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Feuer auf Mallorca

Zwei Touristen sollen für Entlastung der Kegelbrüder aus Münster sorgen

Münster

Ende Mai wurden nach einem Brand in einer Bar 13 Kegelbrüder aus Münster und Umgebung auf Mallorca festgenommen. Nach Wochen in Untersuchungshaft sind sie mittlerweile zurück in Münster. Auch eine Wende in dem Fall scheint nun denkbar. 

Von Ralf Repöhler, Anna Spliethoff, Thomas Schubert, Stefan Werding, Gunnar Pier, Jürgen Grimmelt, Jonas Wiening und dpa

Die auf Mallorca festgenommenen Kegelbrüder wurden nach ihrer Rückkehr am Flughafen Münster-Osnabrück von Freunden und Familien empfangen. Foto: Helmut P. Etzkorn

Knapp acht Wochen saßen die Kegelbrüder aus Münster und Umgebung auf Mallorca in Untersuchungshaft. Seit vergangenem Samstag (16. Juli) sind die letzten acht der anfangs 13 verhafteten Männer wieder zurück in Münster. Doch obwohl die Kegelclub-Mitglieder das Gefängnis gegen die Zahlung einer Kaution verlassen durften, laufen die Ermittlungen gegen zwölf der 13 Männer weiter. Einer konnte bereits seine Unschuld beweisen.

Nun könnte es zur Wende in dem Fall kommen. Wie die "Bild" berichtet, will die Staatsanwalt in Palma de Mallorca zwei deutsche Touristen vernehmen. Sie sollen sich zu dem Zeitpunkt, als der Brand ausbrach, im selben Hotel aufgehalten haben wie die Kegelbrüder. Bei einem der beiden Touristen handelt es sich um den Mann, der auf einem inzwischen bekannten Foto zu sehen ist. Er ist darauf – vermutlich mit einer Zigarette in der Hand – auf dem benachbarten Balkon zu sehen. 

Hoffnung auf neue Erkenntnisse zum Brand

Bereits im Mai hatten die Verteidiger nach Informationen der „ Bild“ beantragt, die beiden Männer zu vernehmen. Die Verteidiger erhoffen sich von der Vernehmung neue Erkenntnisse zu dem Brand.

Ende vergangener Woche hatten die Verteidiger gegenüber der „Mallorca Zeitung“ geäußert, dass sie von einem Prozess gegen die deutschen Kegelclub-Mitglieder ausgehen. Den Männern wird vorgeworfen, bei einer privaten Party auf den Balkonen ihrer Hotelzimmer brennende Zigarettenkippen und Alkohol auf das Terrassendach einer Gaststätte in der Nähe des Ballermanns geworfen zu haben.

Prozess gegen Kegelbrüder gilt als wahrscheinlich

Bis zu dem Beginn eines Prozesses könnten allerdings Jahre vergehen. Das bestätigte Anwältin Maria Barbancho Saborit am Freitag (22. Juli) gegenüber der „Mallorca Zeitung“. Einer Hauptverhandlung sei eine einjährige Ermittlungsphase vorgeschaltet, die zudem noch zwei Mal um jeweils sechs Monate verlängert werden kann. In dieser Zeit können nach Angaben Barbanchos weitere Beweisanträge gestellt werden.

Die Verteidiger wollen nach Informationen der „Mallorca Zeitung“ zudem in Deutschland zwei weitere Hotelgäste befragen, die sich kurz vor dem Brand ebenfalls auf den Hotelbalkonen aufgehalten haben sollen. Hinweise darauf geben demnach ein Handybild sowie ein Video. Außerdem soll ein unabhängiges Gutachten die genaue Brandursache klären. Ein Gutachten der spanischen Polizei „Guardia Civil“ hatte die Kegelbrüder aus Münster und Umgebung zuvor schwer belastet.

Gefängnis gegen Kaution von je 12.000 Euro verlassen

Nach acht Wochen Untersuchungshaft auf Mallorca sind die acht Kegelbrüder aus Münster und Umgebung am vergangenen Samstag (16. Juli) morgens um 9 Uhr am Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) gelandet. Die jungen Männer wurden am Flughafen von ihren Familien und Freunden begrüßt. Sie durften das Gefängnis von Palma de Mallorca einen Tag zuvor gegen eine Kaution von jeweils 12.000 Euro verlassen. Vier der ursprünglich 13 inhaftierten Kegelbrüder haben das Gefängnis nach Kautionszahlungen bereits vor Wochen schon verlassen, ein weiterer konnte seine Unschuld beweisen.

