Ärger in der DKV-Residenz Tibus

Beschäftigte fühlen sich unter Druck

Münster

Beschäftigte in der DKV-Residenz Tibus hadern mit ihren Arbeitsbedingungen. Langjährige Mitarbeiter sollen bereits gekündigt und das Haus verlassen haben, von Krankheitsfällen wird berichtet. Die Tibus-Leitung nimmt ihrer Meinung nach keine schlechte Stimmung innerhalb der Belegschaft wahr und schiebt die Unzufriedenheit auf Veränderungen.

Gabriele Hillmoth

In der DKV-Residenz Tibus soll es rumoren. Elf Mitarbeiter sollen gekündigt haben, sagen Beschäftigte. Die Residenzspitze meint, dass neue Anforderungen und ein Wechsel in der Leitung zu Veränderungen führten. Foto: Oliver Werner

Die DKV-Residenz Tibus galt über Jahrzehnte in Münster als das Domizil für ältere Menschen schlechthin. Mitten in der Stadt befindet sich die Einrichtung, deren Stern momentan an Strahlkraft zu verlieren scheint. Mitarbeiter sind mit der aktuellen Situation unzufrieden.

Die Tibus-Leitung mit Residenz-Direktor Frank Jansing und Geschäftsführer Carsten Bischoff ist anderer Meinung. Neue Anforderungen von außen und der Wechsel in der Leitung führten ihrer Meinung nach zu Veränderungen. „Und Veränderungen können Angst machen und wirken bedrohlich“, so Bischoff.

Beschäftigte kündigen

Beschäftigte der Einrichtung aber haben andere Erfahrungen gemacht. Kollegen sollen bereits gekündigt und das Haus verlassen haben. Alleine im stationären Bereich der gemeinnützigen Einrichtung hätten schon mehrere und vor allem langjährige Beschäftigte die Segel gestrichen, heißt es.

Von Krankheitsfällen ist die Rede. Wohnungen stünden leer. Außerdem, so heißt es aus Kreisen der Beschäftigten, wünsche die Geschäftsleitung, dass keine Bewohner mehr mit über 80 Jahren und keine mit Einschränkungen aufgenommen werden sollen.

Kriterien sollen passen

Was aber passiert mit den Menschen, die älter sind, sich schon lange für eine Wohnung oder einen Platz im stationären Bereich der Residenz interessieren und einen Einzug fest für ihren Lebensabend eingeplant haben? Mitarbeiter aus dem Tibus sprachen jetzt mit uns, möchten aber ihre Namen nicht nennen.

Frank Jansing betont, dass bei der Aufnahme von Bewohnern das Alter keine Rolle spielen würde. Jeder sei willkommen und müsse für sich entscheiden, ob das Servicewohnen das Richtige sei. Jedem werde ein Probewohnen angeboten, um am Ende gemeinsam zu überlegen, ob es der richtige Schritt sei.

„Wir sortieren niemanden aus, der fürs Service-Wohnen geeignet ist“, betont Jansing. Gut 100 Interessenten stünden demnach auf einer Liste. Sobald ein Appartement frei sei, werde geschaut, ob die Kriterien passten, denn es handelt sich um ein Service-Wohnen und nicht um ein betreutes Wohnen, so Jansing.

Personelle Situation

Mitarbeiter der Residenz berichten weiter über ihrer Meinung nach teilweise gravierende Engpässe in der Pflege durch fehlende examinierte Kräfte. „An gute Pflege ist nicht mehr zu denken“, sagen sie.

Diesem Vorwurf widerspricht die Leitung. Im Haus gebe es überdurchschnittlich viel Personal, sagt Carsten Bischoff. Allein in der Pflege im stationären Bereich seien drei Stellen über dem Soll vorhanden, in der Hauswirtschaft vier Stellen mehr, betont Residenz-Direktor Jansing. Er fügt hinzu, dass an der personellen Situation gearbeitet werde.

Als er gekommen sei, sei ein Azubi ausgebildet worden, inzwischen seien sechs im Haus tätig. Bischoff und Jansing berichten von einem Projekt mit einer Uni im Kosovo, „um auf Dauer gute Arbeitskräfte zu bekommen“. Dass im Monat bei ihm eine Kündigung eingehe, so Jansing, das empfindet er für ein solches Haus in der Größenordnung als normal. Aber sie hätten nie Stellen reduziert, fügt er hinzu.

