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Immer mehr Eigentümer restaurieren ihre Fassaden in Laer

Ein Schmuckstück für den Ortskern

Laer

Über die in Kürze abgeschlossene Restaurierung der Fasse des Lengerschen Hauses ist Bürgermeister Manfred Kluthe sehr erfreut.

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Das „Lengersche Haus“ mitten im Ortskern ist mit der Geschichte des Dorfes Laer schon immer eng verbunden gewesen. Jetzt wird die historische Fassade saniert. Foto: Gemeinde Laer

Als Michael Sulzbacher, aktueller Eigentümer des Lengerschen Hauses in Laer, die Immobilie vor Jahren erwarb, war ihm klar, dass man dieses historische Haus erhalten müsse. Auf der Suche nach Fördermitteln ist er auf das Förderprogramm des Landes NRW Dorferneuerung gestoßen. Für die Antragstellung war, ähnlich wie bei den Mühlenflügeln der Kappenwindmühle am Dorfteich eine Stellungnahme der Gemeinde Laer förderlich.

Bürgermeister Manfred Kluthe, der neben seinem Hauptamt auch ehrenamtlich im Heimatverein aktiv ist, holte sich Unterstützung von Ulrike Kluck, die dabei half, eine genaue Recherche des Hauses und dessen Bedeutung für die Gemeinde herauszuarbeiten.

Fördermittel

Das „Lengersche Haus“ ist mit der Geschichte des Dorfes Laer schon immer eng verbunden gewesen. Bereits früh konnte sich die Bevölkerung in Laer eines Bekleidungsgeschäftes erfreuen, heißt es in einer Presseinformation der Gemeinde.

Gebaut hatte das Haus der Textilhändler Sundermann. Julius Lengers, der Großvater des letzten Betreibers des Geschäfts gleichen Namens, heiratete kurz nach 1900 die Tochter des Textilhändlers Sundermann, der bereits ein Textilgeschäft in dem Gebäude betrieb. So gelangte das Haus in den Besitz der Familie Lengers. Julius Lengers (der ältere) hatte zuvor seinen Textilhandel auf mobile Weise betrieben indem er mit dem Lastenfahrrad in die Bauerschaften fuhr und dort seine Kundschaft überwiegend mit Stoffen belieferte.

Das historische Haus mitten im Ortskern von Laer besitzt noch eine der wenigen in Laer erhaltenden originalen Historismus-Fassaden. Für einen kleineren Ort wie Laer, verglichen mit größeren Städten im Münsterland, ist das Haus eine echte Rarität.

Rarität

Die ältesten Fotos des Hauses, die leider nicht genau zu datieren sind, zeigen dass das Gebäude ursprünglich in sichtbarem Bruchstein erbaut war. Die Historismus-Stuckfassade ist erst später hinzugefügt worden. Die Datierung im Giebel des Erkers von 1898 ist vermutlich das Jahr der Fassadenerneuerung.

Auf dem ältesten erhaltenen Plan für einen Umbau aus dem Jahr 1914 ist zu sehen, dass die Stuckfassade schon vorhanden war. Antragsteller für die Vergrößerung der Schaufensterfläche war da schon der „Kaufmann zu Laer“, Julius Lengers. Im Jahr 1929 wurden die Schaufenster dann abermals vergrößert und der Eingang umgestaltet. Zu beiden Seiten der Eingangstür wurden Figurennischen mit gebogenen Glasscheiben im Art Deco-Stil eingebaut.

Tradition

Die Erhaltung dieses Hauses mit der regionaltypischen Bausubstanz war demnach für die Gemeinde Laer höchst wünschenswert. Dementsprechend freute sich Michael Sulzbacher mit Bürgermeister Manfred Kluthe über die Bewilligung der Fördermittel in Höhe von rund 25 000 Euro, die etwa ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen. Die gesamte Maßnahme soll in Kürze fertiggestellt sein, sodass das Lengersche Haus wieder in neuem Glanz erstrahlt. Ein Dank geht auch an die Bezirksregierung Münster, die unterstützend zur Seite gestanden hat.

Bürgermeister Kluthe lobt den Einsatz aller Eigentümer, die in der Gemeinde Laer ihre historischen Fassaden wieder restaurierten: „Da hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden. Viele haben gemerkt, dass es nicht die Lösung sein kann, alles immer abzureißen.“

Identität

Neben dem Lengerschen Haus, gibt es mittlerweile weitere Beispiele repräsentativer Fassadensanierungen, wie die Ratsschränke an der Hohen Straße, restaurierte Fachwerkfassaden am Ewaldibach oder historische Fassaden an der Pohlstraße, am Terup, am Haupthaus und am Torhaus des Rolevnickschen Geburtshofes der Familie Schulte Altenroxel. „Hinter dem Kratzputz der 50er Jahre schlummern noch so einige wunderbare Fassaden“, sind sich Manfred Kluthe und Restaurator Michael Sulzbacher sicher.

Bürgermeister Manfred Kluthe möchte alle Eigentümer unterstützen, die sich hier auf den Weg machen wollen und ist sich sicher, dass das Land hier auch weiter Förderprogramme ausweisen wird, vielleicht sogar noch in diesem Jahr.

„Nur so“, ist sich Kluthe sicher, „können wir die Einzigartigkeit und die Identität von Laer und Holthausen erhalten, die beide auf eine fast 1000 jährige Geschichte blicken können.“ Daneben sei es aus Sicht des Bürgermeisters wichtig, dass sich auch die Investoren hier in Laer und in Holthausen bei Neubauten ihrer städtebaulichen Verantwortung noch stärker bewusst werden.

„Für die Architekten ist es keine Schwierigkeit, die ein oder anderen regionaltypischen Elemente wie beispielsweise Sandstein mit in die Fassade zu verbauen, Fenster und Türen einzufassen oder wieder stärker vertikale Linien zu betonen.“ Die Mehrkosten seien überschaubar, lohnen sich am Ende aber immer, da die Werthaltigkeit und die regionale Identität massiv gewinnen. Auch ein Gestaltungsbeirat kann eine Lösung sein, bevor man eine Gestaltungssatzung oder B-Pläne aufstellen und Veränderungssperren erlassen müsse um den eingeschlagenen Pfad nachhaltig zu beschreiten, wird Laers Bürgermeister abschließend in der Pressemitteilung zitiert.

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