Arbeiten des Jahrhundert-Künstlers entdeckt

Antiquar findet Beuys-Skizzen in Bücherkiste

Münster

Der münsterische Antiquar Michael Solder hat in einer Kunstbibliothek mehrere Skizzen von Joseph Beuys entdeckt. Sie beziehen sich auf das letzte Kunstwerk von Beuys, der in diesem Jahr 100 geworden wäre. Der Antiquar ist von der Entdeckung begeistert.

Von Martin Kalitschkeund

Antiquar Michael Solder mit einer Fotografie, die in der Beuys-Box erhalten war. Foto: kal

Der münsterische Antiquar Michael Solder hat einen Beuys-Schatz gehoben. In einer Kunstbibliothek mit rund 1200 Büchern, die er schon vor einiger Zeit gekauft hatte, befanden sich auch eine Box und ein Ordner mit Dokumenten und Originalskizzen des legendären Künstlers Joseph Beuys, der am 12. Mai 100 Jahre alt geworden wäre.

Zwei Jahre lagen sie in einer der rund 40 Bücherkisten, bis sich Solder schließlich anlässlich des Beuys-Jahres 2021 daran machte, sich Box und Ordner genauer anzuschauen.

Beuys ist Solder seit seiner Jugend vertraut. Sein Kunstlehrer am Bischöflichen Gymnasium in Goch (Niederrhein) war Franz Joseph van der Grinten, der zusammen mit seinem Bruder Werke von Joseph Beuys sammelte, die sie schließlich in die Stiftung Schloss Moyland einbrachten. Zu dem vom Lehrer versprochenen Beuys-Besuch an seiner Schule sei es leider nie gekommen, so Solder.

Kugelschreiber-Skizzen

Dafür hat er nun mehrere „echte Beuys“ in seinem Antiquariat: Kugelschreiber-Skizzen zu dessen letztem Werk „Palazzo Regale“. Daneben finden sich in Box und Ordner Briefe an Beuys sowie Fotografien von diesem Kunstwerk. „Beuys war einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts, und Palazzo Regale das letzte Werk vor seinem Tod. Es ist etwas Besonderes, heute Originaldokumente von damals vor sich liegen zu haben. Toll“, sagt Solder.

Ein Brief an Beuys. Foto: kal

Behalten will er sie gleichwohl nicht – der Antiquar plant, sie zu verkaufen.

Der „Palazzo Regale“ – der sich heute im Besitz der Kunstsammlung NRW befindet – besteht aus zwei Vitrinen und sieben Spiegeln. In Solders Dokumenten gibt es die Konstruktionspläne und Rechnungen des Unternehmens, das die Vitrinen und die Spiegel hergestellt hat. Die Fotos wurden bei der Erstaufstellung der Installation im Museo di Capodimonte in Neapel gemacht.

„Man erkennt die Handschrift“

Höhepunkt sind natürlich die Beuys-Skizzen, die sich inhaltlich auf das Kunstwerk beziehen und mit einigen Worten erläutert sind. „Man erkennt eindeutig seine Handschrift“, sagt Solder. „Mit diesen Dokumenten kann man die Genese der Installation nachvollziehen“, betont der Antiquar nicht ohne Stolz.

Zeichnung von Beuys Foto: kal

Eröffnet wurde die Ausstellung in Neapel am 23. Dezember 1985. Genau vier Wochen später, am 23. Januar 1986, starb Joseph Beuys im Alter von 64 Jahren.

Zusammen mit der Schriftstellerin Sabine Scho aus Berlin wird Michael Solder den Beuys-Fund in der nächsten Folge ihres gemeinsamen Podcasts besprechen. Sie geht am 18. Juni auf der Internetseite www.rarebooks-carelooks.de online.

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