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Neujahrsempfang der Stadt Münster

Auftakt in stürmischen Zeiten

Münster

Stark politisch geprägt ist der Neujahrsempfang der Stadt Münster am Sonntag im historischen Rathaus. Der Krieg in der Ukraine und das Jubiläum zu 375 Jahre Westfälischer Friede bestimmen die Agenda.

Der Andrang beim Neujahrsempfang der Stadt Münster am Sonntagmorgen im Rathausfestsaal war groß. Rund 500 Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens und aus der Bürgerschaft wurden dazu erwartet. Ein kurzer Ohnmachtsanfall einer jungen Frau sorgte für einen Schreckmoment. Foto: Matthias Ahlke

Während kräftige Windböen am Sonntagmorgen um den Ratshausgiebel pfeifen, nimmt drinnen Hausherr Markus Lewe diese Vorlage auf: „Ein stürmisches Jahr steht uns ja offenbar bevor“, lautet mit Blick auf die politische Großwetterlage seine Prognose für die kommenden zwölf Monate.

Beim Neujahrsempfang der Stadt Münster mit rund 500 Gästen, der erstmals nach der Corona-Krise wieder im Rathausfestsaal stattfindet, dreht sich diesmal vieles um das Thema Frieden – was nicht allein am Vortrag der Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger und dem bevorstehenden 375. Jahrestag des Westfälischen Friedensschlusses liegt.

Gedanken über die Zeit nach dem Krieg

Angesichts von Krieg und großen gesellschaftlichen Herausforderungen spannt der Oberbürgermeister bei seiner Begrüßung einen weiten Bogen. Dankbar erinnert er an die Bilder, die vom vergangenen G7-Außenministertreffen aus Münster in die Welt gegangen sind. Und er erinnert an das Bekenntnis der Münsteranerinnen und Münsteraner, „Stadt des Friedens“ sein zu wollen. Zugleich verweist er in diesem Zusammenhang auf die Unterstützung aus Münster für die Menschen in der Ukraine.

Wie Frieden am Ende des Krieges dort aussehen werde, darüber müsse man sich schon jetzt Gedanken machen. Dabei seien auch die zivilgesellschaftlichen Kontakte wichtig, sagt Lewe. Er betont, dass es richtig gewesen sei, die Verbindung mit der russischen Partnerstadt Rjasan nicht gänzlich gekappt zu haben. „Es sind ja auch Menschen in Russland, die leiden.“ Das Leben sei seit dem 24. Februar 2022 ein anderes geworden, stellt Lewe mit Blick auf den Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine fest.

Wertschätzung für Westfälischen Frieden

Die Festrednerin des Neujahrsempfangs, Prof. Stollberg-Rilinger, ist seit 2018 Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin, zuvor war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster. Den Westfälischen Frieden bezeichnet sie in ihrem Vortrag als „Markstein auf dem Weg zu einem modernen völkerrechtlichen System souveräner Staaten“. Dabei sei es auch gelungen, Glaubensfragen in Rechtsfragen zu verwandeln.

Direkte Handlungsanweisungen will die Historikerin dem „beispiellosen Ereignis“ nicht entnehmen. Aber: „Historische Erkenntnisse erweitern den Vergleichshorizont.“ Deshalb sei die Übereinkunft über Verfahren, wie Konflikte geregelt und ohne Gewalt austragbar sind, elementar. Diese wertzuschätzen und sorgsam damit umzugehen, könne sogar in scheinbar aussichtslosen Fällen bei einer Lösung helfen, lautet ihr Appell.

Dank an Bundeswehr und Sicherheitskräfte

Überhaupt wirkt der Neujahrsempfang 2023 politischer als einige zuvor: Dankbarkeit und Respekt bringt Oberbürgermeister Lewe ausdrücklich den Soldaten der Bundeswehr und des Deutsch-Niederländischen Korps entgegen, ebenso den Sicherheitskräften, die nicht nur in der Silvesternacht für die öffentliche Sicherheit im Land einstehen.

Münster müsse mit anderen an der Spitze der klimafreundlichen Städte stehen, legt das Stadtoberhaupt die Messlatte hoch. „Ohne Klimawende gibt es kein gutes Morgen Münster.“ Jetzt gehe est darum, die finanziellen Grundlagen für die Zukunft einzusetzen.

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