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Schutzkonzept

Initiative will Schulkinder besser vor sexualisierter Gewalt schützen

Münster

Nicht erst seit Bekanntwerden des Missbrauchskomplexes Münster ist sexuelle Gewalt an Kindern ein Thema. Im vergangenen Schuljahr fand ein Pilotprojekt zur verbesserten Prävention an fünf Schulen statt. Und die Warteliste ist lang.

Von Dirk Anger

Haben sich zusammengetan, um Schulen in Münster beim Kampf gegen sexualisierte Gewalt Hilfestellung und Rat zu geben (v.l.): Florian Jung (Zartbitter), Ewa Bäumer (Kinderschutzbund), Susanne Egerding (DRK-Kinderschutzambulanz) und Carolin Ischinsky (Schulamt für die Stadt Münster) Foto: Dirk Anger

Im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern fällt den Schulen eine bedeutende Rolle zu. Doch vorbereitet sind Lehrer und Schulsozialarbeiter auf diese wichtige Aufgabe nur höchst unzureichend. Dieser Erkenntnis geschuldet, haben sich in Münster mehrere Institutionen zusammengeschlossen, um eine lokale Präventionsstrategie auf den Weg zu bringen. „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Auf dem Weg zu einem schulischen Schutzkonzept“ lautet die selbst gesetzte Vorgabe.

Ziel der Fortbildungsreihe ist es, den Schulen das nötige Rüstzeug zu geben, um sie zu einem sichereren Ort zu machen und dabei zu helfen, sexualisierte Gewalt gegen Kinder erkennen und entsprechend damit umgehen zu können. Jetzt ist das Pilotprojekt an fünf Grundschulen beendet worden. Doch die Warteliste interessierter Schulen, die sich auf einen entsprechenden Aufruf hin gemeldet haben, ist noch lang.

Bessere Vernetzung

Die Partner des Projekts – Schulaufsicht, mehrere Ämter der Stadt sowie der Kinderschutzbund, die DRK-Kinderschutzambulanz und die Beratungsstelle Zartbitter – ziehen jedenfalls eine positive Bilanz der ersten Runde. Die Schulen hätten die Ansprechpartner in Sachen Kinderschutz vor Ort kennengelernt, hob Schulamtsdirektorin Carolin Ischinsky den Vernetzungsgedanken hervor. „Es ist jetzt leichter, zum Hörer zu greifen“, ergänzte Ewa Bäumer vom Kinderschutzbund und sprach von einem „großen Schritt nach vorne“.

In der Vergangenheit seien Präventionsveranstaltungen eher auf Kinder zugeschnitten gewesen, das sei aus fachlicher Sicht nicht richtig, betonte Susanne Egerding von der DRK-Kinderschutzambulanz. Der Kampf gegen sexualisierte Gewalt sei zuvorderst Aufgabe der Erwachsenen und der Institutionen, hieß es übereinstimmend in der Runde.

Nur wenige Schulen haben Schutzkonzept

Die Fortbildungsreihe soll die Schulen in die Lage versetzen, mit Hilfe der Anregungen in einem Prozess ein eigenes, abgestimmtes Schutzkonzept zu entwickeln. Dieses hätten bundesweit bislang erst 15 Prozent aller Schulen, sagte Ewa Bäumer.

In Münster gibt es den Willen, allen Schulen der Stadt die Teilnahme an dem neu entwickelten Fortbildungsangebot zu ermöglichen. Das würde sich dann über acht Jahre hinziehen. Denn pro Jahr bestehen Kapazitäten für zwei Fortbildungsdurchgänge mit je fünf Schulen, heißt es. Dazu arbeitet die Schulverwaltung aktuell ein Förderprogramm aus, das den politischen Gremien der Stadt Münster im Herbst zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll, wie es heißt. Ein Angebot für alle Grund- und weiterführenden Schulen bräuchte laut Schulamtsdirektorin Ischinsky eine Fördersumme von insgesamt 28 800 Euro. „Das wäre ein starkes Signal.“

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