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Lebhafte Debatte

Martiniviertel: Busse raus oder Busse rein?

Münster

Die Stadt Münster möchte das Martiniviertel in einen Mikro-Kiez verwandeln, was auch immer das heißt. Bei Bürgerführungen wurde das Konzept am Freitag im „Kiez“ vorgestellt. Kontroversen blieben dabei nicht aus.

Von Klaus Baumeister

Enger Bürgersteig, große Pläne: Rund 35 Bürger folgten dem Landschaftsplaner Stephan Bracht am Freitag durch das Martiniviertel, um über die angestrebten Veränderungen zu reden. Foto: Matthias Ahlke

„Das war jetzt reiner Zufall“, sagt Stephan Bracht, als er die 35-köpfige Gruppe über die Hörsterstraße führt, um ihnen das geplante „Mikro-Kiez Martiniviertel“ zu erklären. Plötzlich geht nichts mehr: Erst quetscht sich ein Bus der Linie S90 durch die enge Straße, dann ein Bus mit der Aufschrift „Rohlmann-Reisen“, und dann auch noch ei Stadtwerke-Bus der Linie 6.

Soll der Mikro-Kiez kommen, müssen die Busse raus. Da sieht der Bus-Stau aus wie bestellt, weiß auch Bracht. Es ist nicht einmal 20 Minuten her, dass der Referent von älteren Frauen, darunter auch Erika Gericke von der Senioren-Union, in eine heftige Kontroverse verwickelt wird, eben weil sie es für zwingend erforderlich halten, dass die Busse bleiben. „Sonst komme ich nicht mehr in die Stadt“, so Gericke. Beim Gang durch das Martiniviertel gibt es auch andere Stimmen. „Die Busse stören nur“, raunt ein Anwohner. Der Stau direkt vor seiner Nase sei alles andere als bestellt: „So ist es hier immer.“

Mehr Freiräume und weniger Fahrzeuge

Aber der Reihe nach: Die Stadt Münster möchte das Martiniviertel gern umplanen, städtebaulich wie auch verkehrlich. Mehr Freiräume und weniger Fahrzeuge lautet die Devise.

Am Freitagnachmittag sind interessierte Bürger eingeladen, sich am Bült näher über das Konzept zu informieren und an Führungen teilzunehmen. Diese werden von dem Landschaftsarchitekten Stephan Bracht vom Büro SAL geleitet. Bracht hat das Konzept für die Stadt Münster erarbeitet und steht jetzt Rede und Antwort.

Dabei bekommt er hautnah zu spüren, was Bürgerbeteiligung heißt. Das fängt schon damit an, dass er seine Kurzvorträge immer wieder unterbrechen muss. Sei es, dass ein Paketbote seinen Weg durch die Bürgergruppe sucht. Sei es, dass nebenan allzu laut gejubelt wird, weil sich gerade ein junges Brautpaar das Ja-Wort gegeben hat und jetzt nach draußen tritt.

Der Teufel liegt im Detail

Bei der Planung liegt mancher Teufel im Detail. Bracht schlägt Bänke abseits der Gastronomie vor, um die „Aufenthaltsqualität“ zu steigern, wie es im Fachjargon heißt.

Prompt meldet sich ein Anwohner. Beim Verkehrsversuch im vergangenen Jahr habe es diese Bänke gegeben. Die Folge: „Partys bis 3 Uhr in der Nacht.“ Das dürfe sich nicht wiederholen.

Apropos Verkehrsversuch: Die Sperrung der Hörsterstraße im vergangenen Jahr habe zu Irrfahrten und Staus auf der benachbarten Sonnenstraße geführt, führt ein anderer Anwohner aus. Simone Thiesing von der Stadtverwaltung verspricht, das zu klären.

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