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Alten- und Sozialhilfeplanung Thema eines Infoabends / Johannes Kluck wirbt für einen Seniorenbeirat

„Es kann auch ein Mix sein“

Laer

Die Planung des Generationenparks erfordert eine Mitarbeit der Senioren“, meint Johannes Kluck, der gemeinsam mit Manfred Voth seit zwölf Jahren als Seniorenvertreter vor Ort aktiv ist. Während des Infoabends zur „Alten- und Sozialplanung in der Gemeinde Laer“ warb der 82-Jährige für die Gründung eines Seniorenbeirates, der die Interessen der älteren Bevölkerung vertritt und sich für deren Belange einsetzt.

Von Sabine Niestertund

Zum Plenum gehören Diplom-Gerontologin Hedi Overhoff, Frank Woltering von der Stabstelle des Kreises Steinfurt, Bürgermeister Manfred Kluthe und Seniorenvertreter Johannes Kluck (v.l.). Foto:

Für Johannes Kluck ist es eine Herzensangelegenheit. Der ehemalige Leiter der Steinfurter Volkshochschule macht sich für die Bildung eines Seniorenbeirates in der Gemeinde Laer stark. „Die Planung des Generationenparks erfordert eine Mitarbeit der Senioren“, begründet der gelernte Psychologe, der seit 40 Jahren mit seiner Familie im Ewaldidorf lebt und sich seit über zwölf Jahren mit Manfred Voth als Seniorenvertreter vor Ort engagiert, seinen Vorstoß.

Während der Informationsveranstaltung zur „Alten- und Sozialplanung“, zu der Bürgermeister Manfred Kluthe und der zuständige Fachbereichsleiter, Matthias-Holger Reher, in die kleine Turnhalle eingeladen haben, wirbt Johannes Kuck um ein Mandat aus der Bevölkerung zur Errichtung des unabhängigen Gremiums, das die Interessen und Belange älterer Menschen wahrnimmt.

„Alt werden ist ein Lebensabschnitt, den wir gestalten können, der aber auch für uns gestaltet werden muss, zumindest der Rahmen“, meint der 82-Jährige. Die Prognosen der Altersentwicklung des Kreises Steinfurt und die Befragung der Diplom-Gerontologin Hedi Overhoff in 2020 zeigten die Wünsche und Notwendigkeiten für Laer auf. Die Generation 60+ habe das heutige Laer geprägt und sollte auch bei Entscheidungen über die Altersvorsorge in der Kommune gehört werden, fordert der Seniorenvertreter, dass die Pflegeplanung von der Kommune gesteuert und gemanagt wird.

„Wir müssen die Sache in die Hand nehmen“, meint auch Bürgermeister Kluthe, der bedauert, dass der Wunsch der älteren Menschen nach einer wohnortnahen Versorgung noch nicht erfüllt werden konnte. Schon vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sieht der Gemeindechef, der erst am 1. Oktober 2020 seine Arbeit aufgenommen hat, dringenden Handlungsbedarf. Das zeigt auch der Bericht über die Alten- und Sozialplanung, dessen Ergebnisse Hedi Overhoff an diesem Abend in komprimierter Form vorstellt, nachdem die ausführliche Version während der vergangenen Legislaturperiode in 2020 bereits Thema im zuständigen Fachausschuss war. Danach erwies sich die Corona-Pandemie bei zahlreichen Entwicklungen und Plänen als wahrer Bremser.

„Ein großes Manko ist die fehlende Tages- und Kurzzeitpflege“, nennt die Gerontologin nur ein Ergebnis aus der schriftlichen Befragung samt der zehn geführten Interviews. Aus ihnen ergeben sich zahlreiche Handlungsempfehlungen, die schrittweise umgesetzt werden sollen.

„Ich finde es gar nicht so verkehrt, aber es ist noch nicht rund“, meint die Referentin zum Konzept des „Marienquartiers“, das die Planer und Investoren erst kürzlich im Bauausschuss vorgestellt haben. Man müsse sehen, was dieses konkret enthalte und ob es mit den festgestellten Bedarfen übereinstimme. Wenn nicht, sollte es in Einklang gebracht werden, meint die Fachfrau.

Gedanken darüber machen sich auch die zahlreichen Besucher des Infoabends. „Dort sind doch schon Fakten geschaffen worden, in dem man einen Plan vorgelegt hat“, meint Helmut Hagemann, der kritisiert, dass das Pferd so von hinten aufgezäumt wird und die Gemeinde das Thema verschlafen habe. Der Prozess müsse von Fachlichkeit geprägt sein und die Kommune sollte das Instrument der Bauleitplanung nutzen, um den Betreibern Druck zu machen.

Bürgermeister Kluthe erinnert daran, dass das Gelände der katholischen Kirchgemeinde gehört. Als Kuratoriumsmitglied der Stiftung Marienhospital kennt er die Pläne, bei denen er noch Luft nach oben sieht. Schließlich sei auch noch nichts in Stein gemeißelt.

Als Teilnehmer für einen „Runden Tisch“ gewinnt der Gemeindechef an diesem Abend Frank Woltering von der Stabstelle des Kreises Steinfurt. Er ist für die inte­grierte Sozialplanung zuständig und wertet es als positiv, dass sich die neuen Entscheidungsträger dem Thema „Alterung“ widmen und dass den Handlungsempfehlungen eine Bürgerbefragung zugrunde liegt. Der Experte warnt – schon aus Gründen des Pflegenotstands – davor, ein Seniorenheim als die „Universallösung für alles“ anzusehen. Schließlich würden 80 Prozent der alten Menschen im Kreis Steinfurt zu Hause betreut, und es gäbe zahlreiche andere Versorgungsbausteine und Ausweichmöglichkeiten, die natürlich miteinander abgestimmt und koordiniert werden müssten. „Es kann auch ein Mix sein“, rät der Fachmann den Verantwortlichen, eine Leitbilddiskussion anzustoßen, um zu einem abgestimmten Konzept mit allen Beteiligten zu kommen.

Was mit den übrigen 20 Prozent ist, die nicht zu Hause gepflegt werden könnten, will Johannes Kluck wissen, der seine Stimme für rund 50 Bürger erhebt, die aufgrund fehlender Hilfsmöglichkeiten in Laer in Seniorenheimen anderer Orte untergebracht sind. Auf Schautafeln, die im hinteren Bereich der Turnhalle aufgestellt sind, hat der Seniorenvertreter dargestellt, was das für die ältere Bevölkerung und ihr Altwerden bedeutet. Im schlimmsten Fall drohten Einsamkeit in der fremden Umgebung. Hinzu käme ein Verlassenheitsgefühl, weil der verbliebene Ehepartner zu Hause, aufgrund seines Alters möglicherweise nicht mehr mobil sei. Vorstellungen, die vermutlich niemandem – denn jeder wird alt – behagen.

Ein breites Arbeitsfeld für den Seniorenbeirat, meint Johannes Kluck, der auf die erfolgreiche Arbeit dieser Gremien beispielsweise in Altenberge und Steinfurt hinweist.

Die gesamte Präsentation der Alten- und Sozialhilfeplanung findet sich auf der Homepage der Gemeinde, die unter www.laer.de abrufbar ist.

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