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FH-Professoren im Interview zur „Earth Night“

Auch beim Licht sparsam sein

Münster

Ziel der „Earth Night“ am heutigen Dienstag ist es, möglichst viele Menschen wenigstens ein Mal im Jahr dazu zu bewegen, auf künstliches Licht zu verzichten. Warum das sinnvoll ist, erläutern zwei Experten der Fachhochschule Münster im Interview.

Prof. Dr. Thomas Jüstel (l.) und Prof. Dr. Ulrich Wittrock verzichten auf Beleuchtung im Garten. Foto: FH Münster/Katharina Kipp

Die „Earth Nigth“ am heutigen Dienstag (7. September) wirbt dafür, das Licht abzuschalten. Warum das nicht nur dem Klimaschutz dient, erklären Prof. Dr. Thomas Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen und Prof. Dr. Ulrich Wittrock vom Fachbereich Physikingenieurwesen der Fachhochschule Münster.

Prof. Jüstel, ist die Lichterkette auf dem Balkon ein Problem?

Jüstel: Das helle Licht zieht nachtaktive Fluginsekten magisch an – dafür sorgt vor allem der ultraviolette und blaue Teil des Lichtspektrums. Quecksilberdampflampen zum Beispiel strahlen bläulich-weiß und sind deshalb häufig tödliche Fallen für Insekten. Die Tiere verenden an der heißen Oberfläche elendig. Außerdem tragen Dekoleuchten auf dem Balkon oder im Garten zur Lichtverschmutzung bei, wenngleich natürlich nur im Kleinen.

Welche Folgen hat die Lichtverschmutzung für die Menschen?

Jüstel: Wir schlafen unruhiger. Eine komplett dunkle Nacht wäre besser für den Schlaf und somit auch gesünder. Außerdem kann viel künstliches Licht in der Nacht Stress verursachen und schlimmstenfalls sogar zu einem höheren Krebsrisiko führen. Und wer sich für Astronomie begeistert, hat noch ein weiteres Problem: Man sieht kaum noch Sterne. Denn Staubpartikel in der Luft und Wolken am Nachthimmel streuen das künstliche Licht von der Erde, wodurch ein kleiner Teil zurückreflektiert wird. Dadurch erscheint der Himmel gräulich, und die dunkleren Sterne werden überstrahlt. Unter sehr günstigen Bedingungen, wie zum Beispiel auf der Kanareninsel La Palma, sieht man rund 3000 Sterne am Himmel. Hierzulande sind es nur einige Hundert.

Was kann jede und jeder Einzelne tun, um einen Beitrag gegen die Lichtverschmutzung zu leisten?

Wittrock: Ganz einfach: Schalten Sie nachts das Licht aus! Wer auf die Beleuchtung im Garten oder auf dem Balkon nicht verzichten kann, sollte zumindest eine Zeitschaltuhr verwenden, damit es nachts dunkel bleibt. Eine stundenlange Beleuchtung, während der Mensch schläft, ist wirklich nicht notwendig. Daran ändert im Übrigen auch die Tatsache nichts, dass zunehmend LEDs verwendet werden. Sie sind zwar energiesparender und effizienter, aber genau deshalb setzt man mehr davon ein. Die Folge: noch mehr Licht in der Nacht. Das ist der sogenannte Rebound-Effekt. Aktionen wie die „Earth Night“ sind eine gute Sache, um Menschen zu sensibilisieren, sparsamer mit künstlichen Lichtquellen umzugehen.

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