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Fragen und Antworten

Aktuelle Betrugsmaschen im Münsterland: Was Sie jetzt wissen müssen

Münsterland

Immer häufiger versuchen Kriminelle, Menschen aus dem Münsterland zu betrügen. Erst kürzlich verlor ein 91-jähriger Münsteraner 10.000 Euro durch einen „Schockanruf“. Auch der „Messenger-Betrug“ nimmt zu. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Über Messenger-Nachrichten versuchen Kriminelle derzeit häufiger, an Geld von ihren Opfern zu kommen.  Foto: Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

„Schockanrufe“, „Messenger-Betrug“ oder vorgetäuschte Liebesbeziehungen: Mit solchen Betrugsmaschen versuchen Kriminelle immer wieder, Geld von ihren Opfern zu erbeuten. Aktuell mehren sich im Münsterland die Meldungen dazu. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Betrugsmaschen kursieren aktuell im Münsterland?

Derzeit sind die Bürgerinnen und Bürger im Münsterland immer wieder mit unterschiedlichen Betrugsversuchen konfrontiert, schreibt etwa die Kreispolizei Borken. Neben dem klassischen Telefongespräch nutzen die Täter mittlerweile auch verschiedene Messenger wie etwa WhatsApp als Mittel ihrer Wahl. Die Betrüger gehen dabei psychologisch geschickt vor, tischen ihren Opfern scheinbar plausible Geschichten auf, verstricken diese in ein Gespinst aus Lügen und Emotionen und manipulieren die Geschädigten so auf perfide Art und Weise. Ein Überblick über die aktuell gängigsten Betrugsmaschen:

  • „Schockanruf“
  • „Falscher Polizist“
  • „Messenger-Betrug“
  • „Vermeintliches Gewinnversprechen“
  • „Love Scamming“
  • „Fake-Shop“

Ebenso weist die Polizei darauf hin, dass auch aktuelle Geschehnisse wie die Corona-Pandemie oder die Hochwasserlage im Jahr 2022 in das Handeln der Betrüger miteinfließen würden.

Wie laufen die Betrugsmaschen ab?

  • „Schockanruf“: Hierbei setzen die Täter auf den emotionalen Überraschungsmoment. Sie geben sich beispielsweise als schwer krankes Familienmitglied aus, das dringend auf teure Medikamente angewiesen ist. Ebenso kann es vorkommen, dass das Gespräch durch eine andere Person, die sich etwa als vermeintlicher Arzt, Polizist oder Staatsanwalt meldet, weitergeführt wird – bis es irgendwann zu einer Geldübergabe kommen soll.
  • „Falscher Polizist“: Über direkten Telefonkontakt geben sich die Betrüger als Polizist aus und versuchen, vor vermeintlichen Straftaten in der Nachbarschaft zu warnen.  Sie wollen Angst erzeugen, um das Opfer dazu zu bringen, Geld oder andere Wertsachen als „Sicherungsmaßnahme“ an die vermeintlichen Polizisten zu übergeben.
  • „Messenger-Betrug“: Über WhatsApp, SMS oder andere Messenger melden sich die Betrüger als vermeintlicher Sohn oder vermeintliche Tochter des potenziellen Opfers, die ein neues Handy besitzen würden. Sie chatten eine Weile und bitten dann um das Begleichen einer Rechnung, da sie es mit dem neuen Gerät noch nicht selbst machen können. Ein anderes Szenario sieht so aus, dass die Täter eine SMS verschicken, die angeblich von der Bank kommt. Klicken die vermeintlichen Opfer darin auf den Link und geben auf der nachgemachten Seite ihre Bankdaten ein, haben die Betrüger freie Bahn.
  • „Vermeintliches Gewinnversprechen“: Betroffene bekommen einen falschen Gewinn suggeriert – meistens per E-Mail. Allerdings müssen sie selbst erst einen gewissen Betrag bezahlen, um ihren „Gewinn“ abzusichern.
  • „Love Scamming“: Über einen längeren Zeitraum bahnen die Kriminellen eine langfristige Beziehung an. Zu herbeigesehnten persönlichen Treffen kommt es aber nicht. Stattdessen nutzen die Betrüger die Romanze aus, um aus fadenscheinigen Gründen wie etwa kranke Angehörige oder anderen Notlagen das Opfer immer wieder um Geld zu fragen. Aus gutem Glauben überweisen die Geschädigten das Geld.
  • „Fake-Shop“: Mit gefälschten Internet-Verkaufsplattformen wollen die Kriminellen Geld erbeuten. Als Lockmittel werden meistens besonders günstige Preise offeriert. Nachdem das Opfer eine Vorauszahlung geleistet hat, bekommt es im Gegenzug entweder minderwertige Ware oder sogar gar nichts geliefert. Oft täuschen die „Händler“ auch Lieferschwierigkeiten vor, um die Betroffenen daran zu hindern, weitere Schritte einzuleiten.
Ältere Menschen sind oft das Ziel von Telefonbetrügern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

Wie viele Betrugsfälle gibt es im Münsterland?

