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Festakt im Erbdrostenhof

75 Jahre: Steuerberater feiern ihren Verband

Münster

Steuerberater sind auch nicht mehr das, was sie vermeintlich mal waren. In der Corona-Krise wurde der Beruf geradezu unentbehrlich. Das wurde bei der 75-Jahr-Feier des Verbands betont.

Von Lukas Speckmann

Der Steuerberaterverband Westfalen-Lippe feierte mit einem Festakt im Erbdrostenhof sein 75-jähriges Bestehen. Präsident Marcus Tuschen (2.v.l.) begrüßte als Gäste (v.l.) Finanzgerichtspräsident Christian Wolsztynski, Kammerpräsident Volker Kaiser, Staatssekretär Dr. Patrick Opdenhövel, Bürgermeisterin Angela Stähler und Oberfinanzpräsident Werner Brommund. Foto: Matthias Ahlke

Als der Verband gegründet wurde, war die Not besonders groß. Am 23. Mai 1947 traten im zerbombten Bielefeld 30 festentschlossene „Helfer in Steuersachen“ zusammen, um sich gemeinsam fortzubilden, die zusammengebrochene Wirtschaft auf Kurs zu bringen und nach außen mit einer Stimme zu sprechen.

Es ging darum, schlimmen Mangel zu verwalten, elementare Strukturen einzurichten und nicht zuletzt um den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft. Die engagierten westfälischen Steuerberater waren der Gründung der Bundesrepublik damit exakt zwei Jahre voraus.

Und heute? Hat der seit 1962 in Münster ansässige „Steuerberaterverband Westfalen-Lippe e. V.“ wiederum schwierige Zeiten hinter sich – und wahrscheinlich noch dramatischere vor sich. Die Corona-Pandemie, das wurde beim gestrigen Festakt zum 75-jährigen Bestehen des Verbands im Erbdrostenhof von allen Seiten betont, hat das Berufsbild von Grund auf erneuert.

Lebensberater in allen Belangen

In der Krise wurden die Steuerfachleute zu wichtigsten Gesprächspartnern: Sie mussten ihren Klienten Tag und Nacht Steuerrecht und Coronahilfe erklären, gleichzeitig als Unternehmensberater und Krisenmanager fungieren – und wurden ne­benbei zu wichtigen persönlichen Ansprechpartnern, oft förmlich zu Seelsorgern.

„Ich oute mich als Fan der Steuerberater“, sagte deshalb Christian Wolsztynski, der Präsident des Finanzgerichts Münster, voller Respekt: „Sie tragen große Verantwortung als Lebensberater in beruflichen und privaten Belangen.“

Qualifiziert durch die Krise

Das werde mittlerweile auch in Europa so gesehen, wo die deutschen Steuerberater lange Zeit einen etwas zweifelhaften Ruf als teutonische Besserwisser genossen. Dass Deutschland die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so gut bewältigen konnte, habe auch am Einsatz dieses europaweit ziemlich einmaligen Berufsstandes gelegen. „Das ist in Brüssel erkannt worden“, betont Volker Kaiser, der Präsident der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe.

Steuerberaterverband Westfalen-Lippe

Nun ist der Krieg hinzugekommen. NRW-Finanz-Staatssekretär Dr. Patrick Opdenhövel sprach in seinem Grußwort davon, dass die meisten steuerpolitischen Themen wohl auf den Prüfstand gestellt werden müssten. Die Steuerberater leisteten mit ihrer krisenfesten Sachkenntnis einen unschätzbar wichtigen Beitrag für eine wettbewerbsfähige und faire Steuerpolitik: „Bleiben Sie engagiert!“

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