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Ehrung jüdischer Holocaust-Opfer (vorerst) abgeschlossen

290 Stolpersteine in 17 Jahren verlegt

Münster

290 Stolpersteine sind in den vergangenen 17 Jahren in Münster verlegt worden. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus – vor allem Jüdinnen und Juden, die im Holocaust umkamen. Am Montag sind nun die (vorerst) letzten Stolpersteine verlegt worden.

Von Martin Kalitschke

An der Von-Vincke-Straße 8 wurde ein Stolperstein für Margarethe Wangemann (o.r.) verlegt, den hier Peter Schilling (Verein „Spuren finden“) präsentiert. Foto: Matthias Ahlke

Der Stolperstein für Mirjam Goldenberg hat Patina angesetzt. Die eingravierte Schrift ist zerkratzt, aber immer noch gut lesbar: 1941 nach Riga deportiert, 1944 in Auschwitz ermordet, sie wurde gerade mal sieben Jahre alt. Der Stolperstein befindet sich vor dem Haus Schulstraße 19, er war der erste, den der Künstler Gunter Demnig in Münster verlegte.

17 Jahre später schließt sich der Kreis: An der gleichen Adresse wurden am Montag Stolpersteine für Else und Siegfried Goldenberg in den Boden gesetzt. Mirjams Eltern überlebten den Holocaust und wirkten maßgeblich am Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde in Münster mit. Ihre Steine sind Erinnerungssteine – ausnahmsweise.

Projekt startete 2004

Insgesamt 290 Stolpersteine sind in Münster zwischen 2004 und 2021 verlegt worden, berichtet Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“, der sich um die Umsetzung des Projekts von Gunter Demnig in Münster kümmert. Die meisten ehren Juden, die im Holocaust umkamen. Zumindest was diese Opfergruppe angeht, sei das Projekt nun abgeschlossen, berichtet Schilling.

Rita Möllenhoff, mit Gisela Schlautmann-Overmeyer Autorin des grundlegenden Werkes „Jüdische Familien in Münster“, hatte vor Jahren eine Liste mit den von den Nazis ermordeten jüdischen Münsteranern zusammengestellt. Für alle sei nun ein Stolperstein gelegt worden. betont Schilling.

Auch „Euthanasie“-Opfer und Sinti unter Geehrten

Unter den 290 Steinen seien zudem einige, die sogenannte Euthanasie-Opfer, Sinti und Personen, die von den Nazis als „Asoziale“ bezeichnet wurden, ehren. Was diese Opfergruppen betrifft, seien weitere Stolperstein-Verlegungen in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen, betont er.

Am Montag wurde ein weiterer Stein an der Von-Vincke-Straße 8 verlegt – aus Termingründen nicht von Demnig, sondern von einem münsterischen Bauunternehmen. Hier wohnte einst die als Jüdin geborene Margarethe Wangemann, die 1942 nach Riga deportiert wurde, wo sie wenig später an einer Lungenentzündung verstarb. Sie wurde 61 Jahre alt.

Ein weiterer Stolperstein liegt nun an der Rothenburg 51. Er erinnert an Leo Steinweg, einen begeisterten Rad- und Motorradfahrer, der im In- uns Ausland Rennen fuhr. 1942 wurde er auf der Flucht in den Niederlanden denunziert und nach Auschwitz deportiert, er starb vermutlich auf einem „Todesmarsch“ zum KZ Flossenbürg. Leo Steinweg wurde 38 Jahre alt.

Gedenkblätter erarbeitet

290 Stolpersteine – 290 Schicksale, die dank des vielfach ausgezeichneten Projekts von Gunter Demnig dem Vergessen entrissen wurden. Sie halten die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wach – ebenso wie die Gedenkblätter zu den jeweils betroffenen Personen, die in der Villa ten Hompel aufbewahrt werden. „Manche wurden von Einzelpersonen erstellt, andere von Schulklassen“, so Schilling – auch dies eine Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte.

Die Kosten für die Steine übernahmen Paten, die Verlegung sei meist kein Problem gewesen. Es habe aber einige Münsteraner gegeben, die keinen Stolperstein vor ihrem Haus wollten – weil es einst den jüdischen Vorbesitzern geraubt worden war. Doch das waren Ausnahmen, sagt er: „Die Unterstützung war in all den Jahren meist sehr. sehr gut.“

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