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Matthias Fraune feiert seine Heimatprimiz

Dem „Das geht nicht“ getrotzt

Laer

Dass Matthias Fraune, obwohl er im Rollstuhl sitzt, mit über 50 Jahren erfolgreich dem „Das geht nicht“ die Stirn geboten hat, und Priester geworden ist, hat nicht nur in seiner Heimatgemeinde höchste Bewunderung hervorgerufen. Das zeigte sich während der Primizfeier und dem anschließendem Empfang.

Von Sabine Niestertund

Pfarrer Andreas Ullrich (r.) kann zur Heimatprimizfeier von Matthias Fraune zahlreiche Mitzelebranten rund um den Altar in der Pfarrkirche St. Bartholomäus begrüßen.Foto: Sabine Nierstert Foto: Foto: Sabine Nierstert

Die Freude darüber, dass er den massiven Erschwernissen getrotzt und seinen Lebenstraum verwirklicht hat, könnte nicht größer sein. Diese teilen die Familie, Freunde, Nachbarn, Mitstreiter und Weggefährten mit Matthais Fraune. Seine Kirchengemeinde Heilige Brüder Laer-Holthausen-Beerlage ist stolz, dass sogar in diesen schwierigen Zeiten, endlich wieder ein Priester aus ihren Reihen kommt. Das betont Andreas Ullrich während der Heimatprimizfeier, zu der der Leitende Pfarrer am Sonntagvormittag zahlreiche Mitzelebranten und Besucher in der festlich geschmückten Bartholomäuskirche begrüßt. Dazu gehören auch ehemalige Weggefährten, wie beispielsweise Pfarrer Martin Peters und Pater Adalbert Mantubu sowie Propst Christoph Rensing von der Gemeinde St. Remigus in Borken, in der Matthias Fraune bereits sein Diakonat absolviert hat. Dort bleibt der 56-Jährige jetzt auch als Kanonikus. Eine Bezeichnung, an die sich wohl noch alle gewöhnen müssen.

Dass das ständige „Das geht nicht“ den „Laerer Jungen“ im Rollstuhl nicht stoppen konnte, seinen Weg zu machen, verdeutlicht Pfarrer Ullrich in seiner Predigt. Der felsenfeste Glaube und das Gottvertrauen hätten dem ehemaligen Verwaltungsmitarbeiter nach über 30 Jahren die Kraft gegeben, mit 50 Jahren noch einmal ganz neu anzufangen und noch nicht an die Rente zu denken. Ein Schritt, den auch Bürgermeister Manfred Kluthe während des anschließenden Empfangs in der neuen Schulmensa am mutigen „Wegbereiter“, dem es durch seine zahlreichen Kontakte erfreulicherweise gelungen sei, die Generationen zu einen, bewundert.

Wie gut der Kontakt zu den einzelnen Gruppierungen vor Ort ist, demonstrieren Gruppenmitglieder vom „Lustigen Dienstagteam“, die während der Primizfeier als Messdiener dienen. Dafür, dass der Festgesang laut und kräftig ist und das „Halleluja“ Gänsehautstimmung erzeugt, sorgt der Kirchenchor unter Leitung von Arndt Winkelmann.

„Mein Herz ist voller Freude“ zeigt sich der Hauptakteur vor dem letzten „Großer Gott wie loben Dich“ erleichtert, glücklich und bewegt, „Ein bisschen holprig“, kommentiert er seine Premiere und dankt den kompetenten Mitstreitern – namentlich Andreas – für ihre Unterstützung. Dankbar zeigt sich der zweitjüngste Sohn auch gegenüber seinen Eltern Ingrid und Albert sowie seinem Bruder Raimund Fraune. Seine Betreuung sei für sie nach der Erkrankung oftmals eine große Herausforderung gewesen.

Mit viel Applaus endet der Gottesdienst. Auf dem Kirchplatz empfängt der heimische Spielmannzug den Neupriester, der in einem Festumzug zum Schulneubau begleitet wird. Dort begrüßen zahlreiche Helferinnen und Helfer die Gäste, die mit einem Sekt auf den neuen „Kanonikus“ anstoßen und die ersten Geschenke überreichen. Die Glückwünsche reißen auch in der neuen Schulmensa, die erst tags zuvor offiziell eingeweiht und eingesegnet worden ist, nicht ab. Dort sorgen „Vocal moments“ für feinste musikalische Unterhaltung. Andreas Große Bockhorn vom Kirchenvorstand und Ruth Feldhaus-Hermes vom Pfarreirat danken vor dem Mittagessen für den jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz Fraunes, der sich nicht nur in der Kirchengemeinde, sondern auch im Heimatverein vielfach engagiert hat und als exzellenter Kenner der Dorf- und Kirchengeschichte geschätzt wird.

Mit einer Andacht enden die Festlichkeiten vor Ort. Zur Primiz in der Diakonatsgemeinde nach Borken lädt Propst Christoph Rensing die Laerer am kommenden Sonntag (19. Juni) um 11 Uhr in die dortige Propsteikirche ein. Über das Ereignis würde auch auf der Homepage berichtet, erklärt er auf den Hinweis von Pfarrer Ullrich, dass in Laer dann mit dem Jubiläum der Vereinigten Schützen bereits das nächste große Fest ansteht.

Ein wenig warten muss Matthias Fraune noch auf die Messgewänder, die er von seiner Heimat- und seiner künftigen Einsatzgemeinde bekommen soll. Sie sind noch in Arbeit, heißt es während des Empfangs, dass die Caritas-Werkstätten in Nordkirchen mit der besonderen Ausfertigung zurzeit intensiv beschäftigt sind. Dafür, dass der Laerer seine Heimat auch vorher nicht vergisst und vermisst, dürfte der Kelch sorgen, dem ihm die Kirchengemeinde aus ihrem reichhaltigen Fundus „leihweise für lebenslang“ mitgegeben hat.

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