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Eisenman-Skulptur wieder eröffnet

1000 Münsteraner feiern die Rückkehr des Brunnens an der Kreuzschanze

Münster

Die Künstlerin Nicole Eisenman konnte coronabedingt nicht zur Einweihung ihres Brunnens nach Münster kommen. Dafür waren viele Münsteranerinnen und Münsteraner gekommen. Ein besonderer Tag an der Kreuzschanze, auf den eine private Initiative lange hingearbeitet hatte.

Von Arndt Zinkant

Der Eisenman-Brunnen an der Promenade ist offiziell wieder eröffnet. Foto: Oliver Werner

Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar: Als im Jahr 1973 die „Rotierenden Quadrate“ von George Rickey als die ersten modernen Skulpturen im öffentlichen Raum der Stadt installiert wurden, sträubte sich das konservative Münster noch. Als am vergangenen Samstag „Sketch for a Fountain“, die beliebte Brunnenskulptur von Nicole Eisenman, eingeweiht wurde, herrschte an der Kreuzschanze beinahe Volksfest-Stimmung.

Den historischen Vergleich hatte Oberbürgermeister Markus Lewe gebracht. „Zum ersten Mal hat in Europa eine Bürgerinitiative in dieser Art ein Kunstwerk ermöglicht“, sagte Lewe begeistert – und sprach dem Verein „Dein Brunnen für Münster e.V.“ seine Anerkennung für das Engagement aus.

Homophobie und Judenverfolgung als Thema

Mit mehreren der fünf Initiatoren war der OB per Du: Sandra Silbernagel, Uta Ramme, Soetkin Stiegemeier-Oehlen, Maria Galen und Manfred Petermann. Diese Fünf hatten sich locker zusammengefunden, nachdem vor vier Jahren die Eisenman-Figuren bei den Skulptur-Projekten mit rechtsradikalen Schmierereien verschandelt worden waren; „Sketch for a Fountain“ thematisiert symbolisch sowohl Homophobie wie auch Judenverfolgung.

Das Quintett hatte innerhalb von vier Jahren Mitstreiter und Förderer gefunden und stand nun beglückt im Kreise einer riesigen Menschenmenge, die den Rasen an der Kreuzschanze füllte. Musik mit Trommelschlag war zu hören – und natürliche viele Grußworte.

Ministerin lobt Engagement

Es sprach Kasper König, den Skulptur-Projekten von Anbeginn verbunden, und auch NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die das bürgerliche Engagement lobte: „Es wundert mich nicht, dass dies ausgerechnet in Münster passiert ist“.

Nicole Eisenman selber konnte coronabedingt nicht aus New York anreisen, schwärmte aber in einer Audiobotschaft über das Projekt und die Gruppe der Initiatoren: Sie sei begeistert und geehrt – hoffentlich könne man bei einem späteren Besuch zusammen ein Bier trinken.

Ein Brunnen für Kinder

Anwesend war mit Christoph Gerozzisis der New Yorker Galerist Eisenmans. Das Projekt, so sagte er, sei von der Liebe zur Bürgerschaft erfüllt. „Nicole wünscht sich, dass Kinder in diesem Brunnen herumplanschen werden“, so Gerozzisis.

Der Wunsch hat gute Aussichten, sich zu erfüllen. Der Brunnen-Verein hatte im Bekanntenkreis O-Töne zum Projekt gesammelt, die eingespielt wurden: Eine Dame sah vor dem geistigen Auge planschende Kinder. Und ein Schulmädchen gab fröhlich zu Protokoll: „Hier werde ich mit meinen Freundinnen chillen!“

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