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Teamwork beim Freileitungsbau

Auf dem Mast wird Türkisch gesprochen

Metelen

Die 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung des Netzbetreibers Amprion macht Fortschritte. In Metelen selber sind die Bohrungen für die Fundamente bereits erfolgt, vereinzelt stehen auch schon die unteren Abschnitte der Freileitungsmasten, die sogenannten Mastenfüße. Auf Schöppingener und Steinfurter Gebiet wurden bereits erste Masten aufgebaut. Demnächst sollen diese Arbeiten auch in Metelen starten. Die Redaktion hat sich auf der Baustelle umgesehen.

Von Dieter Huge sive Huwe

Zentimeter für Zentimeter nähert sich das neue Segment den Monteuren, die auf dem Mast gleich das schwere Element mit den beiden Auslegertraversen montieren. Eigensicherung ist in dieser Höhe überlebenswichtig. Foto: Dieter Huge sive Huwe

„Trinkst du einen Tee mit uns?“ Mehmet Ter Yildiz freut sich sichtlich über das Interesse des Reporters an der Arbeit der Montagekolonne. Schnauzbärtig, braun gebrannt von der Arbeit an der frischen Luft und mit der Autorität jahrelanger Erfahrung hat der Bauleiter das Geschehen auf dem abgeernteten Acker im Blick: Die vormontierten Mastsegmente, die beiden schweren Autokräne und das Gitter-Ungetüm, das heute noch auf mehr als 80 Meter wachsen soll.

„Ein Tag, ein Mast“, das ist die Vorgabe, die Yildiz und seine zehn Kollegen sich gesetzt haben. Morgens um halb acht geht es los, und wenn alles glatt läuft, ist nach der Mittagspause nur noch die Spitze zu montieren. An diesem Tag ging bislang alles glatt.

„Für uns ist das Wetter ganz wichtig. Wind und Regen sind nicht gut“, erklärt der Bauleiter. Der Blick auf die noch stumpfe Spitze des Mastes in gut 70 Metern Höhe macht es deutlich. Dort haben sich die Kollegen auf die vier Hauptträger verteilt, immer zu zweit, mit schweren Klettergurten und massiven Karabinern gesichert. Schwindelfreiheit ist neben einer robusten körperlichen Konstitution unabdingbar für den Job.

„Der Mast hier ist ja noch relativ klein“, schaut Mehmed Ter Yildiz nach oben. Erst auf die meine Nachfrage spricht er von dem 120 Meter hohen Gittermast, auf den er bei seinem ersten Einsatz klettern musste. „Damals war ich noch ein junger Mann“, grinst er und lässt offen, ob er auch heute noch so weit oben arbeiten würde. Dass er, wie auch seine Kollegen, stolz ist auf seine Arbeit, das wird schnell klar. Denn so etwas kann nicht jeder.

In stabilen Stoffsäcken sind Werkzeug, Schrauben und Muttern verstaut. So weit oben reichen 36er Maulschlüssel – Kaliber, wie sie auch beim Windkraftanlagenbau eingesetzt werden. Dabei wird weiter unten am Mast, auf den noch stärkere Kräfte einwirken, als hier oben, auch mal mit Schlüsselweiten jenseits der 40 operiert.

Das Werkzeug wiegt, und auch die Muttern und Schrauben. Dennoch turnen die acht Männer oben im Mast mit einer Leichtigkeit durch das Gestänge, die staunend macht. Von Montagmorgen bis zum Freitagnachmittag ist der Montagetrupp im Einsatz, ein eingespieltes Team, das sich in Muttersprache unterhält. Am Himmel über dem Acker wird Türkisch gesprochen. Die meisten aus dem Team stammen aus dem Saarland, arbeiten aber für eine Firma mit Sitz in Leipzig. Freileitungsbau ist eben ein Job mit ständig wechselnden Einsatzorten. Und der ist an diesem Tag eben über einem Acker im Münsterland.

Das vorletzte Segment wird jetzt vom Kran langsam nach oben gehoben. Am Boden führt es ein Arbeiter aus der Gruppe an einem langen Seil. Er will verhindern, dass die tonnenschwere Last in Rotation gerät.

Welche Kräfte bereits die leichte Brise hat, die an diesem Tag die benachbarten Windräder träge antreibt, wird deutlich, als Mehmet Alan Yildiz plötzlich losspurtet und ihm zu Hilfe eilt. Der Kolonnenführer, der fast genauso heißt wie sein Bauleiter, teilt die Teams ein, hat stets ein waches Auge auf die Kollegen.

Diese führen hoch oben das schwere Mastsegment in Position – auf den Millimeter genau, denn die Schrauben müssen durch die vorgebohrten Löcher passen. Eine nach der anderen wird angezogen, dicke Federringe mit der Kraft der Schlüssel gequetscht. Dann sitzt auch das vorletzte Element stabil auf dem Mast.

Der Autokran ist fast am Ende seiner Ausladung angelangt. Für die Mastspitze muss er umgebaut werden. Zeit für die Mittagspause. Die Männer klettern hinunter, prüfen hier und da auf dem Rückweg die letzten Verbindungen, vor allem an dem dicken Knotenblech, das den Knick zwischen der Unterkonstruktion und den Schüssen, wie die Freileitungsbauer die Segmente auch nennen, anzeigt.

Die schweren Sicherungsgurte sind jetzt abgelegt, die Helme dürfen im Bauwagen abgesetzt werden – zum Mittagstee, zu dem mich Bauleiter Yildiz einlädt. Schade, dass ich mich jetzt mit den Kranführern verabredet habe. Aber die Einladung gilt – auch dann noch, wenn die Männer der Montagetruppe in den kommenden Wochen in Metelen mit dem Mastaufbau starten. Dann trinke ich einen mit – versprochen.

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