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Vortrag zu hochsensiblen Kindern

Manche wirken wie kleine Philosophen

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Tanja Gellermann referierte vor interessierten Zuhörenden in der Kita St. Marien über Hochsensibilität bei Kindern. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung lebe mit dieser speziellen Aufmerksamkeits-Veranlagung, die als besondere Begabung viel Potenzial beinhalte.

Von Irmgard Tappe

Referentin Tanja Gellermann ist Heilpraktikerin für Psychotherapie in Münster und zählt – ebenso wie etwa ein Fünftel der Bevölkerung – zu den besonders sensiblen Menschen. Foto: Irmgard Tappe

Die Kita St. Marien hatte Donnerstagabend interessierte Eltern zu einem Infoabend über „Hochsensibilität bei Kindern“ eingeladen. Wohl kaum jemand hätte besser über dieses Thema referieren können als Tanja Gellermann. Denn die Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Praxis in Münster zählt – ebenso wie 20 Prozent der Bevölkerung - zu den hochsensiblen Menschen, wie sie den aufmerksam zuhörenden Besuchern mitteilte.

Eines stellte sie gleich zu Beginn ihres Vortrags klar: „Hochsensibilität ist weder eine Krankheit noch eine Störung, sondern eine genetisch bedingte Temperamentsausprägung.“

Gellermann nannte eine tiefe, differenzierte Reizverarbeitung als eine von vier Säulen der Hochsensibilität. Wenn ein hochsensibles Kind zum Beispiel Hausaufgaben macht, nimmt es zeitgleich andere Eindrücke in gleicher Intensität wahr. „Auch im Alltag achten hochsensible Kinder oft auf Dinge, die anderen gar nicht auffallen. Sie bedenken winzige Details und stellen gern existenzielle Fragen. Manche wirken wie kleine Philosophen“, beschrieb die Referentin ein typisches Verhalten. Für das betroffene Kind bedeute es eine enorme Denkleistung, die vielschichtigen Wahrnehmungen und Gefühle einzuordnen.

Ein weiterer Wesenszug sei die Übererregbarkeit, sobald die Kapazitätsgrenze erreicht sei. Je nach Charakter äußere sich das durch aggressives Verhalten oder Zurückziehen. Ein intensives Gespür für Befindlichkeiten sowie eine verstärkte Empfindlichkeit bei Gerüchen, grellem Licht oder Geräuschempfindlichkeit seien ebenfalls typische Merkmale. „Hochsensible Kinder halten sich zum Beispiel des Öfteren die Ohren zu“, veranschaulichte die Referentin eine mögliche Reaktion auf eine feine Sinneswahrnehmung. Außerdem hätten hochsensible Menschen einen individuellen Ordnungssinn sowie ein ausgeprägtes, ästhetisches Empfinden. Sie hätten klare Vorstellungen, wie etwas aussehen solle oder was sie anziehen möchten.

Tanja Gellermann nannte noch viele Verhaltensbeispiele, die natürlich nicht komplett auf jeden hochsensiblen Menschen zutreffen. Ihr Ratschlag an betroffene Eltern: „Dünnen Sie den Kalender aus, nehmen Sie das Tempo heraus, und löchern sie ihr Kind nach Schul- oder Kitaschluss nicht mit Fragen, sondern geben sie ihm Raum zum Sein.“ Wichtig sei, die Wahrnehmungen des Kindes nicht in Frage zu stellen. Wenn ein hochsensibles Kind spüre, dass seine Bedürfnisse anerkannt und seine Begabungen wertgeschätzt würden, lerne es, das reiche Wahrnehmungspotenzial als besondere Begabung zu nutzen.

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