Die Mitglieder eines Kegelclubs aus Albachten und Roxel waren nach der Entscheidung des Ermittlungsgerichts in der Nacht zu Samstag (16. Juli) freigelassen worden und durften damit wieder nach Hause. Die ersten konnten gegen 23 Uhr das Gefängnis von Palma de Mallorca verlassen, wie Anwältin Maria Barbancho Saborit am späten Abend gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Die Formalien zogen sich hin, sodass die letzten der acht Kegelbrüder erst um kurz vor Mitternacht wieder auf freiem Fuß waren.

Die Nacht verbrachten die Kegelbrüder laut Informationen unserer Zeitung im Gemeindehaus der „deutschsprachigen“ evangelischen Gemeinde von Palma de Mallorca. Von dort aus nahmen sie dann den ersten Flieger Richtung Münster.

Anhörungstermin vor dem Landgericht

Ursprünglich war für den 19. Juli (Dienstag) ein Anhörungstermin vor der nächsthöheren Instanz, dem Landgericht in Palma, angesetzt. Anwältin Maria Barbancho Saborit hatte unter anderem aufgrund neuer Fotobeweise jedoch gegenüber unserer Zeitung die Hoffnung geäußert, dass die jungen Männer bereits vorher entlassen werden. Der zuständige Ermittlungsrichter war allerdings in Urlaub und wurde von einer Richterin vertreten. Deshalb war zunächst fraglich, ob sie vor dessen Rückkehr eine Entscheidung trifft und die Münsteraner unter Auflagen freikommen. Doch am Freitag (15. Juli) ging alles doch ganz schnell: Nach der Kautionszahlung von je 12.000 Euro sind die Kegelbrüder – zumindest vorerst und unter Auflagen – frei.

Vor allem ein Foto macht den Mitgliedern des Kegelclubs sowie den Anwälten im weiteren Verfahren Hoffnung. Das Bild zeigt einen Mann, der sich über ein Geländer lehnt und eine Zigarette in seiner Hand halten könnte. Wie die Mallorca-Zeitung berichtet, haben die Anwälte der Verdächtigen das Handyfoto dem Amtsrichter vorgelegt. Sie wollen so zeigen, dass die der Brandstiftung an der Playa de Palma beschuldigten jungen Männer unschuldig sind.

Der Unbekannte im Hintergrund soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge direkt über dem in Brand geratenen Schilfdach gelegenen Hotelbalkon stehen. Er gehört nicht zu der Reisegruppe aus dem Münsterland. Zwei Mitreisende sind im Vordergrund zu sehen.

Foto wurde kurz vor dem Brand aufgenommen

Gemacht hat das Foto laut Mallorca-Zeitung ein dritter Kegelbruder um 14.49 Uhr am 20. Mai 2022. Das war kurz vor dem Ausbruch des Brandes. Allerdings soll einem Polizisten zufolge das Hotelzimmer, auf dessen Balkon der Mann steht, zu diesem Zeitpunkt leer gestanden haben. Die beiden Männer, die dieses Zimmer belegt hatten, sollen demnach kurz zuvor ausgecheckt haben.

Dem widersprechen die Anwälte der Münsterländer. Ein Computer habe erfasst, dass jemand die Zimmerkarten des Hotels benutzt habe, meldet die Mallorca-Zeitung. Jemand habe das Zimmer um 14.47 geöffnet. Das war zunächst nicht klar, weil die Zeiterfassung der Zimmerkarten eine Stunde vorgestellt gewesen sei.

Polizei-Gutachten belastet Kegelbrüder

Zuvor hatte ein Brandgutachten der spanischen Polizei „Guardia Civil“ die acht Inhaftierten schwer belastet. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll der Brand „wahr­scheinlich durch den Wurf eines brennbaren, zuvor entzündeten Elements, wie es eine Zigarette oder Ähnliches sein kann“, ausgelöst worden sein.

Steckdosen schließt der Bericht als mögliche Brandursache aus. Die Krümmung und Oxidation der Dachkonstruktion weise vielmehr darauf hin, dass eine „externe Entzündungsquelle“ auf das Schilf-Dach im Außenbereich der Bar „Why not“ gefallen sei. An diesem Schilf-Dach soll sich das Feuer am 20. Mai entzündet haben.

