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Bürgermeister und Kämmerer bringen während der Ratssitzung den Haushalt ein

Kräftig Schulden abgebaut

Laer

Läuft alles wie geplant, kann die Gemeinde Laer die Haushaltssicherung Ende 2023 endgültig verlassen. Das machten Bürgermeister Manfred Kluthe und Kämmerer Thorsten Brinker während der Haushaltseinbringung im Gemeinderat deutlich. Dass man trotz beschränkter Ausgabefähigkeit einiges erreicht hat, ist viel Eigenleistung, Innovation, Mut, dem Willen zu Gestalten und Sparsamkeit zu verdanken.

Von Sabine Niestertund

Eines vorweg: Steuersenkungen – wie oftmals gefordert – sind vor Ablauf des Stärkungspaktes in der Gemeinde Laer nicht möglich. Das machten Bürgermeister Manfred Kluthe und Kämmerer Thorsten Brinker während der Haushaltseinbringung im Rahmen der jüngsten Ratssitzung unmissverständlich deutlich. Dass sei keine Frage des Wollens, sondern des gesetzlichen Dürfens, betonten der Verwaltungschef und der Finanzfachmann unisono.

„Für mich bleibt aber das Ziel, nach der Stärkungspaktmaßnahme hier deutliche Signale zu setzen, um den Standort der Gemeinde Laer noch interessanter zu machen“, kündigte der Bürgermeister an. Damit erinnerte er auch an sein Wahlversprechen, mittelfristig die Steuern für die Eigenheimbesitzer und Unternehmer zu senken, damit das Ewaldi­dorf auch finanziell für ansiedlungswillige Menschen und Unternehmen attraktiv bleiben beziehungsweise noch werden würde.

Zudem hatte der Nachfolger von Peter Maier versprochen, gemeinsam mit allen Beteiligten die Verschuldung der Kommune kontinuierlich zu verringern, damit diese wieder handlungsfähig würde. Dass dies gelungen ist, zeigten auch die Ausführungen des Kämmerers, der sich ebenfalls freute, dem Gemeinderat einen Haushalt mit einem positiven Jahresergebnis von 24 526 Euro präsentieren zu können. Allerdings sei dass nur denkbar knapp, durch Isolierung der coronabedingten Finanzschäden in Höhe von 429 600 Euro möglich gewesen.

„Ohne diesen zulässigen Buchungstrick müsste ich Ihnen heute ein nicht zu kompensierendes Haushaltsdefizit in Höhe von 405 074 Euro vorlegen“, gab der Fachmann als Mahner zu bedenken. So habe er sich bei der Aufstellung des Entwurfs der Haushaltssatzung 2022 sowie des Haushaltssanierungsplanes 2022 in den zurückliegenden Wochen manches Mal „um den Schlaf gebracht“ gefühlt.

„Wir führen den Weg der soliden Haushaltspolitik fort, um dann Ende 2023 die Haushaltssicherung endgültig zu verlassen“, versprach der Bürgermeister, der seine Haushaltsrede auch dazu nutze, um nach einem Jahr an der Spitze der Gemeinde Bilanz zu ziehen, Rückschau zu halten und den Blick in die Zukunft zu richten. Dass die bisherige Amtszeit des 44-Jährigen stark durch Corona geprägt war, machten die Maßnahmen und Schritte deutlich, für die sich die Verwaltungsspitze entschieden hatte, um der Pandemie möglichst einhaltend zu begegnen.

Immerhin hätte die Infektion durch Aerosole um Weihnachten, Silvester und um Neujahr 2020 herum Indizien von über 300 ergeben, erinnerte der Gemeindechef an diese beängstigende Entwicklung. Man habe deshalb schon als eine der ersten Gemeinden im Kreis die Grundschule in allen 13 Klassen im Januar mit einer Absauganlage ausgestattet. „Laer hat diese Aufgabe durch innovatives Denken und praktisches Handeln sowie extremer Wirtschaftlichkeit gemeistert“, bilanzierte Kluthe, der sich auch stolz darüber zeigte, dass es gelungen sei, mit Hilfe von Ärzten, Apotheken und Kooperationspartnern in Rekordzeit Schnellteststationen einzurichten und damit den Bürgern seit März dieses Jahres ortsnahe Testungen zur Verfügung zu stellen.

Höhepunkt der diesbezüglichen Aktivitäten sei die lokale Impfaktion gewesen, die rund 70 Personen dankbar angenommen hätten. Allen, die das ermöglicht hätten sowie auch den Impf­paten und anderen Helfern, dankte Kluthe für ihren Einsatz während des ganzes Jahres.

Froh zeigte sich der Bürgermeister auch über die Fertigstellung des Schulgebäudes für den Betrieb der offenen Ganztagsschule trotz einiger Widrigkeiten. Die Lernatmosphäre und die Möglichkeiten der Betreuung hätten sich mit dem Anbau um ein vielfaches gesteigert. Davon könnte sich die Bürgerschaft am „Tag der offenen Tür“ am Vormittag des 20. Novembers (Samstag) selbst ein Bild zu machen.

Respekt zollte Kluthe der Leistung von Thorsten Brinker und seinem Team für die Erstellung des umfangreichen Zahlenwerks. Das sei keinesfalls ein Selbstläufer gewesen, sondern der harten Arbeit und Umsichtigkeit des Kämmerers geschuldet. So lebe man in sehr dynamischen Zeiten, in denen sich weder die Einnahmen-, noch die Ausgabenseite so präzise vorhersehen ließen. Alleine die Transferaufwendungen machten zirka 50 Prozent der ordentlichen Aufwendungen aus. Davon seien die größten Positionen die allgemeine Kreisumlage und die Kreisumlage Mehrbelastung Jugendamt.

Das Starkregenereignis vom 3. Juli sei eine Folge des von Menschen gemachten Klimawandels, der sich ganz lokal auf die Gemeinde niedergeschlagen habe und diese jetzt vor die Herausforderung stelle, ungeplante Schäden zu beseitigen und präventiv im Hochwasserschutz voranzugehen. Der Erfolg im Klimaschutz insgesamt nähme immer mehr an Bedeutung zu. Das Ziel sei, die Erd­erwärmung möglichst auf zwei, besser noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Allerdings müssten alle Maßnahmen auch sozialverträglich, finanzierbar und nachhaltig sein, so Kluthe.

Dass die Gemeinde trotz der Haushaltssicherung so „aktiv und umtriebig“ sein könnte, führte der Bürgermeister auch auf die Ausschöpfung zahlreicher Förderprogramme zurück, die man beispielsweise bei der Sanierung der Heizungstechnik der Schulen und der beiden Turnhallen sowie der Modernisierung der Gebäudetechnik in Anspruch nähme. Dadurch könnte die Gemeinde bis zu 40 Prozent Energie einsparen.

365 000 Euro Fördermittel habe man für die örtliche Sportanlage erhalten und bekomme damit eine moderne Außenanlage mit Flutlicht, neuer Laufbahn und einer Breitensportanlage für die Bürgerschaft.

„Daneben haben wir auch noch kräftig Schulden abgebaut. Waren es 2019 noch 6,5 Millionen Euro Liquiditätskredite haben wird bis Ende diesen Jahres nur noch zwei Millionen“, sah der Bürgermeister nicht nur die finanzielle Entwicklung der Gemeinde auf einem guten Weg.

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