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Historischer Schützenplatz der Samberger

Erinnerung an Feste der Altvorderen

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Die Samberger weihen am Wochenende einen neuen Platz an der Brücke Brinckwirths Erbe ein. Hier stand einst die Vogelstange der Gilde, und hier wird auch mit einer Rekonstruktion daran erinnert. Fünf handwerklich versierte Vereinsmitglieder haben den Platz angelegt.

Von Dieter Huge sive Huwe

Herbert Artmann, Josef Artmann und Alfred Kockmann (v.l.) legten in den vergangenen Wochen Hand an und machten aus der Fläche an Brinckwirths Erbe einen Ort, der an die Schützentradition der Samberger erinnert. Im Mittelpunkt steht eine Vogelstange nach altem Vorbild.Um wenige Meter versetzt wurde der Erinnerungsstein, der nun zum Ensemble des historischen Schützenplatzes gehört. Gut angegangen ist die Wildblumenwiese auf dem Platz. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Die Drei tagen Latzhosen – keine nagelneuen aus dem Shop, sondern Exemplare, denen man ansieht, das das Trio regelmäßig Hand anlegt. Herbert und Josef Artmann sowie Alfred Kockmann haben sich in den vergangenen Wochen ins Zeug gelegt, um einen neuen Treffpunkt mitten in der Bauerschaft Samberg anzulegen – gleich neben der maroden Brücke an Brinck­wirths Erbe.

Unter selbiger gluckert idyllisch die Vechte hindurch und liefert zusammen mit emsig vor sich hinsummenden Insekten die Geräuschkulisse des Fleckchens am Wegesrand, das ab sofort wieder eng mit der Samberger Schützengilde verbunden ist. Eine Vogelstange ragt, weiß und mit einem schützengrünen Band verziert, in den Himmel, eine Halterung für einen Fahnenmast gibt es ebenfalls. Und doch wird hier wohl nie ein Vogel aufgepflanzt, ander sla früher: Der Platz ist der Ort, an dem die Samberger bis 1966 ihre Schützenfest feierten.

„Hier war früher die Vogelstange“, erzählt Alfred Kockmann bei einer kleinen Arbeitspause. Hier haben die Samberger früher die Könige ausgeschossen. „Da flogen die Bleikügelchen“, berichtet auch Herbert Artmann über eine Zeit, als Vorschriften wie Kugelfang, Streuwinkel und Munitionsvorgaben noch kein Thema für die Schützen waren. Nach altem Vorbild wurde der gespendete Baumstamm hergerichtet und in einer stabilen Halterung fixiert. „Der war früher wohl ein wenig niedriger“, juxt Alfred Kockmann als er berichtet, dass die Schützen auch mal mit ihren Spazierstöcken auf ein besonders zähes Holzvieh geworfen hätten. Da der gespendete Stamm aber so schön gerade gewachsen war, brachten es die die Ruheständler nicht übers Herz, ihn zu kürzen. Und so wurde die Vorrichtung für die Befestigung des Vogels eben ein paar Meter höher angebracht.

Die stabile, verzinkte Halterung für den Baum steht schon länger auf der Fläche. Die Schützen waren bereits vor geraumer Zeit mit dem Erben eines Bauernhofes in Verhandlungen getreten und hatten die Zustimmung für die Anlage des Platzes bekommen. Allerdings stellte sich dann heraus, dass besagte Fläche gar nicht mehr zum Gehöft gehörte. „Da hatten wir dann allerdings schon vollendete Tatsachen geschaffen“, berichten die drei Schützen.

Eigentümer der Fläche, so erzählen sie weiter, ist nämlich der Landesbetrieb Straßen.NRW. Es handelte sich, so wurde im Laufe der Verhandlungen deutlich, um eine Ausgleichsfläche, die seinerzeit für den Bau der Umgehungsstraße angelegt wurde. Bei der Straßenbehörde stießen die Vertreter der Gilde mit ihrem Anliegen trotz der bereits einbetonierten Masthalterung auf Wohlwollen. Sie durften weitermachen – allerdings unter Auflagen. „Englischer Rasen geht nicht“, berichtet Alfred Kockmann, dass Straßen.NWR auf das Einsäen mit einer zertifizierten Wildblumenmischung bestanden hätte. Das Ergebnis hat die Fläche in ein Blütenmeer verwandelt, in dem die Vogelstange und auch ein Erinnerungsstein, auf dem die Schützen an den alten Standort der Vogelstange erinnern, wie Inseln herausragen.

Der Stein stand übrigens bis vor kurzem nur ein paar Meter entfernt an der Sitzgruppe unter den Eichen am Brinckwirths-Erbe-Weg. Die Schützen haben sich entschlossen, mit dem Stein auch vorbeikommende Radler – der Weg ist Teil der Aa-Vechte-Tour – auf den Hintergrund des Platzes hinzuweisen.

Ein wenig schade finden es die drei Ruheständler, die sich gemeinsam mit Heinz-Josef Jänsch und „Barni“ Herdering bei der Anlage des Platzes eingebracht haben, dass es keine Möglichkeit gibt, etwa auf einer Ruhebank zu verweilen. Doch handelt es sich eben um eine Ausgleichsfläche, die vornehmlich der Natur zugute kommen soll.

Am Wochenende wird der neue historische Platz der Schützengilde eingeweiht, mit einem internen Fest, zu dem am Samstag (4. September) ferner die Förderer des Projekts, aber auch am interessierte Neumitglieder willkommen sind. Es beginnt um 18 Uhr. Tags darauf (Sonntag) startet um 11 Uhr der traditionelle Frühschoppen der Samberger, ebenfalls am alten Schützenplatz.

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