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Cordula Hesselbarth zeigt „Auf|Lösung“ im neuen „Multiscale Imaging Centre“

Auf das Lebendige fixiert

Münster

Zellen sind lebendig. Das neue Forschungszentrum „Multiscale Imaging Centre“ (MIC) der Westfälischen Wilhelms-Universität will das sichtbar machen. Die Künstlerin Cordula Hesselbarth macht das mit Löchern anschaulich.

Von Gerhard H. Kock

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Leben bleibt ein Geheimnis. Das werden auch die Forscher des „Multiscale Imaging Centre“ (MIC) nicht lüften können. Aber die Wissenschaftler bleiben dem Geheimnis auf der Spur. Für das Themengebiet „Zelldynamik und Bildgebung“ baut der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW an der Röntgenstraße 16, in direkter Nachbarschaft zum Max-Planck-Institut, für rund 71 Millionen Euro ein zentrales Forschungsgebäude. Das soll im Winter bezugsfertig sein. Schon jetzt macht deren Forschungsfeld ein zwölf Meter hohes Kunstwerk anschaulich, das Cordula Hesselbarth gleichsam für die anschauliche Mitte des Hauses geschaffen hat.

Die Arbeit besteht aus einer zwölf Meter hohen Akustikwand, also einer Verkastung mit Schallschutzdämmung und einer Lochplatte, die plan mit den anschließenden Wänden abschließt. Aus der Platte erheben sich weiße Ronden wie Pilze verschiedener Größen und Längen bis zu 25 Zentimetern. Das komplexe Relief spielt mit den Grenzen von Wahrnehmung – hier der Unmöglichkeit, Totale und Detail auf einen Blick zu erfassen. Jede einzelne Bohrung ist unbestimmt, scheint je nach Abstand willkürlich, aber im Neben-, besser Miteinander ergeben die Löcher Strukturen, organisieren sich Muster.

Hesselbarth hat der Arbeit den Titel „Auf|Lösung“ gegeben. Das Wort spielt mit dem Forschungsthema: Es geht um die Auflösung lebendiger Materie und zugleich um die optische Auflösung, um Bildgebung. Die Forscher arbeiten mit ihren verschiedenen Skalen von ionisierter Strahlung (wie etwa bei der Röntgenstrahlung) bis hin zu hochauflösenden mikroskopischen Verfahren in molekularen Dimensionen. Die Forschenden entwickeln eine spezifische Methodik – die „multiskalige Bildgebung“ –, um die Informationen unterschiedlicher Untersuchungsverfahren zusammenzubringen. Hesselbarth macht die mit den Vertiefungen und Erhebungen anschaulich. So sind organische Strukturen des Lebendigen ebenso zu erkennen wie der Mensch. Denn die Ronden bilden bei rechtem Licht und rechtem Standpunkt betrachtet eine an­thro­pomorphe Figur. Der Betrachter erfasst zwei Welten auf einen Blick: die Zellen und den Organismus.

Je nachdem, welchen Standpunkt, Blickwinkel der Betrachter zum Kunstwerk einnimmt, verändert sich scheinbar das Objekt selbst. Zudem setzen Jahreszeit und Tageslicht veränderliche Akzente. Ein gleichsam lebendiges Kunstwerk. Hinzu kommt später noch künstliches Licht: Mittels Projektionen, die über zwei Beamer auf die Struktur geworfen werden, wird Bewegung in die Muster kommen. Daran arbeitet Hesselbarth derzeit: „Die Projektionen, passgenau auf die Figur, folgen einer Choreographie, vielleicht auch leicht farbig, so dass sich die Punkte bewegen, sich die Figur in Bewegung setzt.“ Schließlich sei das Besondere dieser Forscher, dass sie sich lebendige Zellen anschauen wollen. Die von der Künstlerin projizierten Bewegungsformen sollen daher jenes „Entstehen, Verschmelzen, Vergehen, Aufstäuben, Verballen“ veranschaulichen.

Prof. Cordula Hesselbarth hat an den Fachhochschulen Hamburg und Münster sowie an der Kunstakademie Münster studiert. Sie lehrt seit bald 20 Jahren Professorin an der Münster School of Design (MSD) der Fachhochschule.

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