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Baustart für den Hüffercampus in Münster

Campus der Gemeinsamkeit

Münster

Auch ohne den Besuch des kurzfristig verhinderten NRW-Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten Armin Laschet war der erste Spatenstich für den Hüffer.Campus ein großer Moment. Hier werden auf neue Weise Brücken geschlagen.

Von Karin Völker

Diese Animation zeigt, wie der neue Hüffer-Campus aussehen wird. Die neuen Gebäude gruppieren sich hinter dem historischen Hüfferstift. Foto: agn Niederberghaus & Partner 

Der Ehrengast, der das aktuell größte Hochschulbauprojekt Münsters mit besonders bemerkenswerten Konzept bereits beim Spatenstich adeln sollte, ließ sich bei laufender Veranstaltung entschuldigen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der für den Hüffer-Campus von Universität, FH sowie dem Studierendenwerk Münster den Startschuss geben wollte, sagte wegen drohender zu großer Verspätung ab. Weshalb auch die Laschet geltenden Proteste der Demonstranten hinter dem Bauzaun auf der Robert-Koch-Straße ins Leere liefen.

Dem Projekt, das hier gestartet wurde, tat dies alles keinen Abbruch.

„Superlativ“ wurde beschworen

Markus Vieth, Chef der Niederlassung Münster des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW, unter dessen Leitung der Hüffer-Campus errichtet wird, sprach von einem „Superlativ“ – der dann in allen weiteren Reden beschworen wurde. Die Quintessenz: Der Hüffer-Campus steht für vielfache Verbindung – nämlich der beiden großen Hochschulen Münsters mit ihren Studierenden und Lehrenden, der Wissenschaftsdisziplinen und der Religionen. So werde der „Campus der Religionen“, den die Westfälische Wilhelms-Universität hier ansiedelt, ein Ort des Austauschs und des Miteinanders von christlichen und islamischen Theologien sein.

Die Bibliothek der Fakultäten – auch das Zentrum für islamische Theologie soll demnächst den Fakultätsstatus erhalten – umfassen zusammen rund 600.000 Bände und werden damit den größten Wissensschatz auf diesem Gebiet zumindest im deutschsprachigen Raum darstellen, wie WWU-Rektor Prof. Johannes Wessels in seiner Ansprache betonte. „Hier wird Gemeinsamkeit gelebt werden“, freute sich die Präsidentin der FH, Prof. Ute von Lojewski. Die FH siedelt hier ihre Fachbereiche Sozialwesen und Gesundheit an – Disziplinen die den Geist des neuen Areals ideal mitprägten.

Große Bedeutung von Hochschul-Investitionen

Regierungspräsidentin Dorothee Feller würdigte die große Bedeutung von Hochschul-Investitionen für die ganze Region. Sie begrüße unter anderen auch Dr. Benedikt und Dr. Eduard Hüffer, als Repräsentanten der Familie des früheren Stifters des gleichnamigen, knapp 120 Jahre alten, historischen Hüfferstifts, das – frisch saniert – Teil des neuen geschätzt 165 Millionen Euro teuren Campus wird.

Wissenschaft, Mensa und Tiefgarage

Direkt hinter dem historischen Hüfferstift entstehen auf dem 19 000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Hüfferstraße und Robert-Koch-Straße Gebäude-Komplexe für die FH mit ihren Bereichen Sozialwesen und Gesundheitswissenschaften und für den „Campus der Religionen“ der WWU. Allein die Bibliothek für die katholische, die evangelische und die islamische Theologie wird 4000 Quadratmeter Nutzfläche haben und im deutschsprachigen Raum einmalig sein, so die WWU. Für das Studierendenwerk entsteht eine neue Mensa mit 560 Sitzplätzen und Außenterrasse. Unter dem Hüffer-Campus erstreckt sich eine Tiefgarage, die hauptsächlich Fahrrädern Platz bietet: 1200 Fahrräder finden hier Platz, zusätzlich entstehen 270 Autostellplätze. Die Fertigstellung des gesamtes Komplexen ist für 2024 geplant.

Kommentar: Ort für Verbindung

Münster hat eine neue größte Baustelle, und natürlich sind es Hochschulen als Motoren der Stadtentwicklung, die sich hier erweitern und erneuern. Teil des Ensembles ist das historische, 1903 von der caritativen Hüfferstiftung errichtete, ehemals als orthopädische Klinik und nach der Sanierung wieder von FH und WWU genutzte Gebäude, das dem ganzen neuen Campus nun den Namen gibt. Hier verbinden sich durch die gemeinsame Nutzung auch die beiden großen Hochschulen WWU und FH. Außerdem ist der neue Campus städtebaulich ein Bindeglied zwischen den Uni-Bauten der Altstadt und den Hochschulgeländen im Westen.

Mit dem Hüffer-Campus werden Wissenschaftsbereiche mit einer Großinvestition gestärkt, an denen die Forschungsförderung eher vorbeifließt. Zum einen das Sozialwesen, zum anderen die Theologien. Christliche und islamische Theologien werden hier in einem Haus und einer Bibliothek ganz real zusammengeführt. Das ist mehr als nur symbolhafte Annäherung in einem für die Gesellschaft elementaren Diskurs.

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