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Mann hatte Nachbarn eingeschüchtert

Angeklagter muss in psychiatrische Klinik

Münster

Bereits mehrfach ist der 42-Jährige, dessen Prozess vor dem Landgericht verhandelt wird, auf verschiedene Weise aufgefallen. Nur wird er auf unbestimmte Zeit in einer speziellen Klinik untergebracht.

Von Klaus Möllers

Landgericht Münster Foto: Friso Gentsch

Am Ende der Verhandlung rief er dem Vorsitzenden Richter hinterher, dass er sich an den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte wenden werde. Offensichtlich, weil er die Entscheidung des Landgerichts für falsch hielt.

Im Sicherungsverfahren um den 42-Jährigen aus Münster, der im Januar an der Ewaldistraße unter Einfluss einer schweren seelischen Erkrankung Türen beschädigt und Nachbarn eingeschüchtert hatte (wir berichteten), traf das Gericht am Montag den Entschluss, dass der Mann erneut für vorerst unbegrenzte Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht wird.

Großes Aggressionspotenzial

In einer forensischen Einrichtung hat er bereits etliche Jahre verbracht: Denn 2004 hatte er einen Bewohner eines Mietshauses verletzt – er ging mit einem Spaten und einem Messer auf ihn los. Das Landgericht verurteilte den 42-Jährigen 2005 für die Tat und ordnete die Unterbringung an. Erst im Jahr 2015 wurde er wegen gesundheitlicher Besserung und weniger Gefahr für andere durch sein Aggressionspotenzial auf Bewährung entlassen und unter Führungsaufsicht gestellt.

Bis 2012 sei der Beschuldigte „hochgradig psychotisch“ gewesen, folgerte der Richter nach der Beweisaufnahme und dem Gutachten einer Psychiaterin. Laut Behandlungsberichten musste der Mann in der Klinik immer wieder fixiert werden, damit er nicht andere angriff oder Sachen beschädigte. Im Gutachten war etwa die Rede von „Stühle werfen“. Auch eine zwangsweise Ruhigstellung mit Medikamenten sei nötig gewesen, hieß es.

Richter sieht keine Zuverlässigkeit

Der Anwalt des 42-Jährigen hatte sich dafür eingesetzt, dass durch die Medikamentengabe „wie früher“ und ärztliche Begleitung bei dem Münsteraner „der Zustand von 2015 wieder erreicht“ und die Unterbringung „zur Bewährung ausgesetzt“ werden solle. Der Richter wies jedoch darauf hin, dass der Mann die Medikamente selbst abgesetzt habe und auch nicht zuverlässig einnehmen würde, weil er es nicht wolle. Grundsätzlich fehle ihm die „Krankheitseinsicht“. Noch kurz vor Verhandlungsende hatte der 42-Jährige erklärt: „Mir kann keiner eine Psychose andichten. Ich bin normal.“

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