Richter fürchtete "maximale Fluchtgefahr"

Der Vorwurf der Brandstiftung richtet sich nicht gegen eine einzelne Person. „Die individuelle Verantwortung jedes einzelnen der Beschuldigten kann nicht bestimmt werden, da keine Indizien gefunden wurden, die einem von ihnen zuzurechnen wären“, heißt es in dem Gutachten laut „Bild“.

Dass die Familien eine Solidarhaftung in Höhe von 500.000 Euro bar an die zuständige Gerichtskasse gezahlt haben, hatte zunächst nichts an der Meinung des Richters geändert, dass die Männer in Untersuchungshaft bleiben müssen. Er habe eine „maximale Fluchtgefahr“ gesehen, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten.

Angehörige zahlen 500.000 Euro für Kegelbrüder

Berichten zufolge hatten die Angehörigen der inhaftierten Kegelbrüder Anfang Juli eine halbe Million Euro an die spanische Justiz gezahlt. Die spanische Justiz hatte diese Summe nach Angaben verschiedener Medien als sogenannte Solidarhaftung für die entstandenen Schäden gefordert. Davon hatten sich Angehörige und Anwälte der Männer die Freilassung der acht Kegelbrüder erhofft, die aber erst jetzt nach der Zahlung der Kautionen erfolgt ist.

Erst am 1. Juli hatten die Anwälte der Inhaftierten ihre Strategie geändert. Nachdem der Ermittlungsrichter ihre Anträge auf Freilassung der Männer abgewiesen hatte, haben die Anwälte Berufung beim Landgericht auf Palma de Mallorca eingelegt. Das hat die "Mallorca Zeitung" berichtet.

Die Vorwürfe gegen die Kegelbrüder

Nach Informationen der „Mallorca Zeitung“ waren die Männer am 20. Mai (Freitag) zu einem Wochenendtrip in dem Hotel an der Playa de Palma angekommen. Doch statt im Hotel haben die Kegelbrüder die erste Nacht auf der Polizeiwache und die zweite Nacht in Untersuchungshaft verbracht.

Die Kegelbrüder im Alter von 24 bis 29 Jahren werden von den spanischen Behörden beschuldigt, bei einer privaten Party auf den Balkonen der Hotel-Zimmer brennende Zigarettenkippen und Alkohol auf das Terrassendach einer Gaststätte geworfen zu haben. Das Schilfdach brannte und beschädigte zwei Lokale, eine Wohnung und das Hotel. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Die Urlaubergruppe, die in einem Hotel im Vergnügungsviertel El Arenal untergebracht war, war aufgrund von Zeugenaussagen nach dem Brand festgenommen worden. Die jungen Leute bestreiten, das Feuer gelegt zu haben.

Kegelbrüder "beteuern ihre Unschuld"

„Sie beteuern alle nach wie vor ihre Unschuld“, sagte Pfarrer Holmfried Braun von der evangelischen Gemeinde auf Mallorca. Zusammen mit seinem Team und dem Kollegen der katholischen Gemeinde besuchte er die jungen Männer aus Münster und Umgebung Mitte Juni.

„Es war ein intensives Gespräch, bei dem zum ersten Mal alle acht Insassen sich in einem Raum trafen und gemeinsam austauschen konnten“, erzählt Braun. „Sie schilderten, dass sie kurz vor dem Brand essen waren und sich zum Ausgehen fertig machten“, sagt Pfarrer Braun. Er selbst habe Fotos von zwei Kegelbrüdern auf dem Balkon kurz vor dem Ausbruch des Feuers gesehen. „Da war nichts von wilder Party zu erkennen“, so Braun. Als das Feuer ausbrach, hätten sie „aus dem Inneren heraus geholfen“ – wie Feuerwehrleute eben: Sie hätten geholfen, das ­Hotel zu räumen, darauf geachtet, dass kein Auto mehr in die Straße einbiegt.“

Die Frage, die im Gespräch mit Pfarrer Holmfried Braun immer wieder auftauchte und doch nicht beantwortet werden kann: „Wie konnte uns das passieren? Wir ­wollten doch nur Urlaub ­machen.“

Zeugenaussagen und Hoffnungen durch Videomaterial

Eine Zeugin soll die Männer laut der „Mallorca Zeitung“ vor dem Untersuchungsrichter von Beginn an belastet haben. Hoffnungen hatte den Männern und den Angehörigen jedoch ein Anwalt bereits in der letzten Mai-Woche mit angeblichem Videomaterial gemacht, das die Münsterländer entlasten soll.

