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Renovierte Fassade an Staufenstraße war am Denkmaltag ein Anlaufpunkt

Alte Figuren in neuem Glanz

Münster

Am Tag des offenen Denkmals öffneten in Münster zahlreiche historische Stätten ihre Türen. Davor stehen blieben die Teilnehmer indes an der Staufenstraße 41: Denn dort stand die frisch renovierte Jugendstil-Fassade mit ihren Figuren im Mittelpunkt des Interesses.

Von Maria Conlan

Architekt Ludger Sunder-Plassmann berichtete im Rahmen des Tages des offenen Denkmals an der Staufenstraße 41 über die Fassadensanierung. Foto: con

Sonst benutzt sie die Staufenstraße als Arbeitsweg, am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, stieg die Passantin vor der Hausnummer 41 von ihrem Rad, um den Ausführungen des Architekten Ludger Sunder-Plassmann zu lauschen. Er öffnete den Blick für die Fassadenrenovierung. Über ein Dutzend Zuhörer verfolgte gebannt seine Ausführungen über die vielen Details, die langjährige Vorarbeit und den Förderungsprozess. Nach sechsmonatiger Einrüstung wurde die Renovierung Anfang des Jahres fertiggestellt, gefördert vom Land NRW.

„Sein und Schein“ war der diesjährige Denkmaltag überschrieben. Über Sein und Schein dieser speziellen Restaurierung klärte Sunder-Plassmann auf. Er ergänzte seine Ausführungen mit Fotos und Zeichnungen. „Sieht alles leicht aus, ist aber sehr schwer“, erläuterte er am Beispiel der Malerarbeiten. Naturfarben mit Naturpigmente mussten eigens angemischt werden, um Schutz vor Verfärbungen und vorzeitigem Verfall zu gewährleisten. Die Farbkompositionen erarbeitete die Bühnenbildnerin Elke Fürchtenich-Boening.

Fassadenfiguren „mit Liebe rekonstruiert“

Jugendstilsymbole fungierten einst wie heutige Emojis. Sunder-Plassmann wünscht sich eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Jugendstil-Symbolik. Einen ersten Blickfang dieses Hauses bilden die weißen Karyatiden, die den Balkon tragen, mit ihren wallenden Gewändern und den rankenden Haarlocken, zwischen den Figuren der Hinweis auf das Baujahr 1904. Der Referent betonte, dass alle Fassadenfiguren „mit Liebe rekonstruiert“ und ihnen „inneres Leben eingehaucht“ wurde, während vor der Restaurierung der „Zustand sehr düster“ gewesen sei. Das bestätigte die Hausbesitzerin Gisela Oster-Schulze Langenhorst. Sie erzählte von lärmenden und rußigen Dampfloks in ihrer Kindheit, die hinterm Haus auf ihre Einfahrt in den Bahnhof warteten. Ihre Familie lebte damals im Erdgeschoss.

Rund ein Dutzend Zuhörer lauschten den Ausführungen des Architekten Ludger Sunder-Plassmann. Foto: con

Bevor der Aasee zur feinen Wohngegend avancierte, leisteten sich die Reichen aus Münsters Umgebung so ein Herrschaftshaus in der Stadt als Geldanlage. Während im Kreuzviertel vor allem Beamte lebten, war dies das Viertel der Unternehmer und Künstler. Der Architekt schärfte am Sonntag den Blick für die einzelnen Fassadenelemente – ein Zusammenspiel verschiedener Gewerke von Glaskunst über Stuckateure und Maler. Alles ergebe eine Gesamtkomposition.

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