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70 Jahre Erlöserkirche in Horstmar

Neue Heimat für Protestanten

Horstmar

Heute, genau vor 70 Jahren, wurde die evangelische Erlöserkirche zur Freude der Gläubigen aus Horstmar, Leer und Schöppingen feierlich eingeweiht. Ursprünglich sollte dieser besondere Geburtstag groß gefeiert werden, doch coronabedingt verzichten die Verantwortlichen zum jetzigen Zeitpunkt lieber darauf. Das Fest soll aber im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Von Anton Janßenund

Groß war die Zahl der Pfarrer und Gemeindeglieder, die am 18. November 1951 am Festgottesdienst anlässlich der Einweihung der Erlöserkirche an der Hagenstiege in Horstmar teilnahmen Foto: Pfarrarchiv

Mit zwei Festgottesdiensten wurde am 18. November 1951, also vor 70 Jahren, zur großen Freude der evangelischen Christen in Horstmar, Leer und Schöppingen die Erlöserkirche an der Hagenstiege in Horstmar eingeweiht. Dieses Jubiläum sollte mit einem Festtag gefeiert werden. Alles war entsprechend vorbereitet, doch die derzeitige Entwicklung der Covid-19-Pandemie hielt die Verantwortlichen davon ab, die Einladungen dazu herauszuschicken. Sie sagten das Fest ab. Dieses soll im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Nachdem nach dem Zweiten Weltkrieg ab Frühjahr 1946 Menschen in organisierten Massentransporten aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie in den Westen Deutschlands zwangsumgesiedelt worden waren, von denen ein großer Teil evangelisch war, nahm auch in Horstmar die Zahl der Protestanten erheblich zu. Deren seelsorgerische Betreuung vor Ort in der Diaspora erfolgte zunächst von Burgsteinfurt aus. Am 13. März 1946 konnte der erste evangelische Gottesdienst um 15 Uhr im Saal der Gastwirtschaft Wüller gefeiert werden. Die Besucher kamen aus Horstmar, Leer und Schöppingen, und ihre Zahl stieg von Sonntag zu Sonntag. Allerdings mussten sie nach einem Brand in den Saal der Gaststätte „Zur alten Post“ (Krafeld) umziehen.

Als am Erntedanktag 1950 der Präses der evangelischen Landeskirche von Westfalen, D Ernst Wilm, an dem von etwa 300 Vertriebenen gut besuchten Gottesdienst im von Alkohol und Tabakrauch geschwängerten Saal teilnahm, erkannte er, dass ein Lokal für einen Gottesdienst kaum geeignet war. Danach erläuterte er den Verantwortlichen, dass von der Diasporahilfe der Landeskirche nicht nur zerstörte Kirchen wieder aufgebaut, sondern auch neue Kirchen in den Diaspora-Gemeinden erstellt würden.

Im Februar 1951 genehmigte die Evangelische Kirche von Westfalen den Kirchenbau, und zwar ein Gebäude ganz aus Stein. Bis dahin wurden nur für die Vertriebenen Notkirchen aus Holz gebaut, denn man hoffte ja, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Das landeskirchliche Bauamt in Hagen genehmigte dann eine Kirche mit 132 Plätzen, einen Gemeinderaum mit der Möglichkeit der Kirchenergänzung, einem kleinen Jugendheim über dem Gemeinderaum, einer Teeküche, einer Pfarrwohnung mit 70 Quadratmetern und einer Küsterwohnung mit 50 Quadratmetern.

Architekt Karl Baumgart aus Burgsteinfurt erstellte die Pläne und ein Grundstück stellte der Fürst zu Salm-Horstmar in Erbpacht zur Verfügung. Schon am 20. Mai 1951 erfolgte der erste Spatenstich durch Pastor Christfried Mattke und Presbyter Walter Wiedenmann und am 7. Juli 1951 konnte der Grundstein gelegt werden. Das geschah unter der Mitwirkung von Landrat Krabbe, Amtsdirektor Brüggemann und Pfarrdechant Bernhard Watermann. Schon am 18. November 1951 wurde die Kirche feierlich eingeweiht, beginnend mit der Schlüsselübergabe von Architekt Karl Baumgart an Präses D Ernst Wilm, weiter an Pfarrer Dr. Seidenstücker (Kirchenkreis Münster), an Pfarrer Rehorst (Kirchengemeinde Burgsteinfurt) und von ihm schließlich an Pastor Mattke. Die Glocke und die schmiedeeisernen Leuchter stiftete die Stadt Horstmar, die Bänke kamen vom Gustav-Adolf-Werk. Altar und Kanzel schenkte die Johannes-Kirchengemeinde Hagen und ein Harmonium die Muttergemeinde Burgsteinfurt.

Pfarrer Dr. Hans Grothaus, ab Ende 1959 bis Mai 1963 Nachfolger von Pfarrer Mattke, war sehr musikbegeistert und beschaffte 1963 eine Orgel. Für Pfarrer Dieter Stork (6. September 1965 bis 31. Dezember 1973) wurde ein neues Amtszimmer mit Vorraum zwischen Pfarrhaus und Garage gebaut. Er konnte den Horstmarer Strumpffabrikanten Fritz Karl Schulte dazu bewegen, für die Kirche neue farbige Glasfenster zu spenden, die 1968 eingebaut wurden. Zudem gelang es ihm, für einen fest montierten Taufstein mit Seitenteilen aus Anröchter Dolomit und einem Mittelteil aus Kupfer, geschaffen vom Künstler Herman Kunkler aus Raesfeld, Spenden zu akquirieren.

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