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Bürgergeld: In Metelen ein alter Hut

Metelen

Im neuen Jahr wird in Deutschland eine neue Grundsicherung für Arbeitsuchende eingeführt, Bürgergeld genannt. Metelens Gemeindearchivarin Sabine Jarnot berichtet, dass es schon in der frühen Neuzeit es ein Bürgergeld gab, das damals mit Bürgerrechten zu tun hatte. Die konnte man bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in Städten im Falle eines Zuzugs durch die Entrichtung eines Bürgergeldes erwerben.

In den Bürgermeistereirechnungen der Jahre 1590/91 findet sich auch dieser Eintrag. Er beschreibt die Bürgeraufnahme des Bernd Schmidt. Das Dokument befindet sich heute im Metelener Gemeindearchiv. Foto: Gemeindearchiv Metelen

Ab morgen wird in Deutschland „Bürgergeld“ gezahlt. Die Einführung des Bürgergeldes ist eine umfangreiche Reform der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Dabei gab es Bürgergeld bereits in der frühen Neuzeit, wie Metelens Gemeindearchivarin Sabine Jarnot herausfand:

Der „Bürger“ war ursprünglich der Bewohner eines befestigten Ortes, also einer Burg oder einer Stadt. Im Spätmittelalter erfuhr die Bezeichnung „Bürger“ einen Bedeutungswechsel im Sinne eines rechtlichen Privilegs. Bürger hatten Freiheiten, im Gegensatz zu Ministerialen (Bediensteten), Zensualen (Personen, die zinsgebunden waren) und weiteren Gruppen der Stadtgesellschaft.

Der Bürger musste seine Freiheit, einen guten Leumund, ein gewisses Vermögen bzw. einen ausreichenden Unterhalt nachweisen sowie für Wehr- und Wachdienste zur Verfügung stehen. Dafür erhielt er Rechte, die eng mit den Stadtrechten verbunden waren. Diese wurde nach dem Ablegen des Bürgereides in die Bürgerrolle eingetragen. Das Bürgerrecht konnte wieder aufgegeben werden, vorausgesetzt, dass Steuern und Schulden getilgt waren. Ebenso konnte es vonseiten des Rates wieder entzogen werden.

Bürgeraufnahme

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein wurden die Bürgerrechte in Städten entweder durch die eheliche Geburt im Ort nachgewiesen oder durch die Entrichtung eines Bürgergeldes im Falle eines Zuzuges erworben. Belege finden sich in den Stadt- und Bürgermeistereirechnungen sowie in den Bürgerbüchern. In Metelen fanden die Verhandlungen über eine Bürgeraufnahme in den Jahren 1585-1635 jeweils am zweiten Sonntag im Mai statt. Im Jahr 1585 ist zum ersten Mal die Zahlung des Bürgergeldes in einer Bürgermeistereirechnung erwähnt.

Einwohner, die die Erlangung des Bürgerstatus anstrebten, aber die Mittel nicht hatten, das Bürgergeld zu zahlen, konnten alternativ eine gemeinnützige Dienstleistung anbieten.

Wer nicht dauerhaft in Metelen lebte, zahlte kein Bürgergeld, sondern eine Bürgersteuer („Borgermode“). Er war der „Paohlbürger“, der Pfahlbürger, der seine Wohnung außerhalb der Stadtbefestigung, aber innerhalb der Landwehr bezog.

Bürgertum

Borchard Borchorst, ehemaliger Richter im Wigbold Metelen, zahlte 1610 für seine Frau und seine Kinder angesichts seiner Verdienste für die Gemeinde 1 ½ Taler und 4 Schillinge. Hermann Dreyer begleicht 1602 das Bürgergeld mit einem Reichstaler und Reparaturarbeiten an der Straße („sall jegen sein und Berndt Loidings Haus dat Straten-Holt nyes machen und die Strate repareren, dazu geven 1 Rtlr.“). Und Bernd Schmidt erhält sein Bürgerrecht 1590 mit der Zahlung von 6 Mark. Darüber hinaus will er den Ledereimer für den Feuerschutz umgehend anschaffen („Den ledderen Emmer will er irsten tydes bestellen“).

Das Bürgertum, bis dahin zum „dritten Stand“ zählend, entwickelte sich im späteren Absolutismus in den Bereich zwischen Adel und Bauern und zeichnete sich durch eine höhere soziale Stellung und zunehmende Bildung aus.

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