Gesetzliche Anforderungen

Carsten Bischoff macht neue gesetzliche Anforderungen, die auf Einrichtungen wie das Tibus zugekommen seien, für den Unmut in der Belegschaft verantwortlich. Allein die Umstellung auf eine neue Dokumentation in der Pflege und die zunehmende Digitalisierung bedeute für die Beschäftigen eine Veränderung.

Insgesamt, vermutet der Geschäftsführer, hätten die Anforderungen von außen plus der Wechsel auf den Führungspositionen und der Verlust vertrauter Gesichter zur Verunsicherung beigetragen.

Wechsel der Leitung

Einen engen Zusammenhang mit den Veränderungen im Haus sehen die Mitarbeiter vor allem im Wechsel der Leitung. Seit Anfang des Jahres steht Frank Jansing als Residenz-Direktor alleine an der Spitze der Einrichtung, nachdem seine Vorgängerin in den Ruhestand gegangen war. Geschäftsführer der DKV-Residenz ist Carsten Bischoff, der auch für eine Residenz in Bremen verantwortlich ist.

Die Mitarbeiter verzeichnen seit Jahresbeginn, dass das Haus nach eigenen Angaben auf den Kopf gestellt werde. Ähnlich wie im Fall des Gertrudenstiftes in Greven (wir berichteten) sei dabei „die Seele herausgefallen“, betonen die Beschäftigten. Es gehe ihrer Meinung nach nur noch um Rendite und „nicht mehr um Menschenwürde“. Die Pflege käme zu kurz.

Arbeitslimit erreicht

Die Mitarbeiter haben nach eigenen Angaben ihr Arbeitslimit erreicht. Es werde in allen Bereich gespart – vor allem im personellen Bereich, was sich auch auf den Krankenstand in der Einrichtung auswirke. Dienste könnten nicht mehr abgedeckt werden, heißt es. Jansing hält dagegen, dass die Residenz eine gemeinnützige Einrichtung sei, die keine Gewinne machen dürfte.

Jedes Jahr würden ein paar Hunderttausend Euro in die Sanierung investiert. Demnächst sollen die Aufzüge modernisiert werden, eine neue Brandmeldeanlage sei wie auch sogenannte Herdwächter in den Wohnungen in­stalliert worden. Der Residenz-Direktor spricht von guten Rahmenbedingungen in der Pflege. Frank Jansing und Carsten Bischoff sind sich einig: „Wir nehmen keine schlechte Stimmung wahr.“

Vertraute Gesichter

Die Betriebsratsvorsitzende Marion Hofmann bestätigt eine hohe Arbeitsbelastung, die nur durch die Urlaubszeit entstanden und jetzt wieder abgebaut worden sei. Stellen seien nicht abgebaut worden. Sie könne nicht sagen, dass Bewohner schlecht gepflegt würden.

Als Bewohnerin fühle sie sich im Tibus „sauwohl“, so Marianne Schulze Zumühlen, stellvertretende Vorsitzende des Bewohnerbeirates, die aber auch betont, dass ältere Menschen Sicherheit und vertraute Gesichter um sich wollen, „da ist viel dran“. Treten Mängel auf, sei man bemüht, diese zeitnah abzubauen.

Die DKV-Residenz

Die DKV-Residenz am Tibusplatz wurde zwischen 1990 und 1993 von der Berliner Unternehmensgruppe Rentaco errichtet und bietet heute in sieben Häusern 300 Menschen Platz. 241 Wohnungen gehören zum Servicewohnen, 47 Plätze sind in der vollstationären Pflege vorhanden, außerdem ist im Haus auch ein ambulanter Pflegedienst angesiedelt. Die Residenz am Tibusplatz gehört wie eine weitere Residenz in Bremen als Tochterunternehmen zum Unternehmen der DKV Deutsche Krankenversicherung AG und damit zum Ergo-Konzern. 150 Mitarbeiter sind im Tibus tätig.

Startseite