Bewegende Gedenkmesse für Gerrit Thiemann in der Bartholomäuskirche

Schwerer Abschied vom „Kümmerer“

Laer

Während einer Gedenkmesse mit Pfarrer Johannes Gospos in der Bartholomäuskirche haben viele Weggefährten die Möglichkeit genutzt, sich von Gerrit Thiemann zu verabschieden. Dabei würdige auch Bürgermeister Manfred Klute die Verdientste des Verstorbenen und dankte ihm für seinen Einsatz.

Von Sabine Niestertund

Pfarrer und Weggefährte Johannes Gospos feiert die Gedenkmesse mit der Trauergemeinde (oben l.). Laers Bürgermeister Manfred Kluthe würdigt die Verdienste des am 29. Mai verstorbenen Gerrit Thiemann und dankt ihm im Namen der Gemeinde (oben r.) für seinen unermüdlichen Einsatz. Teresa Dapka trägt sich ins Kondolenzbuch ein, das im Turm der Pfarrkirche St. Bartholomäus ausliegt. Coronabedingt müssen am Samstagvormittag viele Sitzplätze im Gotteshaus leer bleiben. Foto: Fotos: Sabine Niestert

„Gerrit Thiemann im Himmel auf einer Wolke sitzend und die Harfe spielend?“ Nein, dieses ungewöhnliche Bild kann sich Pfarrer Johannes Gospos von seinem ehemaligen Weggefährten nicht wirklich vorstellen. Schließlich war dieser Zeit seines Lebens ständig als Streiter für Laer unterwegs und in Aktion. So hat der Geistliche, der früher leitender Pfarrer der Kirchengemeinde Heilige Brüder Ewaldi und Vorgänger von Pastor Andreas Ullrich war, den 72-Jährigen jedenfalls kennen und schätzen gelernt.

Dass Gerrit Thiemann sich stets voller Elan und Kraft für „sein“ Dorf eingesetzt und dabei bis zum Schluss nie eine Pause oder Auszeit gegönnt hat, weiß auch Bürgermeister Manfred Kluthe. Er nutzt die gute Gelegenheit, sich im Namen des Rates, der Gemeindeverwaltung und der Bürgerschaft öffentlich bei seinem Zweiten Stellvertreter zu bedanken.

Die Gedenkmesse, die die Familie des Verstorbenen, der bereits am Freitag in seinem Geburtsort Ahaus beerdigt worden ist, am Samstagvormittag in der örtlichen Bartholomäuskirche möglich gemacht hat, bietet den Freunden, Bekannten und Weggefährten die Möglichkeit, sich zu verabschieden.

Weil die Corona-Pandemie keine volle Besetzung des Gotteshauses zulässt, bleiben viele der Plätze unbesetzt. Jene, die gekommen sind, erleben einen bewegenden Gottesdienst für einen „einzigartigen Menschen“. Dafür sorgen Pfarrer Gospos und Bürgermeister Kluthe, die das Wirken des Mannes beschreiben, der durch seine ständige Präsenz wie keiner Zweiter das Gesicht der Gemeinde Laer verkörpert hat. Besonders in der Zeit ohne hauptamtlichen Bürgermeister war der gelernte Kaufmann, der glücklicherweise schon Rentner gewesen ist, für die Belange der Menschen vor Ort da.

„Gerrit Thiemann hat die Gemeinde geprägt und bereichert. Einen besseren Leiter des Dorfmarketingvereins hätte man sich nicht wünschen können“, meint Pfarrer Gospos. Die beste Reklame für einen Ort sei ihre Dorfgemeinschaft. Für diese habe sich der Verstorbene stets stark gemacht. Dabei sei ihm seine verbindliche Art entgegengekommen, die auch die Sozialdemokraten an ihrem eifrigen politischen Mitstreiter, der sich stets mit einem „bis später“ und nun mit einem „Tschüss“, von ihnen verabschiedet hat, zu schätzen wussten.

Seine zwei Leidenschaften seien die Gemeinde Laer und die Pfadfinderschaft in Ahaus gewesen, erinnert sich der Polizeiseelsorger an den Mann mit dem Schalk in Nacken, mit dem er immer gerne gefrotzelt habe.

„Als Kümmerer des Ortes“ bezeichnet Bürgermeister Kluthe den langjährigen Geschäftsführer und Mitbegründer des Dorfmarketingvereins. Sein über 30-jähriges politisches Engagement als Ratsherr und sein Einsatz als Erster und Zweiter stellvertretender Bürgermeister blieben unvergessen, ebenso wie sein Engagement für die Flüchtlinge in der Initiative „Laer verbindet – Miteinander – Füreinander“. Das gelte auch für seinen Einsatz für die Partnerschaften mit Guénange und Badersleben. Ihm seien außerdem die Erfolge der Weihnachtsmärkte, das „Fest der Kulturen“ und das „Parkleuchten“ zu verdanken, das er 2012 nach Laer geholt hat.

Dass der Mann mit „dem verschmitzten Lächeln und oftmals leichter Skepsis im Blick“ auch ernst werden konnte, versteht sich. Wenn beispielsweise der Schlüssel für den Verteilerkasten auf dem Rathausplatz, der für Festivitäten gebraucht wurde, verschwunden war, gab es natürlich Ärger. Meistens habe Gerrit Thiemann ihn dann in seiner eigenen Hosentasche wieder gefunden und sich für seinen falschen Verdacht bei ihm entschuldigt, erinnert sich der Geistliche schmunzelnd an einige gemeinsame Begebenheiten.

Tröstlich die Worte des Seelsorgers, dass Gerrit Thiemann, der sich nie in den Vordergrund gespielt habe, als fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft in ihrer Mitte und in den Herzen der Menschen bliebe, die ihn geliebt hätten. Sein Tod hinterlasse zwar viel Schmerz und eine große Lücke, doch seine Gegenwart sei weiterhin spürbar.

Die beiden Redner scheinen der Trauergemeinde aus der Seele gesprochen zu haben. Die würdigt ihre Nachrufe jedenfalls mit einem anhaltenden Applaus. Durch seinen Amtskollegen lässt sich Pfarrer Andreas Ullrich wegen einer Erstkommunion entschuldigen und liebe Grüße an die Gottesdienstbesucher ausrichten.

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