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Gemeinde plant ein kommunales Starkregenrisikomanagement

„Mammutwerk“ zum Schutz

Laer/Laer-Holthausen

Der Schock wirkt noch nach. Deswegen will die Gemeinde Laer künftigen Unwetterkatastrophen wie der am Abend des 3. Juni mit einem kommunalen Starkregenrisikomanagement begegnen. Der Rat hat Bürgermeister Manfred Kluthe vor den Ferien beauftragt, dieses gemeinsam mit einem Fachbüro auszuarbeiten. Dass die Verwaltung bereits eine Spezialfirma gefunden hat, berichtet Bauamtsleiter Martin Wolf.

Von Sabine Niestert

Der Starkregen am Abend von Fronleichnam hat viele Häuser in Laer und Holthausen überflutet. Damit es nicht mehr so weit kommt, plant die Gemeinde ein kommunales Starkregenrisikomanagement. Foto:

Die schrecklichen Bilder vom Hochwasser im Kreis Ahrweiler und Rhein-Erft-Kreis und seinen verheerenden Folgen sind für die Menschen in Laer und Holthausen besonders schwer erträglich. Schließlich mussten sie am 3. Juni selbst erleben, das zahlreiche Straßen und mehrere Häuser in ihren beiden Ortsteilen und im Außenbereich durch Starkregen geflutet wurden. Innerhalb von 30 Minuten hat dieser immense Schäden angerichtet und mehr als 100 Feuerwehreinsatzkräfte rund um die Uhr gefordert.

Kein Wunder, dass die Bürger den Abend des Feiertags Fronleichnam am liebsten ganz schnell vergessen würden. Das gelingt und hilft natürlich nicht, denn die Folgeschäden sind längst noch nicht behoben und jede Regen- und Gewitterwarnung versetzt die Betroffenen in Angst und Schrecken. Deswegen ist es unerlässlich, Konsequenzen aus der Wetterkatastrophe zu ziehen und sich auf ähnliche klimabedingte Vorfälle, die weiter zuzunehmen drohen, vorzubereiten.

Das soll durch das kommunale Starkregenrisikomanagement geschehen, das für das gesamte Gemeindegebiet ausgearbeitet wird. Den entsprechenden Auftrag hat der Gemeinderat Bürgermeister Manfred Kluthe während seiner Sitzung vor der Sommerpause erteilt. Der Verwaltungschef soll gemeinsam mit einer Fachfirma die negativen Auswirkungen von Überflutungen durch Starkregen und das daraus resultierende Schadenspotenzial (urbane Sturzfluten, Rückstau aus der Kanalisation oder Eindringen von Grundwasser in Gebäude) beziehungsweise das Gefährdungspotenzial ermitteln und Empfehlungen ausarbeiten, wie die Gemeinde sich gegen diese Gefahren besser wappnen kann.

Mit der Materie ist zurzeit der neue Leiter des Fachbereichs 3, der die Bereiche Infrastruktur und Bauen umfasst, Martin Wolf, befasst. Wie der Nachfolger von Stefan Wesker auf Anfrage dieser Zeitung berichtet, liegt der Verwaltung inzwischen das Angebot einer Fachfirma vor, die den Auftrag gerne übernehmen würde. Man sei in Abstimmung mit der Bezirksregierung Münster, die so ein Management bis zu 50 Prozent fördere.

„Wann und wo gibt es Gefährdungsbereiche?"

„Das ist bestimmt kein Kleinauftrag“, gibt der studierte Diplom-Geograf hinsichtlich der Größenordnung des zu erstellenden Konzeptes zu bedenken. Schließlich handele es sich um eine „große Ingenieurleistung“, die dazu beitragen solle, die Gemeinde zukunftssicher zu machen. So müssten Fragen, wie beispielsweise „Wie fließt das Wasser?“, „Wann und wo gibt es Gefährdungsbereiche?" und „Wo sind Engstellen und was kann man dagegen tun?“ geklärt werden.

Diese Analyse biete eine solide Grundlage, um im Ernstfall im großen Rahmen zu handeln und damit eine Struktur zu haben, die langfristig angelegt sei. Zudem gäbe es natürlich auch immer einen kurzfristigen Handlungsbedarf. Wenn beispielsweise ein Gully verstopft sei, könnte der Bauhof das ganz schnell beheben.

Gefordert ist auch die Freiwillige Feuerwehr

Natürlich sollen an der Erstellung des Starkregenrisikomanagements neben der Bezirksregierung Münster auch die Versorger, die Bürgerschaft, der Kreis Steinfurt und die Gemeindewerke Laer (Stadtwerke Münster) beteiligt werden. Gefordert ist zudem das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr.

Politisch wird das Vorhaben, das auch der Städte- und Gemeindebund empfiehlt, durch den Betriebs- sowie wahlweise und bei Bedarf durch den Bau- und Umweltausschuss begleitet. Hauptverantwortlicher ist der Bürgermeister, der über die Ergebnisse der einzelnen Schritte die zuständigen Fachgremien und den Rat informieren wird.

Bauamtsleiter Martin Wolf geht davon aus, dass das „Mammutwerk“ alle Beteiligten mindestens ein Jahr beschäftigen wird.

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