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Uraufführung von Sabeth Dannenbergs „GAIA – Sane again?“ im Pumpenhaus

Besser auf die Pilze hören

Münster

Es gibt ein weltweites Netz, das nicht von Menschen betrieben und kommerziell ist: Das biologische Netzwerk der Pilze. Ihm widmet Sabeth Dannenberg ihre aktuelle Produktion.

Von Helmut Jasny

Kopfüber hängt Sabeth Dannenberg mitunter am Mast und erblickt von dort oben blühende Gärten und begrünte Dächer. Foto: Felix Heinze

Das World Wide Web unter der Erde erforscht Sabeth Dannenberg in ihrer neuen Physical-Theatre-Produktion „GAIA – Sane again?“ Gemeint ist aber nicht das Internet, sondern das biologische Netzwerk der Pilze, dem hier geradezu messianische Bedeutung zukommt. Zumindest dann, wenn man der Aufforderung der Performerin folgt und sie ins „Labor für utopische Imagination“ begleitet. Utopie, so ihre Argumentation, ist ein Nicht-Ort, also ein Möglichkeitsraum, der am besten durch Fantasie gefüllt werden kann. Und das macht sie in der einstündigen Aufführung mithilfe von Text, Tanz und Akrobatik am Chinesischen Mast. Am Freitag war Premiere im Pumpenhaus.

Gleich am Anfang wabert es auf der Bühne. Aus einem Stoffhaufen, der an achtlos hingeworfene Spitzengardinen erinnert, kämpft sich Dannenberg ans Licht und fordert einen Systemwechsel zur Rettung der Welt. Als blinde Seherin erklimmt sie dann ihren Mast. Oben hat sie einen kleinen Ausguck, der ihr wunderbare Visionen beschert. Blühende Gärten sieht sie, Permakulturen, begrünte Dächer und Autos, die sich allein mit der Kraft der Sonne bewegen.

Als Urheber dieser Vision kommen dann die Pilze ins Spiel – kleine, origamigefaltete Kunstwerke, mit denen Dannenberg die Bühne bestückt und denen sie heilende Kräfte zuordnet. Umweltschäden sollen sie reparieren, die Natur regenerieren und noch anderes mehr. Alles mithilfe ihres dezentralen unterirdischen Netzwerks. Das verkündet sie als eine Mischung aus Coach und Prediger, als Wunderheiler und Scharlatan, bevor sie wieder in ihre Spitzgardine schlüpft, in der sie jetzt, je nach Fantasie des Zuschauers, aussieht wie eine Barockfigurine oder eine indische Gottheit.

Es ist eine charmante kleine Utopie, die Dannenberg hier mit viel Witz und körperlichem Einsatz auf die Bühne bringt. Mal ernst, mal ironisch transportiert sie ihre Botschaft, die vielleicht eine solche gar nicht sein will, sondern nur ein Testlabor für das, was möglich oder denkbar ist. Und als sie am Ende beruhigende Töne singt, während das Publikum mit Händereiben und Fingerschnipsen Musik macht, weiß man, dass die Zukunft nicht so schlimm werden kann, wenn man nur besser auf die Pilze hört.

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