Diakon Ralf Laumann berichtet über seine schwere Corona-Erkrankung

„Dieses Virus ist einfach kein Spaß“

Horstmar-Leer

Diakon Ralf Laumann, der im Zivilberuf als Bankangestellter arbeitet, erzählt von seiner schweren Corona-Erkrankung, von der er inzwischen wieder genesen ist. Betroffen waren auch seine Frau und seine Tochter. Der 51-Jährige appelliert an alle, das Virus ernst zu nehmen.

Sabine Niestert

Susanne, Ralf, Eva und Timm Laumann (v.l.) haben schon vor Corona stark zusammengehalten, nach der Erkrankung von Mutter, Vater und Schwester – nur der Bruder blieb von dem Virus verschont – Foto: Franz Neugebauer

Dies ist eine Geschichte, die nachdenklich stimmt und betroffen macht. Zum Glück hat sie ein Happy End, was die Schilderungen erträglicher macht und hoffen lässt, dass die Leser aus ihr lernen. Das wünscht sich jedenfalls Ralf Laumann, der den WN von seiner schweren Corona-Erkrankung berichtet hat, um die Menschen zu warnen und an sie appelliert, das Virus ernst zu nehmen. Der tückische Erreger hat ihn, seine Frau Susanne und Tochter Eva bereits im November des vergangenen Jahres befallen. Nur Sohn Timm, der in Münster wohnt, ist verschont geblieben. Der 23-Jährige hat um das Leben seiner Eltern, die im Horstmarer Ortsteil Leer leben, und Schwester gebangt, denen es zeitweise sehr schlecht ging.

Am schlimmsten hat es den Vater erwischt, der inzwischen glücklicherweise wieder genesen ist, aber noch heute unter den Folgen seiner Erkrankung leidet. So ist sein Lungenvolumen immer noch eingeschränkt und die alte Kraft längst nicht zurückgekehrt. Doch als Diakon mit Zivilberuf ist der gelernte Bankangestellte ein „Mann des Glaubens“ und voller Hoffnung, dass er auf Dauer zu seiner alten Form zurückfinden wird.

„Ich war nicht vorerkrankt, hatte kein Asthma und nie etwas an der Lunge“, erklärt der heute 51-Jährige, warum er sich vor seiner Ansteckung relativ sicher gefühlt hat. „Natürlich habe ich das Virus ernst genommen und mich an die Regeln gehalten, aber panisch war ich nicht“, erinnert sich der Leerer Junge, der mit zwei Geschwistern in der Alst aufgewachsen und in vielen örtlichen Vereinen aktiv ist.

Alles begann Ende November mit dem Besuch der Tochter, die für eine Woche nach Hause gekommen war, um dort in Ruhe für die anstehenden Klausuren zu lernen. Die 21-jährige absolviert an der Uniklinik Bonn eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie glaubte zunächst eine Erkältung zu bekommen. Doch als zwei Tage später der Geschmacks- und Geruchssinn gestört waren, schwante ihr Schlimmes. Inzwischen nach Bonn zurückgekehrt, warnte Eva ihre Eltern. Nach einem Abstrich durch den Betriebsarzt, erfuhr die junge Frau, dass sie positiv ist. Ein Schock nicht nur für sie, sondern auch für ihre Eltern, die breit aufgestellt sind und mit beiden Beinen im öffentlichen Leben stehen.

Als Leiterin des Ordnungsamts der Stadt Steinfurt, die auch mit gutem Beispiel vorangehen muss, machte Susanne Laumann sofort einen Schnelltest, der ein positives Ergebnis brachte. Ihr Ehemann, der sich ebenfalls umgehend testen ließ, galt als negativ. Schon sechs Tage später musste der zweifache Familienvater nach einer zweiten Testung allerdings erfahren, dass er ebenfalls positiv ist. „Wir haben uns nach dem ersten Test sofort im Haus isoliert. Die Gedanken kreisten. Schließlich hatte ich am Vortag noch das Seelsorgeteam von St. Gertrudis getroffen, um die Weihnachtsfeiertage vorzubereiten“, beschreibt der Diakon die Situation, die sich in den nachfolgenden Tagen dramatisch zuspitzen sollte. So bekamen die Eheleute, hohes Fieber und Gliederschmerzen, die mit einer völligen Kraftlosigkeit einher gingen. Beide kamen auf die Isolierstation des Marienhospitals in Borghorst. Während sich Susanne Laumann dort langsam erholte, ging es ihrem Partner immer schlechter. „Die Röntgenaufnahmen haben ergeben, dass meine Lunge sich in den Spitzen entzündet hatte. Zudem war die Sauerstoffsättigung im Blut sehr gering“, erinnert sich der Patient an seine Symptome, die ihn auf die Intensivstation brachten. Dort wurde er mit einer Maske beatmet, musste aber glücklicherweise nicht ins Koma versetzt werden. „Ich hatte keine Kraft zu kämpfen, denn dafür war ich viel zu schwach. Ich konnte nicht mal die Hand heben“, beschreibt Laumann seinen Zustand, der mehr als kritisch war und das Pflegepersonal alarmierte. So hätten die Ärzte zwei Tage lang nicht gewusst, wohin die Reise geht . . .

Während die Ehefrau mehr als beunruhigt war – schließlich ging es um Leben und Tod – wirkte ihr Mann, der alles wie in einem bösen Traum erlebte – völlig apathisch. Erst viel später und dank des Zuspruchs seiner Familie sowie des unermüdlichen Einsatzes des Pflegepersonals – „die haben mich mit einer wahren Engelsgeduld gepflegt“ – erwachte sein Kampfgeist wieder. Einen Tag vor Weihnachten wurde der 51-Jährige auf eigenen Wunsch nach drei Wochen Krankenhausaufenthalt nach Hause entlassen.

Am 8. Februar traten die Laumanns dann eine Reha in einer Fachklinik in Bad Reichenhall an. „Das hat mir sehr gut getan und viel Kraft gegeben“, denkt Laumann an die vier Wochen zurück, von denen er drei gemeinsam mit seiner Frau verbrachte. Nach der Reha gab es für den Bankkaufmann eine Wiedereingliederungsphase, die mit vier Stunden in der Volksbank-Filiale begann. Inzwischen arbeitet der Banker wieder voll und ist froh, dass der Job ihn auf andere Gedanken bringt und das Thema Corona nicht mehr sein ganzes Leben und das seiner Familie dominiert. Seine Aufgaben als Diakon sind momentan pandemiebedingt nicht so vielfältig, weil das kirchliche Leben durch den Lockdown stark zurückgefahren worden ist.

Dankbar sind die Laumanns allen, die viel Anteil an ihrem Schicksal gezeigt und sie unterstützt haben, wieder ins richtige Leben zurückzufinden. Das erscheint der Familie nach dem erlebten dramatischen Einschnitt noch kostbarer als zuvor.

„Dieses Virus ist einfach kein Spaß“, warnt Laumann, der Corona zwar überlebt, aber immer noch Respekt vor der Pandemie sowie ihren Folgen hat und alle Menschen bittet, sich an die Regeln der Schutzverordnung zu halten. So wisse keiner, der einen andere anstecke, wie schwer die Krankheit bei diesem verlaufe oder ob sie sogar zum Tod führe. Dem sind seine Familie und er glücklicherweise entronnen.

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