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„Musenstaub & Musenkuss“ als mobile Oper für Grundschulen

Bildungshuberei ohne Action

Münster

In der Corona-Zeit gehen Schulklassen selten ins Theater. Darum kommt jetzt das Theater in die Grundschulen. Gleich mit einer Oper für die Jüngsten ab der ersten Klasse. Ob das gut geht?

Von Arndt Zinkant

Kathrin Filip spielt die Musengöttin Thalia in der mobilen Oper, am Klavier agiert Matthias Maier. Die Premiere fand in der Primusschule in berg Fidel statt. Foto: zin

Die Muse ist völlig durch den Wind. Denn sie wird von den „Lampensaugern“ verfolgt, welche nicht nur das im Theater höchst gefährliche Lampenfieber übertragen, sondern auch durch einen einzigen Stich die Theatermuse Thalia zu Stein verwandeln können. Dabei ist Thalia doch dafür zuständig, Musenküsse zu verteilen und für jenen Applaus zu sorgen, welcher Lebenselixier aller Bühnenkünstler ist. Gottvater Zeus, hilf!

Ziemlich staubiger antiker Stoff für Erstklässler, möchte man meinen. Die Schüler aus den Klassen eins bis drei, die sich im Musizierzimmer der Primus-Schule in Berg Fidel versammelt hatte, hielten verblüffend aufmerksam aus. Bis zum Schlussapplaus, den Kathrin Filip in der Rolle der Musengöttin strahlend entgegennahm. Ihr Lächeln war durchaus gerechtfertigt – denn das Stück war für staunende Kinderaugen und -ohren schlichtweg ungeeignet. Wo Humor und Action die kleinen Zuschauer hätten verzaubern sollen, wurden sie von einer Lawine aus Bildungshuberei und 45-minütigem Operngesang überrollt.

Mitreißende Performance

Schade um die mitreißende Performance von Kathrin Filip und die rauschende Klavierbegleitung von Matthias Maier. Die Musik von Andres Reukauf hatte zwar Qualität, verströmte aber insgesamt zu viel Opern-Pathos (Lohengrin-Zitat inklusive!), während das Libretto von Juana Inés Cano Restrepo einfach keine kindgerechten Texte zuwege brachte („Der Musenstaub durchströmt meine Adern!“).

Das Junge Theater Münster hat in Kooperation mit dem Musiktheater diese „mobile“ Mono-Oper für Grundschulen entwickelt. Zwar ist es verdienstvoll, als mobiles Theater die Kultur in Corona-Zeiten in die Schulen zu tragen. Es sollte dann aber Theater sein, das den Kindern – also den Abonnenten in spe – Lust auf mehr macht. Dann hätte die Musengöttin wirklich allen Grund zum Lachen.

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