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Gedenkplatte für den ehemaligen jüdischen Friedhof

Zur Erinnerung und zur Mahnung

Horstmar

Bürgermeister Robert Wenking wurde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport, Soziales, Kultur und Heimatpflege ermächtigt, den Auftrag zur Anfertigung des im Entwurf vorgestellten Kunstwerks am ehemaligen jüdischen Friedhof an der Ecke Bahnhofstraße/Borchorster Weg einschließlich dessen Aufstellung an Erich Büscher Eilert zu vergeben. Außerdem wird der Grenzverlauf des jüdischen Friedhofs an Bahnhofstraße/Borghorster Weg im öffentlichen Bereich mit Blaubasaltpflaster eingefasst.

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Künstler Erich Büscher-Eilert stellte den Ausschussmitgliedern den Entwurf des Kunstwerks in einem Modell vor Foto: fn

Bürgermeister Robert Wenking wurde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport, Soziales, Kultur und Heimatpflege ermächtigt, den Auftrag zur Anfertigung des im Entwurf vorgestellten Kunstwerks am ehemaligen jüdischen Friedhof an der Ecke Bahnhofstraße/Borchorster Weg einschließlich dessen Aufstellung an Erich Büscher Eilert zu vergeben. Außerdem wird der Grenzverlauf des jüdischen Friedhofs an Bahnhofstraße/Borghorster Weg im öffentlichen Bereich mit Blaubasaltpflaster eingefasst.

Damit führen die Überlegungen, an denen die Aktion Stolpersteine in Horstmar, der Landesverband jüdischer Gemeinden Westfalen-Lippe mit Wolfgang Polak sowie dem ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Münster, Sharon Fehr, zusammen mit der Stadt Horstmar beteiligt waren, zu einem Ergebnis.

Der heimische Künstler Erich Büscher-Eilert stellte in einem Modell den Ausschussmitgliedern den Entwurf des Kunstwerks vor. Es handelt sich um eine 2,70 Meter hohe und 1,90 Meter breite abgewinkelte Platte aus Cortenstahl mit einer Legierung aus Eisen und Kupfer. „Die Platte ist bewusst so groß gewählt, damit sie sich gegenüber dem Umfeld behaupten kann,“ erläuterte der Künstler.

Auf dem rechten Teilabschnitt der Platte ist zu lesen, dass es sich hier um den jüdischen Friedhof der Stadt handele. Die linke Seite weist in hebräisch auf das Haus der Ewigkeit (so der jüdische Sprachgebrauch für den Friedhof) hin. Sehr umfangreich ist der von Sharon Fehr verfasste Text in der Mitte der Stele. Dort ist zu lesen: „Zur Erinnerung und zur Mahnung / Hier befand sich der jüdische Friedhof der Stadt Horstmar von 1844 bis 1924“.

Nach jüdischem Religionsgesetz haben jüdische Verstorbene ein ewig bleibendes Ruherecht. Der Fortbestand dieses alten jüdischen Friedhofs im Besitz der Stadt Horstmar war mit einem grundbuchlich gesicherten Anspruch für mindestens 50 Jahre geschützt. Das stand den damaligen Expansionsabsichten der Firma Schulte und Dieckhoff entgegen. Sie betrieb bereits kurz nach der Schließung des Friedhofs eine rücksichtslose Auffüllung des Bodens unter vermutlich rechtswidriger Beeinträchtigung des Friedhofsareals. Davon zeugt eine erfolglose Beschwerde von ursprünglich Horstmarer Juden im Jahre 1929. Diese vorsätzliche Einleitung der unzulässigen Verdrängung des jüdischen Friedhofs geschah somit bereits damals zumindest unter Duldung der Stadt Horstmar und des Landrats des Kreises Steinfurt.

Die Firma Schulte und Dieckhoff kaufte letztendlich das gesamte Friedhofsareal im Jahr 1941, woraufhin die Auffüllung des Bodens auch mit den noch stehenden Grabsteinen des alten jüdischen Friedhofs weiterbetrieben wurde. Der Rechtsbruch durch den Verstoß gegen den grundbuchlich gesicherten Anspruch auf Fortbestand dieses jüdischen Friedhofs im Besitz der Stadt Horstmar wurde nach Kriegsende nicht beanstandet. Das Friedhofsareal blieb in das Firmengelände integriert und wurde ab den 1950er Jahren weiter aufgeschüttet und asphaltiert.

Heute führen über das Friedhofsgelände der Borghorster Weg sowie unter dem Friedhofsgelände her ein Mischwasserkanal, ein Hauptsammelkanal im südöstlichen Bereich des Grundstücks und weitere Versorgungsleitungen.

Erich Büscher hatte sich bei seinen Planungen mit jüdischen Ritualen vertraut gemacht und dabei ermittelt, dass man keine Blumen mit zum Grab bringt, sondern kleine Steine. Der Künstler hat diesen Gedanken aufgenommen und sieht einen 45 Zentimeter breiten und 80 Zentimeter hohen Block aus Ibbenbürener Sandstein vor.

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