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Wilken Software Group verhandelt wegen eines Neubau-Grundstücks

„Wir würden niemals woanders hinziehen“

Greven

IT aus Greven. Das scheint ein gutes Geschäft zu sein. Ulrich Ramoser von der Wilken Group spricht von Expansion.

Günter Benning

Ulrich Ramoser aus dem Management Board und Thomas Krüger, Leiter des Produktmanagments, noch im Schnee vor dem Standort der Wilken Software Group am Hansaring. Foto: Wilken

Alle Welt redet von Homeoffice, von weltweiter Vernetzung, vom virtuellen Arbeiten. Schon sonderbar, dass ausgerechnet ein Softwareunternehmen das Gegenteil sagt. Ulrich Ramoser, Mitglied im Management Boards der Wilken Software Group und verantwortlich für den Standort Greven, sagt‘s so: „Wir würden niemals wagen, woanders hinzuziehen.“

Heimatverbunden

Ramoser, ein knappes Jahr in Greven tätig, ist selbst Pendler: „Ich bin sehr heimatverbunden und fühle mich im Rheinland wohl.“ Aber genauso wohl fühlen sich offenbar die 120 Mitarbeiten, 40 davon Programmierer, die am Hansaring Software für die Energiewirtschaft entwickeln, verkaufen, pflegen. Demnächst sollen es noch mehr werden. Auf 200 Mitarbeiter soll der Standort wachsen, sagt Ramoser. In Greven – wenn auch nicht in der 1980er-Jahre-Immobilie am Hansaring. Derzeit verhandele man über ein Grundstück in der Emsstadt, auf dem ein Neubau entstehen soll. Spätestens Anfang 2023 will man dort einziehen. Der Rheinländer ist ein Zupacker, der nicht verhehlt, dass die Grevener Wirtschaftsförderung nicht sehr dynamisch dabei war, eine Option zu finden. Ramoser: „Wenn wir sagen würden, wir können auch woanders arbeiten, dann wären wir heute nicht in Greven.“

40 Jahre am Markt

Zum Glück spielt die Ortsverbundenheit der Mitarbeiter dann doch eine große Rolle. Am Stammsitz in Ulm ist die Wilken Group seit über 40 Jahren im Markt. Vor 14 Jahren haben die Süddeutschen die Grevener Firma Neutrasoft übernommen. Die Produktwelt und die Kundschaft der beiden Unternehmen ähnelten sich.

140 Unternehmen der Energiebranche wickeln ihre Prozesse mit Software aus Greven ab. Wilken NTS.suite oder ENER:GY heißen zum Beispiel die Programm-Pakete, sie sorgen dafür, dass Rechnungen geschrieben, Kunden verwaltet werden können – der gesamte Warenverkehr wird darüber abgewickelt. In den vergangenen Jahren spielt zunehmend das Internet eine Rolle. Wenn bei Energie-Portalen Tarifvergleiche und Wechselmöglichkeiten vorhanden sind, muss das ja irgendwie softwaremäßig ablaufen. „Das läuft vollkommen automatisiert“, erklärt Thomas Krüger, der Leiter des Produktmanagements, der seit 2001 im Unternehmen tätig ist, „da guckt im Normalfall niemand drauf.“

Dynamisch

Im Grunde konkurriere man mit dem Branchenriesen SAP, sagt Ulrich Ramoser nicht ohne Stolz: „Aber wir sind günstiger, dynamischer und habe eine hohe Kundenzufriedenheit.“

Die will man auch behalten. Aber, so begründet er den Expansionskurs: „Wer sich auf dem Potenzial ausruht, das er hat, ist schnell vom Markt verschwunden.“

Dass er in der Region ausreichend qualifizierte Mitarbeiter finden wird, da ist er sicher. „Unsere Rekrutierungspipeline ist voll“, sagte er. Wilken wäre kein IT-Unternehmen, wenn die Mitarbeiter nicht auch im Homeoffice arbeiten könnten. Das Angebot steht, sagt Ramoser, „Aber man merkt, dass viele auch das Arbeiten im Büro schätzen, die Verbundenheit ist wichtig. Virtuell machen wir, aber wollen wir nicht immer.“

Zur Person: Ulrich Ramoser:

Ulrich Ramoser (50) hat zum Jahreswechsel als Mitglied des Management Boards der Wilken Software Group die Verantwortung für den zweitgrößten Wilken-Standort Greven übernommen. Ramoser kommt von der FourManagement GmbH, Düsseldorf. Als Nachfolger von Peter Heinz soll er vor allem die Kundenbasis der Branchenlösung NTS.suite deutlich ausbauen. „Mit Ulrich Ramoser haben wir einen echten Glücksgriff getan. Denn er kennt unser Unternehmen über die lange und enge Zusammenarbeit sehr gut“, begrüßt Peter Heinz die Entscheidung für seine Nachfolge. Gemeinsam wollen die beiden nun den nächsten Entwicklungsschritt für die NTS.suite einleiten. Peter Heinz will 2021 etwas kürzer treten und wird in den geplanten Aufsichtsrat der Wilken Software Group wechseln. Anfang der Neunzigerjahre startete Ulrich Ramoser seine Karriere bei der BARMER. 2012 wechselte er als Head of Human Resources zu Teleperformance Germany. 2014 wurde er Mitglied des Executive Boards der StepStone Deutschland GmbH. 2017 wurde er schließlich zum Principal & Head of Human Resources der FourManagement GmbH berufen.

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