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Trecker-Schlüter-Treffen am ehemaligem Bahnhof Horstmar

Faszination hält bis heute an

Horstmar

Über 34 Teilnehmer aus dem gesamten Münsterland kamen zum „Trecker-Schlüter-Treffen“, das am Samstag am ehemaligen Bahnhof in Horstmar stattfand. Dabei zeigte sich, dass die Faszination, die das „Kult-Fahrzeug“ auslöst, auch heute noch bei den Fans der Oldtimer anhält. Gastgeber und Veranstalter des besonderen Events waren Norbert Wiechers, Ludger Hummert und Albert Krotoszynski.

Die Ausstellungsstücke fanden viel Interesse und Bewunderung.

Ein Erlebnis besonderer Art war das Treffen der Trecker-Schlüter am ehemaligen Horstmarer Bahnhof. Die Fahrzeuge anderer Firmen wie Lanz, Eicher, Fendt und Hanomag waren aufgereiht und bildeten bei der Ankunft das Spalier für die Schlüter-Oldtimer. Es war eine kluge Inszenierung von Norbert Wiechers, der sich zusammen mit Ludger Hummert und Albert Krotoszynski über 34 Schlüter-Teilnehmer aus dem gesamten Münsterland freute.

Zu den Teilnehmenden gehörte auch Heiner Stegemann aus Hopsten. Der ehemalige Landwirt nutzt heute seine Stallungen für sein Hobby, der Restauration von Schlüter-Schleppern. Die Oldtimer waren von den Besitzern mächtig herausgeputzt worden und man glaubte es kaum, dass das im Jahre 1899 von Anton Schlüter gegründete Unternehmen bereits im Jahr 1993 die Pforten schloss.

Geblieben ist die Liebe zu diesem „Kult-Fahrzeug“, was man an den Gesichtern der Besitzer ablesen konnte. Ludger Hummert bemerkte bei seinen Begrüßungsworten: „Schlüter heißt schon was besonderes, die bärenstarken waren die ersten mit dabei, als die Technisierung der Landwirtschaft eingeführt wurde“.

Darüber konnte auch der Journalist Klaus Tietgens berichten, der extra aus Hannover angereist war. Er hat ein besonderes Faible für den Schlüter und dazu zwei Bücher verfasst, die die geschichtliche Entwicklung der Traktoren enthalten. Bei einem Rundgang über das Gelände der Ausstellung informierte er die anwesenden Gäste über die Details der „Schlüter“.

Ausgestellt waren Traktoren in der Zeit von 1950 bis zu den 80er Jahren, die PS-Stärke lag zwischen 15 und 185 PS. Guido Höner, Chefredakteur des Fachmagazins „Top-Agrar“, berichtete eindrucksvoll über die absehbare Entwicklung im Traktorenbau. Schon jetzt gebe es Traktoren, die nicht mehr über eine Fahrerkabine verfügen. Sensoren beobachten dann die Arbeit, zuhause am Rechner werde der Einsatz des Traktors geplant. So könne es sein, dass ein Traktor nachts personallos arbeite. Schon heute sei es möglich, über Bilder von Satelliten Informationen für die Düngung zu erhalten. Die Devise laute: von primitiv über kompliziert zum Einfachen.“

Nachdenklich stimmten dann die Worte von Pfarrdechant Johannes Büll beim Gottesdienst auf dem Freigelände des ehemaligen Horstmarer Bahnhofes. „Immer größer, immer schneller, immer mehr, passt das in unser Leben, zu welchem Preis, auf wessen Kosten und wem nutzt sie?“, lauteten seine Fragen. Er hatte mit dem Oldtimerboom eine Tendenz erkannt und nannte dafür auch gleich die Gründe. Es sei die Sehnsucht nach der Übersichtlichkeit. Man sei der Technik inzwischen hilflos ausgesetzt. Falle bei einem Schlepper die Elektronik aus, blicke der Landwirt nicht mehr durch. Bei den Oldtimerbulldogs werde noch repariert, getüftelt und geschraubt. Ein weiterer Grund sei die Sehnsucht nach Verlangsamung. Die Zeit sei zu schnell geworden, die Taktfrequenzen der Computer bestimmten den Lebensrhythmus. Psychische Krankheiten und Burn-Out-Syndrome nähmen von Jahr zu Jahr drastisch zu. Da genieße man das langsame Dahintuckern mit den alten Bulldogs. Büll erkannte auch die Sehnsucht nach Vergemeinschaftung. Der Mensch sei von Natur her kein Einzelkämpfer. Früher habe es bei der Getreideernte von Menschen gewimmelt, heute sehe man in der Hochsaison einzelne Schlepper fast einsam seine Kreise ziehen.

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