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Ostermarsch per Leeze

Auf zwei Rädern gegen Aufrüstung

Münster

Ostermärsche standen in den vergangenen Tagen in der Kritik – um es noch milde auszudrücken. Auch in Münster trat am Samstag der Gegensatz zwischen dem Hoffen auf Frieden und dem Umgang mit einer kriegführenden Macht zu Tage.

Von Björn Meyer

Als Fahrraddemonstration kam der Ostermarsch in Münster am Samstag daher. An unterschiedlichen Stationen, wie etwa auf dem Prinzipalmarkt, machte der Ostermarsch halt. Neben Reden gab es auch Musik für Teilnehmer und Umstehende zu hören. Foto: Björn Meyer

Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff bezeichnete die Teilnehmer der Ostermärsche jüngst in einem Beitrag in der Zeit als „fünfte Kolonne Putins“. Als der münsterische Ostermarsch am Samstagnachmittag gegen kurz nach 15 Uhr den Prinzipalmarkt erreicht – mit rund 200 Teilnehmern auf ihren Fahrrädern –, da macht es allerdings nicht den Eindruck, als würde hier eine feindlich gesinnte Macht in Münsters guter Stube Angst und Schrecken verbreiten. Abgesehen davon, ob man sich in diesen Zeiten nun hinter bedingungsloser Abrüstung oder zähneknirschend der Sichtweise, dass Putin und sein Krieg gegen die Ukraine nur mit Waffengewalt zu stoppen sind, versammelt, eines wird auf dem Prinzipalmarkt schnell deutlich: Der Ostermarsch verfehlt seine Wirkung nicht.

Hunderte Schaulustige bleiben stehen, als die Demonstrierenden klingelnd und Friedensfahnen schwenkend den Prinzipalmarkt erreichen. So schön das Bild auch ist, der Anlass dafür, dass das Thema Frieden in den Mittelpunkt einer republikweiten Diskussion rückt, ist bekanntlich ein erschütternder. In Europa wird wieder Krieg geführt. Die Bundesregierung unterstützt dabei nicht nur – gewisse – Sanktionen gegen den Aggressor Russland, sie unterstützt auch die angegriffene Ukraine – in einem gewissen Umfang – mit Geld und militärischem Material. Zudem hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigt, 100 Milliarden Euro in die Ertüchtigung der Bundeswehr stecken zu wollen.

Vom Schloss bis zur Stubengasse

Genau dieses Thema umtreibt viele der Redner, die an den Stationen des Ostermarsches zwischen Schloss, Deutsch-Niederländischem Corps, Prinzipalmarkt, Manfred-von-Richthofen-Kaserne und Stubengassenplatz zu Wort kommen. Grünen-Ratsherr Carsten Peters etwa, der als Vertreter des DGB-Stadtverbands (Deutscher Gewerkschaftsbund) fordert: „Der Sozialabbau muss verhindert werden.“ Die Logik dahinter: Wer 100 Milliarden in die Bundeswehr steckt, kann sie an anderer Stelle nicht ausgeben. Maria Salinas, Vorsitzende des Integrationsrates, lobt einerseits die Solidarität mit den ankommenden Ukrainern: „Hier wird das Unmögliche sofort möglich gemacht“, betont aber auch hinsichtlich Menschen anderer Nationen, dass „es keine Geflüchtete zweiter Klasse geben darf“.

„Hört auf, aus jungen Menschen Mörder zu machen“

Doch auch Salinas, die beim Anblick des sonnigen Prinzipalmarkts an den Gegensatz erinnert, mit welchen Bildern und Empfindungen die Menschen in der Ukraine derzeit zu leben hätten, beantwortet die wichtigste Frage dieser Tage nicht mit ihrem Aufruf: „Stoppt Putin, stoppt Waffenlieferungen und hört auf, aus jungen Menschen Mörder zu machen“. Wie begegnet man einem kriegführenden Land einerseits ohne Waffen und schafft es zudem, schnellstmöglich Frieden einkehren zu lassen? Dabei drehen sich genau darum beinahe sämtliche Wortbeiträge des Ostermarsches.

Russland zu isolieren, führe in die falsche Richtung, befindet etwa Renate Haake von der Friedenskooperative Münster als erste Rednerin noch vor dem Schloss. In Berlin hat man dieser Tage eine andere Sicht auf die Realität: Pazifismus sei im Moment „ein ferner Traum“, sagte Robert Habeck, grüner Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz den Zeitungen der Funke Mediengruppe im Bezug auf die Ostermärsche.

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