Fachleute des LWL haben im Bereich der Burg Horstmar die Reste eines mächtigen Turms entdeckt

Wahrer Gewinn für die Ritterroute

Horstmar

Bei Bodenradaruntersuchungen am ehemaligen Burggelände in Horstmar haben Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe unter anderem die Reste eines mächtigen Turms, des Bergfrieds entdeckt. Die Radardaten zeigen die Grundmauern eines runden Turms, der offenbar frei im Burghof stand.Vorrichtungen dieser Art gehörten vom 12. bis 15. Jahrhundert zum Kern jeder Burg.

Von Franz Neugebauer

Professor Dr. Antons Janßen, Camara Diekmann (LWL), Joris Coolen (LWL) mit seinem Sohn, der sich als Ritter verkleidet hat, Hubertus Brunstering („HorstmarErleben“), Georg Becks (Stadt Horstmar), Bürgermeister Robert Wenking und Dr. Christoph Grünewald (Leiter der Außenstelle Münster der LWL Archäologie) nahmen am Donnerstag am Pressetermin auf dem ehemaligen Burggelände teil. Foto:

Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben bei Bodenradarmessungen im Bereich der ehemaligen Burg Horstmar unter anderem die Reste eines mächtigen Bergfrieds entdeckt. Das Ergebnis der Messungen mit einem Radargerät wurde während eines Pressetermins am Donnerstag im Beisein von Bürgermeister Robert Wenking, den Mitarbeitern von „HorstmarErleben“ und Professor Dr. Anton Janssen vorgestellt.

Die Radardaten zeigen die Grundmauern eines runden Turmes, der offenbar frei im Burghof stand. Mit einem Außendurchmesser von etwa 14 Metern gehörte er zu den größeren Exemplaren solcher Türme, die vom 12. bis zum 15. Jahrhundert zum Kern jeder Burg gehörten. „Der Durchmesser und die Mauerstärke von drei Metern lassen vermuten, dass der Turm über 25 Meter hoch gewesen sein dürfte“, schätzt LWL-Archäologe Joris Coolen.

Als Bergfried bezeichnet man den Hauptturm einer hochmittelalterlichen Burg. Neben seiner Schutz- und Wehrfunktion war der Bergfried vor allem ein weit sichtbares Machtsymbol des Burgherrn. Der Bergfried ragte meist deutlich über die restliche Burg und die Umgebung hinaus und war an der Außenseite aufwendig gemauert. Der Eingang lag in der Regel hoch über dem Boden.

Heute ist das ehemalige Burgareal ein stark überwachsener Hügel am Nordrand von Horstmar. Großflächige Ausgrabungen des eingetragenen Bodendenkmals sind nicht möglich, da der Burghügel auch ökologisch von besonderem Wert ist und möglichst unangetastet bleiben soll. Messungen mit einem Bodenradargerät, das die Reflektion verschiedener Sedimente im Boden erfasst, boten jedoch eine Möglichkeit, zumindest ausgewählte Bereiche ohne Bodeneingriffe zu erforschen. Dabei konnten an mehreren Stellen Mauerzüge nachgewiesen werden, die somit wichtige Hinweise auf die Bebauungsstruktur liefern.

Ein besonderer Glücksfall war dabei die Entdeckung des Bergfrieds am Plateau des Hügels. Anlass für die Messungen war die Gestaltung der Ritterroute, die noch dieses Jahr eröffnet werden soll. Die familienfreundliche Radroute verbindet die Ortsteile Horstmar und Leer und erschließt die zahlreichen kulturhistorischen und naturräumlichen Sehenswürdigkeiten der „Stadt der Burgmannshöfe“ und ihrer Umgebung für Radtouristen von nah und fern.

Das Projekt wird von der Stadt Horstmar getragen und größtenteils aus dem europäischen Leader-Programm finanziert. Weitere Projektpartner sind der Heimatverein Horstmar, der Mühlen- und Heimatverein Leer und der Stadtmarketingverein „HorstmarErleben“.

„Die Ergebnisse der Bodenradarmessung sind für uns von großer Bedeutung, deshalb sind wir vor zwei Jahren an den LWL mit der Bitte herangetreten, uns bei der Suche nach einem Wissenschaftler mit entsprechendem Gerät behilflich zu sein“, erklärte Bürgermeister Wenking. „Die LWL-Archäologie hat uns sofort Unterstützung zugesagt. Die Tatsache, dass wir für die Erstellung des Förderantrages noch einen längeren Zeitraum benötigten, war sehr hilfreich“, ergänzt der Verwaltungschef. So konnte die Bodenradarmessung durch einen Wissenschaftler der LWL Archäologie ausgeführt werden. Die Burg werde mit Unterstützung der Fachleute zeitgemäß, denkmalgerecht und vor allem naturschonend präsentiert sowie die Bodenradarbilder auf einer am Rande des Burggeländes aufgestellten Informationstafel visualisiert und erläutert, da die Ritterroute direkt an der früheren Ritterburg vorbeiführt, so Horstmars Bürgermeister weiter.

Um Besuchern einen Eindruck des mächtigen Turms zu vermitteln, soll dieser zudem im Gelände gekennzeichnet werden. Darüber, wie dies möglichst nachhaltig und schonend umgesetzt werden kann, wird derzeit noch beraten.

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