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Seniorengruppe aus Holthausen besucht das etwas andere Museum in Horstmar

Glücklich im „Schweine-Paradies“

Laer-Holthausen/Horstmar

Ins „Schweine-Paradies“ tauchte die Seniorengruppe „Wir ab 60 Holthausen-Beerlage“ bei ihrem jüngsten Ausflug ab. Der führte sie zur „Horstmarer Schweinerei“, dem etwas anderen Museum, am Bahnhofscafé an der Radbahn in Horstmar, das sich im Aufbau befindet.

Von Sabine Niestertund

Zum Herzstück der Ausstellungshalle gehört der Schweine-Paternoster, den Initiator Norbert Wiechers selbst entworfen und gebaut hat. Auf 20 Brettern präsentiert der Aufzug der Besuchergruppe 1500 Glücksbringer.

Ob die Senioren „Wir ab 60 Holthausen-Beerlage“ danach wohl von Schweinen geträumt haben. Möglich wäre es, denn ihr jüngster Ausflug hat die Gruppe zur „Horstmarer Schweinerei“, dem etwas anderen Museum, an die Radbahn geführt. Dort begrüßt Mechthild Fey die 19 Frauen und drei Männer, die sich nach einem Kaffeetrinken im Bahnhofscafé in der riesigen Sammlung von Norbert Wiechers wiederfinden. Die unzähligen Glücksbringer in den verschiedensten Variationen haben in den ehemaligen Räumlichkeiten des alten Bahnhofs wahrlich ein tolles Zuhause gefunden.

„Es war gar nicht so einfach, die zig Exemplare einzuordnen“, bekennt Mechthild Mey, die gut vor einem Jahr zu den Betreibern des Schweinemuseums gestoßen ist. „Eigentlich wollte ich nur Schweine vorbeibringen“, erzählt die Krankenschwester aus Laer, die seitdem ehrenamtlich für Norbert Wiechers und seine Mitstreiter arbeitet. Hunderte der thematisch geordneten Vierbeiner hat die fleißige Helferin seitdem entstaubt, gesäubert und dann auf die zahlreichen Regale oder in Vitrinen gestellt. Jedes Fleckchen, jedes Eckchen und jedes Plätzchen hat sie dafür genutzt.

Um noch mehr seiner überall gesammelten, geschenkten und geerbten Vierbeiner anschaulich präsentieren zu können, hat Norbert Wiechers sogar einen Paternoster gebaut. Dabei handelt es sich um das Paradestück des begnadeten Handwerkers und pfiffigen Tüftlers, das stets viel Bewunderung findet. Angetan davon zeigen sich auch die Besucherinnen und Besucher aus Holthausen und der Beerlage. Der Umlaufaufzug führt sechs Meter hoch und bietet auf 20 Brettern hinter einem Schaufenster Blick auf ganze Schweineherden. „Ich drücke gleich den Knopf“, kündigt die Gastgeberin an und die Blicke der Besucherschar richtet sich auf die Gondeln, die in den nächsten 20 Minuten in einem gemäßigtem Tempo, vorbeitrudeln.

Keine Frage, alleine dieses Schauspiel zieht gebannte Blicke auf sich. Beeindruckend ist aber auch das riesige Mobile, das im oberen Teil der Halle schwebt. Dort hat sich der Hausherr mit seinen Freunden Gabi und Uwe in Form von drei (natürlich) Schweinsfiguren verewigt. Schließlich sind die Eheleute aus Kassel seine Freunde und genauso „schweineverrückt“ wie er. Auf der Suche nach einer neuen Heimat für ihre Sammlung – zuhause war kein Platz mehr dafür – ist das Paar im Dorf Leer fündig geworden. Erst hätten die Schweine nach Stuttgart gesollt. Doch das dortige Schweinemuseum sei ihnen zu steril gewesen, berichtet Fey. Ihre 14 000 Exemplare sind dann in 267 Bananenkisten zu ihrem neuen Domizil gebracht worden, das mehr als urig und mit viel Liebe zum Detail geschaffen worden ist.

Noch eine andere Geschichte gibt Fey ihrem Publikum an diesem Nachmittag zum Besten. Hauptakteure sind darin Dolly und Molly – zwei riesige Stofftier-Schweine. Ihr Besitzer – ein Facharzt und Junggeselle – hat seinen „Lieblingen“ jetzt schon einen Platz bei Norbert Wiechers für den Fall seines Ablebens gesichert. Schmunzeln allenthalben, ja, man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich für Schweinefiguren in allen Formen, Farbgebungen und Ausprägungen so zu begeistern.

Dabei hat alles ganz harmlos schon vor Jahren mit einem Schweine-Geschenk für den Hausherrn zum Geburtstag begonnen. Wiechers Ruf – „einer, der Schweine mag“ – verbreitete sich in Windeseile und ließ die Sammlung stetig wachsen. Weil es zu Hause und in der Firma schon bald keinen Platz mehr gab, kam es zur genialen Idee, ein Museum für die Glücksbringer zu schaffen. Mit Ludger Hummert und Albert Krotoszynski fand der Initiator zwei gleichgesinnte Mitstreiter. Gemeinsam kaufte das Trio vor neun Jahren den alten Bahnhof zwischen Horstmar und Laer und errichtete dort ein kleines Cafè, das sich besonders bei Radelgruppen großer Beliebtheit erfreut. Ein Blick ins Schweinemuseum, das sich noch im Aufbau befindet, gehört meistens dazu. Dort gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, was zwei „Wiederholungstäter“ aus der Besuchergruppe bestätigen. Sie und ihre Begleiter hat der Ausflug nach Horstmar jedenfalls begeistert und wenn es stimmt, dass Schweine Glück bringen, dürften sie aus diesem nicht so schnell wieder herauskommen. Eine Vorstellung, die beschwingt.

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