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Aktionen zum Festjahr

Jüdisches Leben wird erfahrbar

Metelen

Auf die Spuren jüdischen Lebens in Metelen, der Region und in Deutschland begeben sich die Veranstalter eines Picknick-Nachmittages an Plagemanns Mühle. Im Rahmen eines zweistündigen Programms mit Rezitationen und Musik soll die reiche jüdische Kultur erinnert werden. Eingeladen wird dazu am 4. September (Samstag). Anlass ist das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben“.

Von Dieter Huge sive Huwe

Yulia Rivina (l.) gab im Amtsgarten ein Beispiel für jüdische Musik, die auch während des Nachmittags zu hören sein wird. An dessen Vorbereitung sind ferner (v.l.)  Sabine Jarnot, Karl Watermann, Beate Meißner-Watermann, Everhard J. Drees, Antje Schmies-Hoffmann und Ruth Bentler beteiligt.  Foto: Dieter Huge sive Huwe

Jüdisches Leben gehört seit 1700 Jahren zu dem Gebiet des heutigen Deutschlands – Anlass für ein Jubiläum, dass republikweit als Festjahr begangen wird. Auch Metelen ist ein Ort mit jüdischer Vergangenheit. Dass die aus mehr besteht als den Untaten der Nationalsozialisten und dem Holocaust versucht eine Veranstaltung deutlich zu machen, zu der am 4. September (Samstag) um 14.30 Uhr an Plagemanns Mühle eingeladen wird.

Am Dienstag traf sich die Vorbereitungsgruppe, um schon detaillierter in die Programmplanung einzusteigen. Eingeladen dazu hatte Gemeindearchivarin Sabine Jarnot, die sich gemeinsam mit Antje Schmies-Hoffmann um den organisatorischen Part kümmert.

Ein Quartett aus Metelen verantwortet dann die inhaltliche Ausgestaltung des Nachmittags, der als Picknickveranstaltung konzipiert ist – mit Decken und Picknicktischen und mit einem Willkommenssnack. So ist die aktuelle Planung mit Blick auch auf Corona.

Karl Watermann wird die Aktion moderieren, die – ausgehend vom jüdischen Leben in der Vechtegemeinde – den Kreis weiter ziehen wird in die Region und dann auch darüber hinaus.

Everhard J. Drees, bekannter Rezitator aus dem Ort, hat beispielsweise Gedichte gefunden, die – hörte man sie aus dem Zusammenhang heraus – durchaus die Qualität heimatlicher Lyrik mit einer gehörigen Portion Humor vermittelten. Genau das war auch die Intention des Autors.

Elias Marcus, 1854 geboren in Burgsteinfurt und Schuhgeschäftbetreiber am münsterschen Roggenmarkt, führte die Feder und war seiner Heimat tief verbunden. Plattdeutsche Lyrik, Theaterstücke und Erzählungen hinterließ er der Nachwelt, und aus diesem Fundus wird Drees einige Passagen präsentieren.

Daneben soll auch aus dem Werk Kurt Tucholskys rezitiert werden. Mit im Boot ist hier Beate Meißner-Watermann, die sich schon seit längerem mit der jüdischen Geschichte der Region beschäftigt.

Doch nicht nur das Wort – in jeweils kurzen, aber prägnanten Beiträgen – wird das etwa zweistündige Programm des Nachmittags beinhalten. Auch musikalisch soll das einst so lebendige jüdische Leben in Deutschland erfahrbar werden. Yulia Rivina wird mit der Gitarre jüdische Lieder spielen, die – das bewies sie bereits bei der Programmpräsentation – durchaus mitsingbar und sogar tanzbar sind.

Neben dem Nachmittag zur reichhaltigen jüdischen Kultur in Deutschland werden Mitte August die Grabsteine auf dem kleinen jüdischen Friedhof Metelens an der Schöppingener Straße gesäubert. In Absprache mit dem Landesverband Jüdischer Gemeinden von Westfalen-Lippe werden Metelenerinnen und Metelener dies übernehmen. Der Heimatverein wird daneben die alte und morsche Holzpforte durch eine neues, in Eigenregie hergestelltes Tor ersetzen.

Angeregt wurde seitens der katholischen Kirchengemeinde ferner eine mögliche Fahrt zur Synagoge nach Dorsten im Herbst.

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