1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Claras stürmischer Auftritt: "Plötzlich hatte ich die Kleine schon im Handtuch"

  8. >

Feuerwehr: Geburtsbegleitung per Telefon

Claras stürmischer Auftritt: "Plötzlich hatte ich die Kleine schon im Handtuch"

Münster

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: Anna Zurfähr aus Gremmendorf hat in der Nacht zu Mittwoch ihre Tochter ungeplant zu Hause zur Welt gebracht. An ihrer Seite nur ihr Mann – und am Telefon der Leitstellenmitarbeiter der Feuerwehr.

Björn Meyer

Anna und Stephan Zurfähr mit ihrer zweiten Tochter Clara, die in der Nacht zu Mittwoch ungeplant in den heimischen vier Wänden der Familie zur Welt kam. Erst nach der Geburt konnten Eltern und Kind den Weg ins St.-Franziskus-Hospital antreten. Foto: privat

Am Dienstagabend laufen bei Familie Zurfähr aus Gremmendorf die Vorbereitungen für einen Kindergeburtstag. Tochter Irma wird am Tag darauf zwei Jahre alt. In zweieinhalb Wochen erwartet die Familie zudem das zweite Kind – eigentlich jedenfalls. Denn in der Nacht auf Mittwoch kommt alles anders. Wie in einem Film sei alles abgelaufen, sagt Stephan Zurfähr (37) am nächsten Tag. In den Hauptrollen dieses Films: seine Frau Anna, er selbst, ein Leitstellenmitarbeiter der Feuerwehr Münster und die kleine Clara (Zweitname Marie), die noch zu Hause das Licht der Welt erblickt.

Gerechnet hatte mit einer derart außergewöhnlichen Nacht niemand, denn der errechnete Geburtstermin war erst am 15. März, beim Hebammen-Termin am Dienstag waren zudem keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Gegen 1 Uhr in der Nacht allerdings wacht Anna Zurfähr (32) mit Wehen auf. Zunächst glaubt sie an ein paar harmlose Senkwehen.

Keine Zeit, um auf den Notarzt zu warten

Doch um 1.39 Uhr, so erzählt es Stephan Zurfähr, weckt sie ihren Mann auf. Die Wehen sind längst heftiger – so heftig, dass an einen Transport schnell nicht mehr zu denken ist. Stephan Zurfähr wählt in Absprache mit dem Franziskus-Hospital den Notruf der Feuerwehr. Der Leitstellenmitarbeiter gibt erste Hinweise, was zu tun sei und verspricht umgehend Hilfe zu schicken.

Doch nur wenige Minuten später, es ist noch immer vor 2 Uhr, wählt Zurfähr erneut den Notruf. Man habe vielleicht nicht mehr die Zeit, auf den Notarzt zu warten, sagt er. Dann platzt die Fruchtblase seiner Frau. „Mit Wegatmen war da nichts mehr, das habe ich meiner Frau angemerkt“, beschreibt Zurfähr am Tag darauf die Situation. Auch von der Leitstelle kommt das Signal: „Jetzt müssen wir.“

Stephan Zurfähr

Dann geht alles ganz schnell. Mit der zweiten Presswehe kommt Clara auf die Welt. „Plötzlich hatte ich die Kleine schon im Handtuch“, sagt ihr Vater am Mittwochnachmittag noch immer ungläubig. Er habe noch geschaut, ob mit der Nabelschnur alles okay sei, erinnert sich Stephan Zurfähr – ist es. Wenige Augenblicke später steht der Notarzt in der Tür, pünktlich zum Abnabeln.

„Ich habe mich wie in Trance gefühlt“, beschreibt der glückliche Vater Stunden nach der Geburt das Geschehene. Er lobt die ruhige Art des Feuerwehr-Mitarbeiters, die dabei geholfen habe, sich in der Situation nicht gänzlich alleine zu fühlen.

Vater ist trotz Pandemie hautnah dabei

„Unsere Mitarbeiter in der Leitstelle sind extra dafür ausgebildet. Das sind Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten“, sagt Feuerwehrsprecher Jörg Rosenkranz, der erste Hinweise auf die frohe Kunde der Nacht am Morgen in den sozialen Netzwerken streut.

Die Zurfährs, wer will es ihnen verdenken, sind am Mittwoch dann noch etwas müde – vor allem aber sehr glücklich. Zuvorderst natürlich, weil Mutter und Kind wohlauf sind. Und: „Weil das alles etwas ganz Besonderes ist“, sagt Stephan Zurfähr und gesteht, er habe eigentlich Sorge gehabt, wegen der Corona-Pandemie viel von der Geburt zu verpassen. Doch schließlich kam alles anders: Der Vater war wortwörtlich hautnah dabei – seine Frau vor Augen, seine aufgewachte Tochter im Rücken und den Leistellenmitarbeiter am Ohr.

Startseite
ANZEIGE