Es soll nach Medienberichten zu sehen sein, wie zwei andere Männer, die nicht zur Gruppe gehören, direkt an der Bar kurz vor Ausbruch des Feuers stehen. Der Anwalt beruft sich bei den Indizien, die die Unschuld beweisen sollen, zudem auf Whatsapp-Text- und Sprachverläufe. Demnach hätten die jungen Männer andere Gäste gewarnt, heißt es.

Bilder zeigen Festnahme der Männer

Zahlreiche Medien zeigten Ende Mai Bilder von der Festnahme der Männer in Palma. Andere Quellen berichten, einige der Kegelbrüder hätten zunächst gedacht, sie sollten als Zeugen vernommen werden, als die Polizei sie mitnahm. Nach dem Brand in unmittelbarer Nähe sei bei der Gruppe zwei Mal ein Kohlenmonoxid-Test durchgeführt worden. Die Touristen sollen nach Medienberichten zunächst ebenfalls als Opfer gegolten haben und seien auf Rauchvergiftung untersucht worden.

Angehörige besuchten Inhaftierte auf Mallorca

Alle Kegelbrüder erhielten während ihrer Zeit in Untersuchungshaft Besuche von Angehörigen und ihren Freundinnen. Doch auch für die Angehörigen war die Situation schwierig. Deshalb bekamen sie in Münster psychologische Hilfe vom Psychosozialen Unterstützungsteam (PSU) der münsterischen Feuerwehr. Das Team sollte die Angehörigen dabei unterstützen, mit der belastenden Situation umzugehen.

Die ersten Kegelbrüder sind zurück in Münster

Die ersten fünf aus der Untersuchungshaft in Mallorca entlassenen deutschen Touristen sind bereits seit Anfang Juni zurück in Münster und Umgebung. „Sie berichten, dass sie in der U-Haft gut behandelt wurden und sich gegenseitig unheimlich gestärkt haben“, heißt es aus ihrem Umfeld.

Die Männer durfte gegen eine Kautionszahlung von 12.000 Euro das Gefängnis verlassen. Einer ist ohne Auflagen aus dem Gefängnis gekommen, weil er offenbar nachweisen konnte, dass er im Hotel unter der Dusche gestanden habe, als das Feuer ausgebrochen war.

Auch Feuerwehrleute unter Kegelclub-Mitgliedern

Einige der Kegelbrüder sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. „Nach unseren noch ungesicherten Erkenntnissen gehörten zu der Kegelclub-Reisegruppe auch fünf Mitglieder des Löschzuges Albachten sowie ein Mitglied des Löschzuges Roxel der Freiwilligen Feuerwehr“, sagte Martin Fallbrock aus der Leitung der Berufsfeuerwehr Münster, wenige Tage nach der Festnahme in einer städtischen Pressemitteilung.

Der Vorsitzende des für die Feuerwehr zuständigen Ratsausschusses der Stadt Münster, Stefan Leschniok, warnt vor einer Vorverurteilung. Leschniok sagte, er habe volles Vertrauen in die Arbeit der spanischen Behörden. Sollte sich der Verdacht gegen die jungen Männer bestätigen, hätte das auch Folgen für ihre ehrenamtliche Feuerwehrtätigkeit.

„Über mögliche Konsequenzen für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr muss zum richtigen Zeitpunkt gesprochen werden, zunächst müssen wir die Ermittlungen der spanischen Behörden abwarten“, sagte wenige Tage nach der Festnahme Wolfgang Heuer, Ordnungsdezernent der Stadt. Auch ein städtischer Verwaltungsmitarbeiter soll unter den Kegelclub-Mitgliedern sein.

Reiseabschluss war in Albachten geplant

In Albachten machten die Vorgänge auf der Balearen-Insel natürlich die Runde. „Alles ehrbare Burschen, nicht sozial auffällig“, beschreibt ein Albachtener, der namentlich nicht genannt werden will, die Männer.

Eine Bekannte sagt, dass die Männer eigentlich Nichtraucher seien. Der Wirt des Stammlokals in Münster-Albachten schweigt. Der Kegelclub hatte bei ihm ein Abschlussessen am Ende des Malle-Trips bestellt. „Mit allem Drum und Dran.“

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