1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Bilanz der Wirtschaftsförderung: Engpass bei Grundstücken und Gebäuden immer deutlicher

  8. >

Mehr Jobs – weniger Reserven

Bilanz der Wirtschaftsförderung: Engpass bei Grundstücken und Gebäuden immer deutlicher

Münster

Keine Ausreißer nach oben, keine Ausreißer nach unten: Die Bilanz der Wirtschaftsförderung Münster für das Jahr 2018 fiel „durchschnittlich“ aus – und Geschäftsführer Dr. Thomas Robbers versuchte bei der Jahrespressekonferenz auch erst gar nicht, in die vielen Zahlen irgendetwas Besonderes hineinzuinterpretieren.

Klaus Baumeister

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Münster, Dr. Thomas Robbers (l.), und der Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Kersting zogen für 2018 eine zufriedene Bilanz, skizzierten bei einem Pressegespräch aber auch die Probleme der Zukunft. Foto: Oliver Werner

Da sich aber auch das Durchschnittsjahr 2018 auf einem sehr guten Niveau bewegte, sparte Robbers nicht mit mahnenden Worten: Der Mangel an Gewerbeflächen werde immer offensichtlicher, bei der Vermittlung von Büroimmobilien sei der Engpass bereits ein echtes Problem. „Bei höherer Verfügbarkeit könnte man in Münster auch mehr Objekte vermarkten.“

Das Jahr 2018 in Zahlen: Insgesamt verkaufte die Wirtschaftsförderung 19 Grundstücke mit einer Gesamtgröße von 10,6 Hektar. Das größte Grundstück ging dabei an die Maschinenbaufirma Schlatter, die vom Dahlweg zum Hessenweg umziehen möchte. Darüber hinaus vermittelte das städtische Tochterunternehmen insgesamt 68 Immobilien mit einer Gesamtgröße von 13.400 Quadratmetern.

Kontinuierlicher Wachstumskurs

Die Zahl der Arbeitsplätze, die von den Aktivitäten der Wirtschaftsförderung berührt waren, lag bei 1306. Zum Vergleich: Der Zehn-Jahres-Durchschnitt liegt bei 1308. Eine positive Bilanz zog Geschäftsführer Robbers bei den eingeworbenen Fördergeldern (Mikrodarlehn, Gründerstipendien, Bildungsschecks und mehr) für münsterische Unternehmen. Mit 600.000 Euro lag die Summe klar über dem Wert der Jahre 2015 bis 2017, zugleich aber auch unter dem Niveau der Jahre 2009 bis 2014.

Foto: Grafik: Jürgen Christ

Bemerkenswert ist laut Wirtschaftsförderung für die Lage in Münster, dass sich viele Unternehmen auf einem unspektakulären, aber kontinuierlichen Wachstumskurs befinden. In der Zehn-Jahres-Bilanz beispielsweise ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Münster um 31.800 auf einen neuerlichen Spitzenwert von 169.000 gestiegen. Da der Arbeitsmarkt noch schneller als die Bevölkerung wachse, geht Robbers auch von wachsenden Pendlerströmen in Münster aus.

Gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Wirtschaftsförderung, Mathias Kersting (SPD), äußerte der Geschäftsführer die Überzeugung, dass Münster dringend neue Gewerbeflächen ausweisen muss. Aktuell in der Pipeline sind unter anderem eine Erweiterung des Industriegebietes Hessenweg, eine neue Fläche am Heumannsweg und der Stadthafen II.

Kommentar: Sackgasse in Sicht

Die klassische Aufgabe einer Wirtschaftsförderung besteht darin, neue Unternehmen in Münster anzusiedeln und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen. Für das Jahr 2018 schlagen hier 15 neue Unternehmen mit 59 Arbeitsplätzen zu Buche.

Insgesamt aber stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Münster um 3989. Das heißt: 98,5 Prozent des Wachstums bei den Arbeitsplätzen geht auf bestehende Unternehmen und Institutionen zurück und „nur“ 1,5 Prozent auf die viel gepriesenen Neuen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Eine prosperierende Stadt braucht immer wieder neue Impulse von außen, die entscheidenden Wachstumsimpulse indes kommen aus dem Bestand. Umso bedrohlicher ist die von der Wirtschaftsförderung prognostizierte Flächen- und Immobilienknappheit in Münster, verbunden mit den bekannten Problemen am Wohnungsmarkt und auf den Straßen.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis am Markt erfolgreiche münsterische Unternehmen expandieren könnten, aber die Finger davon lassen, weil Gewerbeflächen fehlen und Mitarbeiter keine Wohnung finden oder auf dem Weg zur Arbeit im Stau stecken bleiben.

Die Stadt Münster muss ihre Hausaufgaben erledigen. Sonst endet der Lauf, den Münsters Wirtschaft gerade hat, in der Sackgasse. Von Klaus Baumeister

Startseite
ANZEIGE