Die Ermittlungsverfahren wegen Betrugsfällen durch den Versand von WhatsApp-Nachrichten haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster im Jahr 2022 deutlich zugenommen. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt schätzt die Zahl der erstatteten Anzeigen – meistens gegen unbekannte Täter – allein in Münster auf mindestens 2000 ein.

Im Kreis Borken stiegen die Zahlen im Bereich „Enkeltrick“ und „Schockanruf“ laut Polizei von 76 angezeigten Fällen im Jahr 2020 auf 173 Fälle im Jahr 2021 und 166 Fälle im Jahr 2022. Gesondert betrachtet wird seit April 2022 der Betrug über Messenger-Dienste. „Bis Jahresende verzeichneten wir 426 Fälle, die uns im Kreis Borken bekannt geworden sind“, so die Kreispolizei.

Im Kreis Warendorf steigen die Betrugsfälle seit 2019 wieder an. Im Jahr 2021 wurden 1718 solcher Delikte gemeldet. „Wenn es um Betrügereien zum Nachteil von älteren Menschen geht, sind der Messenger-Betrug sowie der ,falsche Polizeibeamte' in unterschiedlichen Varianten die meistverbreitete Masche“, schreibt die Behörde. Die häufigste Betrugsmasche im Kreis Coesfeld ist derzeit der WhatsApp- oder SMS-Betrug. Aktuelle Zahlen wird es nach Angaben der Behörden in Warendorf, Steinfurt und Coesfeld voraussichtlich erst im Februar 2023 geben.

Welche Summen erbeuten die Betrüger?

Die Polizei berichtet, dass Geschädigte immer wieder höhere Summen überweisen, weil sie im guten Glauben handeln, einem Verwandten oder Bekannten zu helfen. Der dadurch entstehende finanzielle Schaden bewege sich schnell im vier- oder fünfstelligen Bereich. Bei Messenger-Betrügereien handele es sich häufig um Summen unterhalb von 5000 Euro. Bei „Falschen Polizisten“ oder dem „Enkeltrick“ würden auch mal höhere Summen vorkommen.

In Lüdinghausen gab es im Jahr 2022 sogar einen Fall, bei dem sich die Schadenshöhe im sechsstelligen Bereich bewegte, teilt die Kreispolizei Coesfeld mit. Dort fiel jemand auf eine vorgetäuschte Liebesbeziehung („Love Scamming“) herein. In Münster verlor ein 91-Jähriger im Januar 2023 genau 10.000 Euro durch einen Corona-„Schockanruf“. In Rheine und Bocholt erbeuteten Täter nur wenige Tage später jeweils vierstellige Geldbeträge, in dem sie sich als „falsche Tochter“ der Geschädigten ausgaben.

Kreispolizei Warendorf

Unklar ist allerdings, wie hoch die Dunkelziffer bei den Betrugsmaschen ist. „Geschädigte teilen sich nicht zwingend der Polizei mit, da sie sich schämen, auf die Betrüger hereingefallen zu sein“, heißt es von der Kreispolizei Warendorf.

Wie kommen die Betrüger an meine Telefonnummer?

Es gibt verschiedene Wege, wie Betrüger an Telefonnummern ihrer vermeintlichen Opfer kommen. Als „klassischen Weg“ bezeichnet die Polizei das Telefonbuch. Dabei würden älter klingende Namen und kurze Rufnummern oftmals das Ziel der Täter sein. Meistens würden die Betrüger die Telefonbücher heute aber online „wälzen“, im Gegensatz zu früher.

Laut der Kreispolizei Borken gibt es auch Erkenntnisse, dass Betrüger für ihre Zwecke „regelrechte Callcenter“ im Ausland unterhalten würden. Ebenso werden Datenbanken im Internet oder Darknet von Tätern genutzt, um widerrechtlich an Telefonnummern zu gelangen. Die Betrüger greifen zudem auf Computerprogramme zurück, die Handynummern aus Social Media-Apps und anderen Internetseiten filtern oder Nachrichten per Zufallsprinzip verschicken.

