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Mit Falknern auf Krähenjagd

Blitzschnell auf die Beute

Münster

Die Falknerei ist eine Jahrtausende alte Tradition. In Münster haben am Wochenende Falkner mit Greifvögeln Krähen vergrämt. Doch die schlauen, schwarzen Vögel sind gar nicht so leicht zu erwischen.

Pjer Biederstädt

Falkner Thomas Kühn nimmt seinen Amerikanischen Wüstenbussard nach erfolgreicher Jagd wieder auf den Handschuh. Foto: Pjer Biederstädt

In Sekundenbruchteilen fixieren die orange-schwarzen Augen einen Punkt in der Ferne. Plötzlich stürzt der Habicht blitzschnell von der Faust, auf der er sitzt, aus dem fahrenden Auto nach draußen. Mit 90 Kilometern pro Stunde jagt der Greifvogel durch die Luft. Sein Ziel: eine Krähe. Doch diesmal hat der schlaue schwarze Vogel aufgepasst. Habicht-Weibchen Gabi geht vorerst leer aus.

Eine halbe Stunde zuvor: Mit einem „Weidmannsheil“ begrüßen sich die fünf Falkner, einige Jäger und ihre Familien am Samstagmorgen auf dem Hof Schulze Buschhoff. Dort, in der Körberheide, hat die Kreisjägerschaft Münster zu einer Krähenbeize eingeladen. „Das ist die Jagd mit einem ausgebildeten Greifvogel auf Krähen“, erklärt Philip Schulze Buschhoff, Gastgeber und Vorsitzender der münsterischen Kreisjägerschaft. Er lädt die Weidmänner, die auch aus Herford, dem Sauerland und dem Westerwald angereist sind, vor dem Aufbruch ins 1800 Hektar große Jagdrevier zu einem Frühstück ein.

So bleibt noch etwas Zeit für Geselligkeit. Die nutzt Ralf Karthäuser, um zu erzählen, dass es in Deutschland etwa 1000 aktive Falkner gebe. Der Münsteraner ist Bundesvorsitzender des Ordens deutscher Falkionäre und kommt auch mit seinen Vögeln zum Einsatz, wenn in Münster, etwa auf der Promenade, Krähen oder Tauben verscheucht werden sollen. „Im Stadtgebiet soll schließlich auf Schusswaffen verzichtet werden.“

Dann wird es ernst. Dirk Rabbermann, Falkner und Landwirt aus Vlotho, zieht sich den dicken Lederhandschuh über und holt Gabi, die achtjährige Habichtsdame, aus der Transportbox. Stechender Blick, spitzer Schnabel, scharfe Krallen. Krähe möchte man heute nicht sein.

Gejagt wird aus dem Auto heraus. „Die Krähen sind schlau. Nur mit dem Überraschungseffekt können wir erfolgreich sein“, sagt Lambert Focke, Sprecher der Kreisjägerschaft Münster. Während der Fahrt unter grauem Himmel entlang der Felder erzählt er, dass man mit den Greifvögeln zwar auch Hasen, Kaninchen oder Fasane jagen könne. Dass jetzt aber Krähen das Ziel sind, habe seinen Grund: Überpopulation.

„Einige Tiere profitieren von dem vom Menschen veränderten Ökosystem, zum Beispiel die Krähe. Andere nicht. Die Niederwildbesätze sind zuletzt deutlich zurückgegangen“, erklärt Focke. Und weil Krähen es neben Junghasen auch auf Eier-Gelege anderer Vögel abgesehen haben, sollen diese nun verscheucht, oder wie der Fachmann sagt, vergrämt werden.

Unumstritten ist die Falknerei nicht bei jedem. Tierschutzorganisationen wie Peta oder Animal Rights Watch prangern die Abrichtung und Haltung der Tiere als nicht artgerecht an. Falkner Thomas Kühn widerspricht dem. Ein Beispiel: Die Greifvögel bekämen hin und wieder eine Haube, die die Augen verdeckt, aufgesetzt. Was Kritiker als Raub von Reizen interpretieren, sei für die Tiere aber Schutz vor Stress, so Kühn. Außerdem seien die geltenden Richtlinien – ob bei der Falkner-Ausbildung oder der Haltung der Vögel – strikt. Die Gesetze würden genau eingehalten. Große Volieren, möglichst viel Freiflug, gute Versorgung – das Wohl der Vögel liege ihm am Herzen,

Zurück ins Revier: Plötzlich stürzt sich Kühns Amerikanischer Wüstenbussard aus dem ersten Auto des Jäger-Konvois. Am Wegesrand hat der Greifvogel eine Krähe entdeckt. Und diesmal hat sie keine Chance. Thomas Kühn eilt zu seinem Vogel, der sein Gefieder zum Schutz über seine Beute ausbreitet. Denn er hat gesehen, dass die Krähe krank ist. Um eine Ansteckung zu verhindern, nimmt er dem Bussard die Beute aus den Fängen. Später, so Kühn, gebe es eine Belohnung für die Vögel.

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