Nahostkonflikt treibt Münsteraner auf die Straße

350 Menschen zeigen Flagge gegen Antisemitismus

Münster

Rund 350 Münsteraner haben am Sonntag auf dem Prinzipalmarkt gegen Antisemitismus demonstriert und sich mit der jüdischen Gemeinde in der Stadt solidarisiert. Bereits am Samstag waren Anhänger der palästinensischen Seite auf die Straße gegangen. Ein Polizist wurde bei diesen Protesten verletzt.

Timo Gemmeke

Auf dem Prinzipalmarkt demonstrierten Münsteraner gegen Antisemitismus. Foto: Timo Gemmecke

Etwa 350 Demonstranten haben am Sonntag ihre Solidarität mit Israel im Konflikt mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas geäußert.

Zur Demonstration und Solidaritätsbekundung hatten unter anderem die Jüdische Gemeinde Münster, die Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Münster sowie das Jugendbündnis gegen Antisemitismus aufgerufen. In mehreren Redebeiträgen widmeten sich die Vertreter der Gruppen und Initiativen nicht nur der aktuellen Lage in Nahost, sondern auch den Vorfällen in der eigenen Stadt. Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, erinnerte an den vergangenen Dienstag, als mehrere Männer vor der münsterischen Synagoge antisemitische Sprüche skandiert und eine Israel-Flagge angezündet hatten.

„Es ist nicht auszumalen“, so Fehr, „was in diesem Moment passiert wäre, wenn sich ein Gemeindemitglied, nach außen erkennbar als Jude, vor dem Gebäude aufgehalten hätte.“ Dass weitere, schlimmere antisemitische Straftaten verhindert werden konnten, schrieb Fehr vor allem dem Eingreifen von Anwohnern und der Polizei zu. Das seit dieser Woche bundesweit vermehrte antisemitische Auftreten – vor allem seitens palästinensischer Unterstützer – sei ein Gradmesser für Stimmung und Gewalt gegen Juden allgemein. Über die große Zahl der Demonstranten vor dem Rathaus, die ihre Solidarität zeigen wollten, freute sich der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde umso mehr. Die Unterstützung aus der Zivilgesellschaft sei nicht nur zum aktuell aufgeflammten Nahostkonflikt wichtig – „sie ist das Kapital, auf dem wir unsere Hoffnung und Zukunft für jüdisches Leben in Deutschland aufbauen.“

Sharon Fehr dankt der Polizei

Antisemitische Äußerungen bei pro-palästinensischer Demonstration am Samstag

Dass es bei einer propalästinensischen Demonstration am Samstag in Bahnhofsnähe zu mehrfachen antisemitischen Äußerungen gekommen sei, sei alarmierend, sagte ein Redner vom Jugendbündnis gegen Antisemitismus. Am Samstag hatten dort zwei angemeldete Versammlungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt stattgefunden: Die unter dem Motto „Free Palestine“ angemeldete Demonstration vor dem Hotel Conti mit teilweise bis zu 600 Teilnehmern sowie eine Gegenkundgebung vor dem Hauptbahnhof mit in der Spitze 100 Teilnehmern verliefen laut Mitteilung der Polizei überwiegend friedlich. Dennoch wurde ein Beamter verletzt, als ein Versammlungsteilnehmer der „Free Palestine“-Demonstration versuchte, vor dem Hauptbahnhof eine Polizeikette zu durchbrechen. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Zu weiteren Straftaten sei es aber nicht gekommen, so die Polizei auf Nachfrage.

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