Wie verhalte ich mich, wenn ich kontaktiert werde?

Im Zweifelsfall rät die Polizei, nicht auf den Kontakt einzugehen, das Telefongespräch sofort zu beenden und die Polizei zu kontaktieren. Bei unbekannten Rufnummern und unglaubwürdigen Schilderung sollte man skeptisch sein. „Niemals sollten am Telefon persönliche Daten übermittelt und Vermögenswerte an Unbekannte ausgehändigt werden“, heißt es von der Polizei. Auch wichtig: „Mit dem Wählen der 110 aus einem laufenden Telefongespräch kann nicht die Polizeileitstelle erreicht werden. Ein laufendes Telefonat muss zuvor beendet worden sein.“

Polizei

Bei dubiosen WhatsApp- oder Messenger-Nachrichten empfehlen die Beamten: „Nehmen Sie auf einem Ihnen bekannten Weg Kontakt mit dem entsprechenden Angehörigen auf.“ Ebenso sollte nach Möglichkeit noch ein Screenshot von dem Betrugsversuch gemacht werden. Verdächtige E-Mails sollten erst gar nicht geöffnet, nicht vertrauenswürdig wirkende Webseiten über Suchfunktionen kontrolliert und Kontakte aus sozialen Medien überprüft werden.

    Dieses Vorgehen empfiehlt die Polizei:

  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.
  • Beenden Sie sofort das Gespräch, wenn Sie nach Geld oder Wertgegenständen gefragt werden, wenn die 110 mit oder ohne einer Vorwahl im Display erscheint und/oder wenn der unbekannte Anrufer Sie zur Verschwiegenheit auffordert.
  • Wenn Sie auch nur geringste Zweifel an der Identität eines Anrufers haben und dieser Sie auffordert, ihm finanziell zu helfen, weil ansonsten finanzielle oder materielle Einbußen drohen, notwendige medizinische Versorgung nicht gewährleistet ist, Lebensgefahr besteht und/oder Haftstrafen drohen, beenden Sie sofort das Gespräch!
  • Erstatten Sie Strafanzeige!

Kann ich mich präventiv vor der Kontaktaufnahme schützen?

Den Kontakt im Vorfeld zu verhindern, ist schwierig. Die Polizei empfiehlt, sensibel mit den eigenen Daten umzugehen. „Grundsätzlich gilt, sparsam mit seinen persönlichen Daten zu agieren und sorgfältig zu prüfen, an wen ich meine Telefon- und/oder Handynummer herausgebe“, heißt es von der Polizei. Ebenso sollte man seine Kontaktdaten nicht auf öffentlich abrufbaren Internetseiten einstellen und seinen Vornamen im Telefonbuch abkürzen, um keinen Rückschluss auf das mögliche Alter zuzulassen. Noch besser ist die Streichung aus dem Telefonbuch.

Man kann sich über den Telefonprovider auch eine neue Nummer zuweisen lassen. Wenn man diese Nummer nur im privaten Umfeld weitergibt, verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme durch Betrüger. Ebenfalls können bestimmte Nummern wie etwa Servicenummern oder Nummern aus dem Ausland beim Provider gesperrt werden.

Das Wechseln der E-Mail-Adresse bringe zudem nur temporär etwas. Die Polizei empfiehlt generell, in den Familien stets das Gespräch mit älteren Angehörigen über die unterschiedlichen Betrugsmaschen zu suchen: „Wer die Gefahren kennt, ist weniger anfällig für die Betrügereien.“

Was kann ich tun, wenn ich auf eine der Betrugsmaschen hereingefallen bin?

Opfer von den genannten Betrügereien sollten so schnell wie möglich Kontakt zu ihrem jeweiligen Geldinstitut aufnehmen, die Bank auf den Betrug aufmerksam machen und eine Rücküberweisung veranlassen. Es kann auch sinnvoll sein, die Empfängerbank auf den Betrug hinzuweisen, schreibt die Polizei, die rät, jeden Betrug zur Anzeige zu bringen. „In manchen Fällen gelang es durch eine schnelle Reaktion, eine bereits in die Wege geleitete Transaktion doch noch zu stoppen oder zurückzuholen“, so die Beamten.

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