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Prozessauftakt gegen aggressiven Müllsammler

Angeklagter verweigert die Anreise zum Gericht

Münster

Die Anklage konnte beim Prozessauftakt vor dem Landgericht gegen den notorischen Müllsammler aus Kinderhaus nicht verlesen werden. Der Grund: Der zurzeit zwangsweise in einer Psychiatrie untergebrachte Mann hatte sich geweigert, sich zum Landgericht bringen zu lassen.

Karin Völker

  Foto: dpa

Der Prozessauftakt vor der neunten Kammer des Landgerichts gegen den aggressiven müllsammelnden Mann aus Kinderhaus war am Dienstagmorgen schnell zu Ende. Der Angeklagte, ein 54 Jahre alter Münsteraner, dem der psychiatrische Gutachter beim Prozess vor dem Amtsgericht im Dezember eine schwere Persönlichkeitsstörung attestiert hatte, ist zurzeit zwangsweise im Justizkrankenhaus in Eickelborn untergebracht.

Am Dienstag hatte er sich geweigert, sich zur Verhandlung zum Landgericht in Münster bringen zu lassen, informierte der Vorsitzende Richter: „Er wollte nicht ins Auto einsteigen.“ Am kommenden Freitag (1. Februar) soll der Angeklagte, der wegen wiederholter Bedrohung und Beleidigung seiner Nachbarn vor Gericht steht, zwangsweise vorgeführt werden. „Mir ist sehr daran gelegen, den Prozess ruhig durchzuführen“, sagte der Richter gewandt an die Anwältin des Angeklagten.

Vorwurf widerlegt

Dieser hatte sein Fernbleiben damit begründet, er sei nicht rechtzeitig zum Prozess geladen worden – was der Richter durch Verlesung und Vorlage mehrere Schreiben des Gerichts widerlegte. Zudem hat der Mann gegen die Kammer sowie den psychiatrischen Gutachter Befangenheitsanträge gestellt. Was die Besetzung der Richterbank angeht, wurden sie bereits zurückgewiesen.

Bei dem Prozess geht es darum, ob der Mann dauerhaft zwangsweise in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Es deutete sich zum Auftakt an, dass sich der vom Landgericht neu aufgerollte Prozess lange hinziehen wird. Die Hauptzeugen, die Nachbarn des Angeklagten, die sich gegen das fortgesetzte Müllsammeln im Garten zur Wehr gesetzt hatten, und in der Folge Opfer der Bedrohungen wurden, verreisen ab der kommenden Woche, der Gutachter hat einen eng besetzten Terminkalender.

Zwangsweise vorgeführt

„Es ist nicht möglich, dass sich eine Angeklagter durch Weigerung, vor Gericht zu erscheinen, einem Prozess und einem Urteil entzieht“, erläuterte ein Gerichtssprecher. Auch bei dem vorangehenden Verfahren vor dem Amtsgericht war der Angeklagte bereits einmal zwangsweise vorgeführt worden. Es kam am Rande der früheren Verhandlung bei einem Termin zu gewalttätigen Übergriffen gegen Justizbeamte.

Unterdessen sind die Medien auf den Fall des seine Nachbarn drangsalierenden Nachbarn aufmerksam geworden. Das ARD-Magazin Kontraste sendet am Donnerstag (31. Januar, 21.45 UIhr) ) einen Beitrag, das ZDF hat eine Reportage in Vorbereitung, die im März ausgestrahlt werden soll.

Während der Angeklagte nun zumindest für die Dauer des Prozesses in der Psychiatrie zwangsuntergebracht ist,verweilt der von ihm aufgehäufte Müllberg weiter im Garten und zieht seit Monaten Ratten in die Umgebung. Auch das Haus des Angeklagten ist gefüllt mit gesammeltem Müll. Die Stadt, die in der Vergangenheit zwei Mal das Grundstück räumen ließ, sah sich bisher außerstande erneut einzuschreiten und den Unrat zu beseitigen.

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