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Gedenken an Deportation jüdischer Bürger vor 81 Jahren

Als 390 Menschen verschleppt wurden

Münster

Im einstigen Gertrudenhof an der Warendorfer Straße wurden im Dezember 1941 390 jüdische Bürger aus Münster zusammengepfercht und von dort in Vernichtungslager deportiert. Daran erinnerten nun die Mitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Mit zahlreichen Gästen erinnerten die Verantwortlichen der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Münster an die Deportationen vor 81 Jahren. Foto: Luca Pals

Die Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1941 war regnerisch, nass und kalt. Für 390 Menschen bedeutete sie das Ende vom Leben in Münster und den Anfang von Deportation, Entwürdigung und Gewalt. Für 390 jüdische Bürgerinnen und Bürger begannen dort, wo einst der Gertrudenhof mit Restaurants und Biergärten Gäste anlockte, Verschleppungen, die in Ghettos oder Vernichtungslagern endeten.

Zum 81. Jahrestag erinnerten an der Gedenkstele ander Ecke Warendorfer Straße/Kaiser-Wilhelm-Ring die Mitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Münster sowie zahlreiche Gäste. Pfarrer Martin Mustroph sprach von „systematischer Verschleppung“, die zu einem „bürokratisch abgewickelten Massenmord“ führte: „Es ist unfassbar, wozu Menschen fähig sind. Mitten aus dem Leben gerissen, wurden Jüdinnen und Juden festgenommen, und die Menschen im Umfeld schwiegen.“

Verpflichtungen für die Gegenwart

Der Zug mit den jüdischen Bürgern aus Münster fuhr am 14. Dezember 1941 um 10 Uhr los und führte über mehrere Stationen nach Riga – dort in den sicheren Tod.

„Das Gedenken an die zahlreichen Opfer von Antisemitismus, Hass und menschenverachtender Gewalt sind wir ihnen schuldig“, so Mustroph. „Das Erinnern an die Vergangenheit ist gleichzeitig eine Verpflichtung für die Gegenwart: Wir müssen im Alltag aufmerksam und wachsam sein. Wir müssen hinschauen, wenn wir Ausgrenzung, Hass und Hetze miterleben!“

Hass und Bedrohung sind aktuell

Dass Jüdinnen und Juden auch im Jahr 2022 erneut Opfer von Antisemitismus durch Bedrohungen, Beleidigungen und Gewalt werden, sei eine „Schande“, so der Geistliche weiter.

Traditionell fand eine Schweigeminute vor der Stele an der Warendorfer Straße statt, im Anschluss versammelten sich die Gäste im Geschichtsort Villa ten Hompel. Dort hielten Bürgermeisterin Angela Stähler und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei kurze Ansprachen und erinnerten anhand einzelner Biografien deportierter Juden an deren Schicksale.

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