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Altfrid Sicking und Band in der Friedenskapelle Münster

Alles bleibt so schön im Fluss

Münster

Sechs Vertreter des deutschen Jazz-Olymps, die wirken, als stünden sie schon seit Jahrzehnten gemeinsam auf der Bühne, gaben am Sonntagabend ein Konzert in der Friedenskapelle. Dabei trat die Band um den langjährigen Götz-Alsmann-Solisten Altfrid Sicking erstmals gemeinsam vors Publikum.

Von Robin Gerke

Altfrid Sicking Foto: Gerke

Auf beinahe wundersame Weise fügt sich an diesem nasskalten Sonntagnachmittag alles zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Wer vor der garstigen Witterung ins stimmige Ambiente der Friedenskapelle flieht, findet sechs Vertreter des deutschen Jazz-Olymps, die wirken, als stünden sie schon seit Jahrzehnten gemeinsam auf der Bühne. Dabei tritt die Band um den langjährigen Götz-Alsmann-Solisten Altfrid Sicking heute das erste Mal vors Publikum – zumindest in dieser speziellen Konfiguration. Trotzdem ist da von den ersten Takten bis zum Ausklingen der Zugabe ein Fließen, das nur zwischen wirklich gut aufeinander eingespielten Musikern zustande kommt. Dieses bleibt konstant, ganz gleich, ob man sich gerade in Up-Tempo, Latin- oder Cool Jazz-nahen Gefilden bewegt. Aufgelockert wird dieser Fluss durch Sickings schrullig-charmante Moderation, in der er mit viel Humor Anekdoten zum Besten gibt und seine neues Album „I Am Sicking“ anpreist.

Nicht nur das Zusammenspiel ist ein Genuss, auch in den Soli zeigt sich, welche Hochkaräter sich hier versammelt haben. Hat Martin Classens Tenorsax-Sound anfangs noch Schwierigkeiten, sich gegen Christian Schoenefeldt am Schlagzeug durchzusetzen, ist die Balance in der zweiten Hälfte exzellent. Pianist Sebastian Altekamp und die beiden Alsmann-Veteranen Sicking und Markus Paßlick werfen sich mit schöner Leichtigkeit den solistischen Ball zu. Auch an Virtuosität mangelt es nicht, dafür sorgt Trompeter Christian Kappe, und immer wieder mit großer Subtilität Ingo Senst am Bass.

Mehr Überzeugungsarbeit müssen Sicking und Kollegen an diesem Abend, den sich übrigens auch Götz Alsmann höchstselbst nicht entgehen lässt, nicht leisten. Die von Corona ausgelöste Zwangspause wurde gut genutzt, und die 15 Euro für die neue CD könnte man wahrlich schlechter investieren.

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