahmen. Es war ein tolles Miteinander.

Also gibt es auch das Gute am Schlechten?

Kieseler-Apitz: Auf das wir trotzdem gerne verzichtet hätten...

Haben Sie vielleicht gerade in diesen Zeiten Probleme, junge Leute für den Pflegebereich zu gewinnen?

Kieseler-Apitz: Natürlich sieht man gerade durch die vielen Veröffentlichungen, wie schwierig die Arbeit der Pflegekräfte war. Das schreckt erst mal ab. Aber ich denke schon, dass viele junge Menschen weiter motiviert sind, auf dieser sozialen Ebene alten und behinderten Menschen zur Seite zu stehen.

Tatsächlich gab es ja auch eine öffentliche Aufwertung des Pflegebereichs…

Kieseler-Apitz: Ja, wir sehen, dass der gesamte Pflegebereich mehr Anerkennung erfährt. Auch finanziell, aber die Finanzen bringen eigentlich nichts, wenn das Berufsbild schlecht geredet wird. Doch ich sehe, dass die Wertschätzung unserer Berufe in Deutschland heute eine andere ist als vor Corona. Man liest endlich auch mal positive Nachrichten.

Wie steht es mit der ehrenamtlichen Unterstützung im Haus?

Kieseler-Apitz: Wir haben sehr viele ehrenamtlichen Mitarbeiter, dafür sind wir sehr dankbar. Die machen Besuchsdienste, begleiten die Bewohner zu Gottesdiensten oder zum Arzt. Wichtig ist die Hospizbegleitung.

Wie kommen die Leute dazu?

Kieseler-Apitz: Meistens ist es so, dass sie Angehörige, Vater, Mutter, hier im Hause hatten und sich dann dem Haus verbunden fühlen und wiederkommen. Auch ehemalige Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich. Leider war das in der Corona-Zeit nicht möglich, aber jetzt ist es wieder möglich.

Manchmal sieht man in der Stadt auch junge Leute, die Senioren in Rollstühlen auf Ausflügen schieben.

Kieseler-Apitz: Die haben wir auch. Manche wollen tatsächlich in den Beruf reinschnuppern. Aber mich wundert es auch immer wieder, dass sich junge Menschen einfach so für ältere Menschen engagieren. Wir hatten eine Klavierspielerin hier, oder junge Mädchen, die vorgelesen haben. Das schätze ich sehr. Wir hatten während der Corona-Zeit eine Kooperation mit dem Augustinianum, wo die Schüler für unsere Bewohner gebastelt, Gedichte geschrieben, besondere Seifen gefertigt haben. Im Jahrbuch der Schule stehen wir auch drin.

Eine schöne Form der Verbundenheit zu den Nachbarn?

Kieseler-Apitz: Eigentlich liegen wir hier ja ganz toll. Nebenan ist der Martinus-Kindergarten. Vor Corona kamen die Kinder zum Singen vorüber. Wenn ein alter Mensch ein Kind sieht, laufen die Tränchen.

Wo soll es nun im Gertrudenstift hingehen?

Kieseler-Apitz: Wir wollen diesen Standort in Greven ausbauen und uns mehr in die Gemeinde integrieren. Damit das Gertrudenstift wieder die Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommt, die es vor vielen Jahren hatte. Das schaffen wir. Ein kleiner Appell: Jeder, der sich ehrenamtlich im sozialen Bereich engagieren möchte und sich für die Arbeit mit Senioren interessiert, kann uns ansprechen. Wir suchen immer engagierte Menschen.

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