Arbeitsgruppe „Jüdisches Leben“ befasst sich mit der Laerer Vergangenheit

Gegen das Vergessen

Laer

Über die Gründung der Arbeitsgruppe „Jüdisches Leben in Laer“ freut sich Bürgermeister Manfred Klute. Ihm liegt sehr daran, dass das jüdische Leben im Ewaldi­dorf auch dann nicht in Vergessenheit gerät, wenn die letzten Zeitzeugen gestorben sind. Überraschungsgast des jüngsten Online-Treffens war der Sohn der inzwischen verstobenen Irmgard Ohl, die eine geborene Heimbach war.

Sabine Niestert

Während einer Feierstunde mit Buchpräsentation am 20. März 2007 im Rathaus trug sich die 80-jährige Irmgard Ohl, geborene Heimbach,im Beisein des damaligen Bürgermeisters Dr. Hans-Jürgen Schimke in das goldene Buch der Gemeinde Laer ein. Foto: Sabine Niestert

Für Bürgermeister Manfred Kluthe ist es eine wahre Herzensangelegenheit, dass das jüdische Leben in Laer auch dann nicht in Vergessenheit gerät, wenn die letzten Zeitzeugen verstorben sind. Deswegen freut sich der Gemeindechef besonders über die Gründung der Arbeitsgruppe, die sich mit der Geschichte der jüdischen Familien befassen will, die früher einmal im Ewaldidorf gelebt haben. Dazu gehörte auch die Familie Heimbach.

Zu Ehren der Tochter von Henny und Siegfried Heimbach, die verheiratet Irmgard Ohl hieß, gab es am 20. März 2007 eine Feierstunde im Laerer Rathaus. Drei Tage zuvor hatte die Seniorin ihren 80. Geburtstag gefeiert, zu dem der damalige Laerer Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Schimke der Jubilarin nachtäglich gratulierte.

Der Hausherr zeigte sich stolz darüber, dass die Gemeinde Laer im Ratssaal den festlichen Rahmen für diese Feier bieten konnte. In dessen Verlauf präsentierte der LIT-Verlag aus Münster gemeinsam mit den beiden Autoren Prof. Dr. Diethard Aschoff und Gisela Möllenhoff zu Ehren von Irmgard Ohl die Buchdokumentation „Fünf Generationen Juden in Laer“. Dieses enthält auch einen autobiografischen Beitrag der 1927 Geborenen, die inzwischen allerdings verstorben ist. Bürgermeister Kluthe ist es glücklicherweise gelungen, Kontakt zu ihrem Sohn Wolfgang Ohl in Hamburg aufzunehmen. Zu seiner Freude erklärte der Nachfahre sich bereit, als Überraschungsgast am ersten Online-Treffen der Arbeitsgruppe, der mit einem virtuellen Spaziergang verbunden war, teilzunehmen. Dabei wurde deutlich, dass sich viele der Teilnehmer gut in der Heimatgeschichte auskennen und interessiert sind, über die Themen des jüdischen Lebens im Dialog zu bleiben.

Wie groß das Interesse ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Buchdokumentation zeitweise vergriffen war. Inzwischen ist das Werk „Jüdisches Leben in Laer“ allerdings wieder in der örtlichen Buchhandlung Kuse (Telefon 2 49) und im Laerer Rathaus (Telefon 91 02 70) für 17,90 Euro erhältlich. Der Inhalt des Buchs stellt die Geschichte der von 1803 bis 1942 in Laer lebenden jüdischen Familien vor und enthält eine Zeitgeschichte, die sich sehr nahe an den zugänglichen Quellen und an den Erzählungen der letzten Überlebenden des Holocausts orientiert.

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass auch weiterhin die Möglichkeit besteht, der Arbeitsgruppe beizutreten. Interessierte können sich unter buergermeister@laer.de melden. Pandemiebedingt finden die Treffen momentan in unregelmäßigen Treffen als Online-Konferenzen statt.

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