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Grevener Bühne

Zurück zur Heimat

Heimat. Ein großes Wort auf einem Karnevalsorden. Worauf es in diesen Zeiten ankommt, steht im Wochenkommentar.

Günter Benning 

Foto: Günter Benning

Warum die meisten Zeitungsleute Karnevals- und Vereinsmuffel sind, ist wissenschaftlich nicht untersucht. Vielleicht liegt es an ihrer Pflicht zur Neutralität und Distanz. Und zur Nüchternheit, selbst wenn rundherum alles im Alkoholnebel schwebt.

Ich persönlich habe den Ernst der Sache als junger Volontär erlebt, als ich den Anruf eines Schützenkönigs wegen eines falschen Bildes erhielt. Bei ihnen, monierte er, stünden die Damen immer rechts. In der Zeitung standen sie links. Das Foto war im Labor gespiegelt worden. Ich musste leider darüber lachen. Und erhielt später vom sehr autoritären Chefredakteur den Befehl: „Lachen Sie nie wieder über Schützen.“

Was den Wert und das Geheimnis von Vereinen und vom Karneval angeht, erfuhr ich gestern, als ich einen blauen Umschlag vom Carnevals Club Freunde fürs Leben (CCFfL) erhielt. Darin ein Schreiben und ein Karnevalsorden, auf dem nur ein Wort stand: „Heimat“.

Heimat ist der Ort, wo sich Menschen treffen, sich unterstützen, gemeinsam trauern und gemeinsam feiern. Fürs Leben – das hat der CCFfL so treffend in seinen Vereinsnamen hereingeschrieben. Gerade in diesem Corona-Jahr haben viele Menschen erlebt, welches Human-Kapital in Vereinen steckt, die von den Aposteln der Moderne längst abgeschrieben worden sind. Schützenvereine versuchen per Post, per Paket, per Video den Kontakt zu den Mitgliedern aufrecht zu erhalten. Besonders zu denen, die wegen ihres Alters oder eines Handicaps Probleme haben. Karnevalsvereine halten – coronagerecht – Traditionen warm. Sie laden zu Online-Sitzungen ein. Und die sind erstaunlicherweise fast so gut besucht wie die wirklichen Karnevalssitzungen.

In vielen Fällen sind die Vereine und die Menschen, die in ihnen ehrenamtliche Aufgaben übernehmen – um nicht den nur aufs Nützliche zielen Begriff „Arbeit“ zu benutzen – der Kit der Gesellschaft. Wo sie fehlen, bröselt der Zusammenhalt.

An diesem Sonntag hätte in Greven der Karnevalsumzug stattfinden sollen. Auch eine große Gemeinschaftsaktion. In den nächsten Tagen wäre unsere Lokalredaktion nacheinander von den Karnevalsgesellschaften der Stadt heimgesucht worden. Ich – ein Karnevalsmuffel vorm Herrn – habe in Greven gelernt, dass man viel Spaß haben kann, wenn man mitmischt. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, das Leben in den Vereinen wiederzuentdecken. Mitmachen ist nötiger als je.

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