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„Echte Gefühle” in der Halle Münsterland

Atze Schröder: Gute Laune, flache Gags und viel Selbstironie

Münster

Der Karriere-Höhepunkt von Atze Schröder dürfte längst überschritten sein. Und doch schafft es die Comedy-Kultfigur am Wochenende gleich an drei Abenden nacheinander die Halle Münsterland zu füllen und zufriedene Besucher in die Nacht zu entlassen.

Jonas Wiening

Foto: Jonas Wiening

Ein Atze Schröder ändert sich nicht. Schon seit Jahrzehnten gibt er den sympathischen Macho, den Essener Ruhrpott-Proll. So auch bei seinem aktuellen Programm „Echte Gefühle“. Für Schröder ist Münster oder besser gesagt das Münsterland ein Heimspiel. Immer wieder spielt der Lockenkopf auf die Region an, spricht von Ostbevern und Lengerich, dem Dorf Münsterland oder dem Bullenball.

Kein politischer oder gesellschaftskritischer Witz

„Intellektuell geht es heute Abend hoch - und wieder tief“, kündigte der Comedian zu Beginn seiner Show an. Das war eine Lüge, denn als intelligent lässt sich der Humor von Atze an diesem Abend wohl zu keiner Zeit bezeichnen. Doch das ist gar nicht weiter schlimm. Wer politischen oder gesellschaftskritischen Witz wolle, der wäre ja erst gar nicht gekommen, merkt der Künstler selbst ganz richtig an. Und so bewegen sich die Pointen nur knapp über der Gürtellinie.

Zum Totlachen ist es nicht gerade, wenn Atze sich über die Kinder von Boris Becker lustig macht - eher im Gegenteil. Doch Schröder und das Publikum haben gemeinsam Spaß. Der Comedian ist ohnehin ein geborener Entertainer, der es schafft mit den Zuschauern zu spielen, sie immer wieder einzubinden. Amüsant sind die Vergleiche, die Atze zieht. Helene Fischer sei „nuttig, aber mit Niveau, also wie die Herbertstraße, nur gefegt.“ Oder die Beschreibung einer hübscheren, etwas älteren Frau: „Wie Cartier-Adel mit Krügerrand.“ Ja ne, is klar?!

Tiefpunkt mit Wendler-"Witz"

Und auch die Witze über den Wendler („Ein Experiment des Fraunhofer-Instituts?“) und seine erst 19-jährige Freundin Laura kommen beim Publikum zunächst gut an. Doch dann wird es schlagartig still im Saal. Atze erzählt, dass Lauras Vater es wohl immer noch bereuen müsse, sie einst zu einer Autogrammstunde des Wendlers gefahren zu haben. „Der wird sich im Nachhinein auch gedacht haben: ‚Warum hab ich sie nicht direkt zu Bushido gebracht? Oder in eine Shisha-Bar?“ Wenige Tage nach den rassistisch motivierten Anschlägen auf zwei Shisha-Bars in Hanau, ist dieser „Witz“ - ob so gemeint oder nicht - einfach nicht witzig. Im Gegenteil! Kein Wunder, dass auch die Fans kurz verstummen.

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