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Initiative der Gemeinde

Stolpersteine werden in 2023 verlegt

Laer

Läuft alles nach Plan, sollen im Herbst 2023 in Laer Stolpersteine verlegt werden. Dann soll auch der Künstler Gunter Demnig vor Ort sein.

Von und

Kulturbeauftragte Mona Lindenau und Bürgermeister Manfred Kluthe Foto: Gemeinde Laer

Die neue Kulturbeauftragte der Gemeinde, Mona Lindenau, hat sich neben vielen Aufgaben auch dem Thema Stolpersteine in Laer gewidmet. Darüber freut sich auch Bürgermeister Manfred Kluthe, dem das Thema rund um das jüdische Gedenken sehr am Herzen liegt. Das geht aus einer Pressemitteilung der Gemeindeverwaltung hervor.

Im Jahr 2021 hatte der Rat auf Antrag der Verwaltung einstimmig den Beschluss zur Verlegung von Stolpersteinen gefasst, die seit 1996 vom Künstler Gunter Demnig in über 1265 Kommunen in Deutschland und in 21 Ländern Europas erfolgreich verlegt worden sind. Die ersten Stolpersteine verlegt der Künstler immer persönlich.

1265 Kommunen

„Aufgrund vieler Anfragen besteht eine entsprechende Warteliste für Städte und Gemeinden. Für Laer könnte es im Oktober 2023 soweit sein“, heißt es in dem Pressetext weiter. Auch vor Ort möchte der 75-Jährige weltweit bekannte Künstler persönlich den ersten Stein legen. Die darauf folgenden Verlegungen können dann von der Gemeinde eigenständig vorgenommen werden.

Zur Aufarbeitung der Hintergründe der deportierten jüdischen Einwohner Laers hatte Bürgermeister Manfred Kluthe den Wunsch geäußert, dies gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern anzugehen. Schließlich wurden andernorts extra Stolperstein-Vereine und Initiativen gegründet, die ihre jeweilige Stadt bei der komplexen Recherche unterstützen.

Pohlstraße 14

Mona Lindenau konzentrierte sich in den vergangenen Wochen auf das Haus an der Pohlstraße 14, früher im alten Katasterplan von Laer auch Dorf Nr. 86 a genannt. Dies war laut dem Buch „Fünf Generationen Juden in Laer“ von Diethard Aschoff und Gisela Möllenhoff mit dem autobiografischen Beitrag von Irmgard Ohl, geborene Heimbach, der Wohnsitz von insgesamt sechs jüdischen Mitbürgern, die am 13. Dezember 1941 zunächst nach Münster und von da aus mit dem Zug nach Riga deportiert wurden.

Insgesamt wurden an diesem Tag aus drei Bezirken über 1000 Juden zwangsdeportiert. Dabei wurden unter anderem neun Personen aus Laer, vier aus Altenberge, 14 aus Borghorst, 18 aus Burgsteinfurt und 104 aus Münster verschleppt.

Unter den sechs Personen befanden sich ganz unterschiedliche Schicksale. Erich Buchheim war gerade 33 Jahre alt und wohnte gemeinsam mit seiner Ehefrau Marianne Buchheim geborene Rosenberg, 29 Jahre alt, zusammen. Der Kaufmann Walter Perlstein wurde 1903 in Dorsten geboren und heiratete 1939 die in Laer geborene und aufgewachsene Hedwig Sara Perlstein geborene Heimbach. Ihre gemeinsame Tochter Reha wurde am 27. Oktober 1940 geboren und war zum Zeitpunkt der Deportation gerade ein Jahr alt. Im gleichen Jahr der Hochzeit musste Walter Perlstein bis zur Deportation Zwangsarbeit in Laer leisten.

Wer mehr über die Zwangsarbeit jüdischer Menschen in Laer und Altenberge erfahren möchte, dem sei, die im vergangenen Jahr erschienene Gedenkschrift von Sabine Jarnot, erhältich bei Kuse Schreibwaren, empfohlen.

Workshop

Die sechste Person war Antonia, genannt Toni Baer, geborene Schönberg, die 47 Jahre alt war. Bevor die Stolpersteine verlegt werden, laden Mona Lindenau und Bürgermeister Kluthe interessierte Bürgerinnen und Bürger am 19. Januar (Donnerstag) 2023 um 18 Uhr zu einem kleinen Workshop ins Rathaus ein. Dort können die Teilnehmenden durch Kontaktaufnahme mit möglichen Angehörigen vielleicht mehr über die Opfer in Erfahrung bringen. Eine Anmeldung ist per E-Mail an mona.lindenau@laer.de. erforderlich.

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