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Neues Heimatschutzregiment

Szenen wie im Krieg: Übung der Reservisten

Münster

Falls der Ernstfall droht, will die Bundeswehr besser aufgestellt sein. Dafür wird auch auf Reservisten gesetzt. Ein neues Heimatschutzregiment hat sich nun in Münster angesiedelt.

Von Jonas Wiening

Bei dem Training „Agiles Ross“ stand auch eine ABC-Übung mit Schutzmasken auf dem Programm. Foto: Oliver Werner

Ein dumpfes Stapfen, Vogelgezwitscher, die Sonne strahlt durch die Baumkronen. 16 Männer in Bundeswehr-Uniform, die Waffe in der Hand, durchforsten den Waldrand. Plötzlich ein Kommando: „Feindbeschuss aus dem Wald!“ Aufruhr. Ein Soldat wurde getroffen, die Kameraden liegen in Deckung, erwidern das Feuer. Was aussieht und sich anhört wie eine Szene in einem Krieg, ist in Wahrheit eine Übung. Eine Übung des neuen „Heimatschutzregiments 2“ in der Lützow-Kaserne in Münster-Handorf.

Die russische Annexion der ukrainischen Krim im Jahr 2014 ließ die Politik aufhorchen. „Seitdem gab es Überlegungen, die Verbandsstruktur der Reservisten und deren Anzahl wieder zu stärken,“ sagt Oberst Detlev-Konrad Adelmann. Von einer sechsstelligen Anzahl in den 70er- und 80er Jahren über 75 000 im Jahr 1992 bis auf heute 1500 Personen ist die Anzahl der Reservisten in der Bundesrepublik gesunken. Dieser Entwicklung soll nun entschieden entgegen gewirkt werden.

Russischer Einmarsch in die Ukraine als "Boost"

„Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat diesen Überlegungen natürlich noch einmal einen Boost verpasst“, sagt Oberst Adelmann, der Chef des Stabes und Reservisten-Beauftragter ist. Unter anderem eben mit dem neuen Heimatschutzregiment, das seinen Standort in Münster bekommen hat, soll dieses Ziel nun angegangen werden. Nachdem bereits im Februar ein Aufstellungsstab die Arbeit aufnahm, werden – seit Anfang letzter Woche – jetzt erstmals die neuen Reservisten ausgebildet. „Reservisten, die sonst ganz normalen Berufen nachgehen. Vom Gärtner über den Beamten bis hin zum Chemiker haben wir fast alle Berufsgruppen vertreten“, sagt Brigadegeneral Dieter Meyerhoff, Kommandeur des Landeskommandos NRW.

Die proben nun für den Ernstfall. In Gruppen von etwa 15 bis 20 Männern werden zwei Wochen lang unter dem Übungsnamen „Agiles Ross“ Grundlagen der militärischen Ausbildung vermittelt. In der vergangenen Woche wurde den Reservisten die Befehlsgebung und der gesamte militärische Führungsprozess nahe gebracht. In dieser Woche ließen die Freiwilligen die Theorie hinter sich. Es ging an die Praxis. Es werden unter anderem sogenannte ABC-Übungen durchgeführt. Die Reservisten, die sich als Hauptfeldwebel bezeichnen, lernen dabei, auf atomare, biologische oder chemische Gefahren richtig zu reagieren.

Außerdem werden in der Lützow-Kaserne Sanitäts-, Trage- und Bergungsübungen durchgeführt, sowie die Simulation einer Gefechtssituation. Aber auch das Überqueren einer teilweise eingestürzten Brücke wird simuliert – eine Teambuildingmaßnahme für kleinere Gruppen. „Es ist spannend, interessant, aber auch sehr anstrengend“, sagt ein Hauptfeldwebel, der sich gesellschaftlich engagieren möchte. „Von Beruf bin ich Leiter der Kreditrevision bei der Sparkasse. Diese zwei Wochen sind ein super Ausgleich zu dem Job.“

Ziel: Ab 2025 einsatzfähig

Als Teil des „Heimatschutzregiment 2“ soll er ab 2025 so gut ausgebildet sein, dass er im Ernstfall eingezogen werden könnte. Die Aufgabe von Reservisten sei im Kriegsfall der Schutz von kritischer Infrastruktur. Aber auch in Katastrophenlagen – wie zum Beispiel der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal – könnte das neue Heimatschutzregiment dann für Hilfeleistungen eingesetzt werden.

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